Europäische Forschung

Wissenschaft gegen die Krise für die Zukunft stärken

Gerade junge Forscherinnen und Forscher arbeiten oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Corbis
20.04.2020
  • Forschung ist entscheidend für die Bewältigung der Corona-Krise. Doch es gibt Forschende, die durch die Krise Probleme bei Beschäftigungs- und Projektlaufzeiten bekommen. 
  • Die Bundesregierung muss mehr Forschungsgelder für die Impfstoffentwicklung durch CEPI, Medikamente für Therapien, Antikörpertests und gesellschaftswissenschaftliche Forschung zu den Folgen der Krise ausgeben.
  • Wir wollen eine solidarische, vernetzte, europäische Forschung, die in der Krise und darüber hinaus finanziell substantiell gestärkt wird, damit schnellstmöglich ein Impfstoff, Therapiemedikamente und Antikörper-Schnelltests zur Verfügung stehen.

Wissenschaft ist zur Lösungsfindung bei Krisen unabdingbar – das zeigt die weltweite Verbreitung und die Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2 auf dramatische Weise. Forscherinnen und Forscher arbeiten mit Hochdruck daran, Wege aus der Krise zu finden. In der Pandemie übernimmt die Wissenschaft – vor allem die Gesundheitsforschung – globale Verantwortung für uns alle, vergleichbar mit der Klimaforschung in den Klimakrise-Debatten.

Wissenschaft für Wege aus der Krise

Fortschritte in der kooperativen, weltweit vernetzten Entwicklung neuer Therapien und Impfstoffe machen Mut, dass wir diese schwierige Lage überstehen werden. Die globale Forschungsallianz Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) fokussiert sich derzeit intensiv auf die Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 und wird von vielen Ländern weltweit unterstützt.

Impfstoffentwicklung international fördern

CEPI beziffert die Gesamtkosten für eine Impfstoffentwicklung auf rund 1,8 Milliarden Euro. Deutschland hat hierfür kurzfristig 140 Millionen Euro beigesteuert, aber das reicht nicht aus. Wir fordern die Bundesregierung auf, den Beitrag schnell auf mindestens 320 Millionen Euro aufstocken, damit die Impfstoffentwicklung nicht ins Stocken gerät.

Dieser Betrag muss je nach Dynamik der Lage angepasst werden. Darüber hinaus muss die Bundesregierung ihre internationale Rolle nutzen, weitere Staaten zu notwendigen Investitionen zu bewegen, beispielsweise im Rahmen der geplanten EU-Geberkonferenz. Außerdem ist bei der Bereitstellung des Impfstoffes entscheidend, dass er allen Menschen zugänglich gemacht wird, denn er wird in wesentlichen Teilen von öffentlichen Geldgebern finanziert. Darauf muss die Bundesregierung in ihrer herausgehobenen Position im Investors Council hinwirken.

Mehr Geld für Forschung

Wir begrüßen die Förderbekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum besseren Verständnis des Virus und zur Erforschung von Therapiemöglichkeiten gegen die Atemwegserkrankung COVID-19. Angesichts der großen Resonanz ist allerdings davon auszugehen, dass die bestehenden Fördergelder nicht ausreichen, um alle vielversprechenden Forschungsvorhaben zu finanzieren.

Hier muss die Bundesregierung mehr Einsatz zeigen, damit Ideen weiterentwickelt und umgesetzt werden können. Wir brauchen darüber hinaus weitere Forschungsförderung, die gezielt die Weiterentwicklung und Validierung diagnostischer Tests sowie die Erforschung von Immunisierung und antikörperbasierter Tests unterstützt.

Aktuell schlägt die Stunde der Gesundheitsforschung, aber gleichzeitig erleben wir die Primetime der Sozial-, Geistes- und Verhaltenswissenschaften. Zum Verständnis der Krise und ihrer gesellschaftlichen Folgen sind interdisziplinär angelegte Forschungsvorhaben erforderlich, die neben den gesundheitlichen Fragen auch soziale, kulturelle, ethische, psychologische und rechtliche Faktoren untersuchen. Für diese wichtige Forschung sollte eine Förderlinie eingerichtet werden, in der auch Bürgerinnen und Bürger systematisch beteiligt werden.

Unbürokratische Prozesse

Viele Forschende müssen jetzt erhebliche zusätzliche Aufgaben schultern. Dafür müssen gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft auch während der Krise gesichert sein. Die umfassende Erstellung von Förderanträgen und das Einwerben von Drittmitteln stellt in der aktuellen Pandemie für alle Forschenden eine erhebliche Zusatzbelastung dar – insbesondere, wenn diese zugleich in der Versorgung von Patientinnen und Patienten tätig sind.

Daher sind weitere Vereinfachungen und der Abbau von Bürokratie im Vergabeverfahren seitens des BMBF erforderlich. Wenn Promovierende oder PostDocs ihre Arbeit wegen der Krise nicht oder nur verzögert fortsetzen können, brauchen sie Beschäftigungssicherheit und die vertragliche Weiterbeschäftigung und -bezahlung muss sichergestellt sein. Auch Projektfristen, Ausschreibungsverfahren, Zielvereinbarungen und die Laufzeiten von Qualifikationsstellen und Tenure-Track-Professuren sind entsprechend anzupassen.