Corona-Flaute

Sinnvolle Hilfen für den Luftverkehr

Ein Flugzeug im Sonnenuntergang
Die Luftverkehrswirtschaft wartet auf einen Lichtblick. Staatliche Hilfen werden nötig sein, aber wir müssen die richtigen Weichen stellen. unsplash/Stefan Fluck
12.05.2020
  • Der Luftverkehr ist eine der am härtesten von der Corona-Krise betroffenen Branchen. Die Lufthansa etwa befördert aktuell nur noch ein Prozent ihres üblichen Passagieraufkommens.
  • Es ist in unserem Interesse, Airlines und Flughäfen in systemrelevantem Umfang zu erhalten. Dafür sind absehbar finanzielle Hilfen des Staates notwendig.
  • Aber nicht alle Teile des bestehenden Luftverkehrs sind systemrelevant. Weil Fliegen besonders energieintensiv und klimaschädlich ist, kann der Flugbetrieb nicht in allen Teilen aufrechterhalten und die Branche zu alten Wachstumszielen zurückkehren.

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Die Corona-Pandemie hat den Luftverkehr weitgehend zum Erliegen gebracht. Auf absehbare Zeit wird es schwierig sein, Passagierflüge mit einer wirtschaftlich rentablen Auslastung anzubieten und gleichzeitig den Erfordernissen des Infektionsschutzes nachzukommen. Die Branche steckt in einem Dilemma und ist insgesamt – vom Reisebüro über den Flughafen bis hin zur Airline, die ihr Fluggerät am Boden parken muss – vom Nachfragerückgang extrem gebeutelt.

Viele Unternehmensexistenzen sind bedroht, viele Arbeitsplätze stehen weltweit auf dem Spiel. Um einen wirtschaftlichen Crash zu vermeiden und Luftverkehr zu erhalten, sind staatliche Rettungsgelder absehbar notwendig.

Die klimapolitischen Grenzen des Luftverkehrs

Jedoch erzwingt die Corona-Pandemie auch ein Innehalten. Eine Voraussetzung für die weltweite Ausbreitung von Covid-19 ist unsere weltumspannende Mobilität, die in den vergangenen Jahrzehnten exponentiell gewachsen ist. Zuletzt haben täglich mehr als zweihunderttausend Flugzeuge Millionen von Menschen um die Erde transportiert. Allein in den letzten fünf Jahren hat die Anzahl der Flüge weltweit um 30 Prozent zugenommen. Waren Flugreisen noch vor 30 Jahren eher die Ausnahme, kann heute mit ein paar wenigen Klicks das Ticket in so ziemlich jeden Winkel der Welt gekauft werden.

Unsere Mobilitätsstrukturen sind eine Hauptursache für die beschleunigte Erderhitzung. Es ist daher in aller Vernunft darüber zu entscheiden, welche Erscheinungsformen von Mobilität und Transport wir jetzt mit massivem Einsatz öffentlicher Geldern stützen müssen und wo wir gezielt umzusteuern haben, um unsere natürlichen Lebensgrundlage zu erhalten.

Die Corona-Pandemie hat auch gezeigt, dass wir unser Leben schnell anpassen können und in der Lage sind, zum Beispiel Verkehr zu vermeiden und zu ersetzen. Im Hinblick auf den Luftverkehr in Deutschland sind etwa viele defizitäre Regionalflughäfen, die seit Jahren am Tropf der SteuerzahlerInnen hängen, nicht nur verzichtbar, sondern nicht länger tragbar.

Gezielt in klimafreundliche Kraftstoffe investieren

Ebenso müssen staatliche Hilfen für einzelne Airlines an Klimaauflagen geknüpft werden. Erinnern wir uns: Gerade die Anfangsjahre der Fliegerei waren mit vielen Visionen verbunden. Manche sind gescheitert, viele jedoch gelungen, so dass heute das Flugzeug Menschen und Kontinente verbindet.

Mit dieser Haltung sollte die Branche und mit ihr die Verkehrs- und Wirtschaftspolitik jetzt an die Rettung der Luftfahrt herangehen und Konjunkturprogramme, die zur Linderung der Corona-Rezession aufgelegt werden, auf Klimaschutz und neue Technologien ausrichten.

Statt Abschottung muss gerade im Luftverkehrssektor die internationale Zusammenarbeit ausgeweitet werden. Dazu gehört unter anderem, eine umfassende Förderung für die Herstellung von synthetischen Power-to-Liquid-Treibstoffen (PtL) aufzulegen. Diese könnten künftig auf der Grundlage erneuerbaren Stroms weltweit produziert werden, um Verbrennungsprozesse in der Industrie sowie im Flug- und Schiffsverkehr klimafreundlich zu machen. Um ihren Einsatz anzureizen, gilt es, den steuer- und ordnungspolitischen Rahmen des Flugverkehrs anpassen und klimaschädliche Subventionen abzubauen. Nicht länger ein kurzfristiges und rein an Wachstum orientiertes, sondern ein krisensicheres und nachhaltiges Wirtschaften muss zur Destination der Branche werden.

Mehr zum Thema in unserem AutorInnenpapier "Luftverkehr in Zeiten von Corona"