Gesundheitsforschung

Wissenschaft gegen die Krise für die Zukunft stärken

Gerade junge Forscherinnen und Forscher arbeiten oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Corbis
25.03.2021
  • Forschung ist entscheidend für die Bewältigung der Corona-Krise. Doch die Bundesregierung vernachlässigt nach wie vor wichtige Forschungsbedarfe.
  • Erforderlich sind deutlich mehr Forschungsgelder für die Impfstoffentwicklung, Medikamente für Therapien, Antikörpertests und gesellschaftswissenschaftliche Forschung zu den Folgen der Krise.
  • Wir wollen eine solidarische, vernetzte, europäische Forschung, die in der Krise und darüber hinaus finanziell substantiell gestärkt wird, damit wir besser für zukünftige Herausforderungen gerüstet sind.

Wissenschaft ist zur Lösungsfindung bei Krisen unabdingbar – das zeigt die weltweite Verbreitung und die Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2 auf dramatische Weise. Forscherinnen und Forscher arbeiten mit Hochdruck daran, Wege aus der Krise zu finden. In der Pandemie übernimmt die Wissenschaft – vor allem die Gesundheitsforschung – globale Verantwortung für uns alle, vergleichbar mit der Klimaforschung in den Klimakrise-Debatten.

Wissenschaft für Wege aus der Krise

Fortschritte in der kooperativen, weltweit vernetzten Entwicklung neuer Therapien und Impfstoffe machen Mut, dass wir diese schwierige Lage überstehen werden. Die Pandemie hat offenbart, wo die Gesundheitsforschung hierzulande Weltspitze ist, aber auch, wo wir in der Förderpolitik besser werden müssen. Jetzt gilt es, akute Forschungslücken zu schließen und längerfristige Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Forschungslücken schließen

In Rekordzeit wurden in den letzten Monaten mehrere sichere Impfstoffe erforscht und entwickelt. Doch angesichts der Mutationen des Virus müssen wir bereits jetzt für Impfstoffe der zweiten und dritten Generationen vorbauen, sowie die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Covid-19 vorantreiben. Gerade angesichts der stockenden Impfstoffverteilung werden diese noch lange wichtige Lebensretter sein.

Darüber hinaus muss die Bundesregierung ihre internationale Rolle nutzen, weitere Staaten zu notwendigen Investitionen zu bewegen. Beispielsweise sollte sie sich für die verlässliche, ausreichende Finanzierung der Impfstoff-Initiative CEPI einsetzen. Bei der Bereitstellung von Impfstoffen und Medikamenten ist entscheidend, dass sie allen Menschen zugänglich gemacht werden, insbesondere wenn sie in wesentlichen Teilen von öffentlichen Geldgebern finanziert sind.

Gesundheitsforschung langfristig stärken

Die Pandemie hat zahlreiche Schwachstellen der Gesundheitsforschung offengelegt – von zu langsamen Entscheidungsprozessen bis zu fehlerhafter Schwerpunktsetzung. Wir müssen darum Lehren aus den letzten Monaten ziehen und das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung des Bundesforschungsministeriums (BMBF) grundlegend überarbeiten - angesichts der rasenden Naturzerstörung ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Pandemie droht.

Die Forschung zu Zoonosen und die systemische One Health-Perspektive zum Zusammenhang von Mensch und Umwelt im Gesundheitsschutz gilt es dauerhaft zu stärken. Damit wertvolle Erkenntnisse der Grundlagenforschung schneller in die praktische Anwendung kommen, wollen wir den Transfer – beispielsweise in Form sogenannter Translation Hubs an den Universitätskliniken – schaffen.

Ebenso muss die Qualität von Forschungsdaten zum Wohle der Patientinnen und Patienten verbessert werden.

Unbürokratische Prozesse

Viele Forschende müssen jetzt erhebliche zusätzliche Aufgaben schultern. Dafür müssen gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft auch während der Krise gesichert sein. Die umfassende Erstellung von Förderanträgen und das Einwerben von Drittmitteln stellt in der aktuellen Pandemie für alle Forschenden eine erhebliche Zusatzbelastung dar – insbesondere, wenn diese zugleich in der Versorgung von Patientinnen und Patienten tätig sind.

Daher sind weitere Vereinfachungen und der Abbau von Bürokratie im Vergabeverfahren seitens des BMBF erforderlich. Wenn Promovierende oder PostDocs ihre Arbeit wegen der Krise nicht oder nur verzögert fortsetzen können, brauchen sie Beschäftigungssicherheit und die vertragliche Weiterbeschäftigung und -bezahlung muss sichergestellt sein.­


Zum Weiterlesen

Autor*innenpapier Gesundheitsforschung nachhaltig stärken (pdf, 9.4.`20)