Kita- und Schulöffnungen

Zukunftschancen von Kindern sichern

Kinder spielen auf dem Spielplatz einer Kindertagesstätte.
Kinder spielen auf dem Spielplatz einer Kindertagesstätte. picture alliance | Rolf Vennenbernd
10.08.2020
  • Geschlossene Kitas und Schulen vergrößern die Bildungsungerechtigkeit. Jetzt müssen die Bedürfnisse, Interessen und Zukunftschancen der jungen Generation ins Zentrum zukünftiger Entscheidungen rücken. Für den Fall von erneuten Schulschließungen fordern wir konkrete gemeinsame Leitlinien für Länder und Schulen.
  • Öffnungen von Kitas und Schulen wollen wir – unter Einhaltung der Hygieneregeln - höchste Priorität einräumen. Familien brauchen verlässliche Perspektiven.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern einen Bildungsgipfel unter Beteiligung relevanter Akteurinnen und Akteure. Auf diesem müssen gemeinsame Leitlinien und die Entwicklung bundesweiter Standards und Handreichungen für Präventionskonzepte festgelegt werden, auf deren Grundlage die Länder und Schulen jeweils eigene Pläne entwickeln können.

Der monatelange Spagat zwischen Kinderbetreuung, Job und Fernunterricht war und ist für viele Familien eine Zerreißprobe. Die Krise zeigt, dass Kitas und Schulen nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern auch wichtige soziale Orte sind. Ziel muss deshalb sein, zum Schulstart zu einem verlässlichen Kita- und Schulbetrieb zurückzufinden, der Infektionsschutz und das Recht auf Bildung in Einklang bringt.

Bildungsgipfel für gemeinsame Leitlinien

Deshalb fordern wir einen Bildungsgipfel unter Beteiligung relevanter Akteure und Akteurinnen zur Festlegung gemeinsamer Leitlinien. Trotz der grundsätzlichen Länderzuständigkeit in dem Bereich braucht es diese Leitlinien, anhand derer ein risikoarmer Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen stattfinden kann.

Ausstattung, Personal und Räume stellen jede Schule vor eine individuelle Herausforderung. Es ist auch klar, dass es hier dezentrale Zuständigkeiten gibt. Aber es gilt auch für jedes Kind in diesem Land das Recht auf Bildung. Die Kulturministerkonferenz hat dieses Ziel bislang nicht erreicht und wichtige Zeit ins vergehen lassen. Bundesweit einheitliche, klare Leitlinien können nun helfen, die verlorene Zeit aufzuholen.

Schließung von Schulen verhindern

Zudem fordern wir, dass das Robert-Koch-Institut bundesweite Standards und Handreichungen für Präventionskonzepte entwickelt, auf deren Grundlage die Länder und Schulen jeweils eigene Pläne entwickeln können. Zentrales Ziel muss es sein, die Schließung von Schulen aufgrund von Ausbrüchen zu verhindern und Risikogruppen effektiv zu schützen.

Auch muss die Kommunikation mit Eltern verbessert werden. Die einzelnen Maßnahmen müssen gut erklärt und begründet werden. Dies lässt sich durch einheitliche Standards und Handreichungen besser gewährleisten als durch den derzeitigen Regeldschungel in den Schulen mit sehr unterschiedlichen Maßnahmen.

Zukunftschancen von Kindern in den Blick nehmen

Aus der Bildungsforschung wissen wir: Jeder Tag, an dem Kita und Schule nicht stattfinden, vergrößert bestehende Bildungsungerechtigkeiten. Umso wichtiger ist es, bei allen Entscheidungen die Bedürfnisse, Interessen und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen stärker in den Blick zu nehmen.

Update für die Schulen starten

Dafür brauchen die Schulen ein schnelles Update. Wir wollen alle Lehrkräfte fit machen für den Unterricht im digitalen Zeitalter. Zu Beginn des neuen Schuljahrs braucht zudem jede Schule WLAN, Lernmanagementsysteme und sichere Messengerdienste. Wir wollen, dass jedes Schulkind bei Bedarf einen Laptop oder Tablet in der Schule ausleihen kann, damit niemand wegen fehlender Technik abgehängt wird. Wir Grüne im Bundestag fordern den Bund in einem Antrag dazu auf, die Digitalisierung des Bildungswesens gemeinsam mit den Ländern endlich konsequent voranzutreiben.

Lehrkräfte entlasten

Lehrkräfte sollen sich ganz auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren können. Damit das gelingt, wird zusätzliches Personal dringend gebraucht. IT-Fachkräfte, Lehramtsstudierende und andere außerschulische Fachkräfte können den Unterricht in multiprofessionellen Teams gerade in der Krise sehr bereichern. Dafür braucht es ausreichende Mittel, kreative Ideen und volle Rückendeckung aus der Politik.

Kostenlose Tests ermöglichen

Auch einige Lehrkräfte und Erzieher*innen gehören zu einer Risikogruppe. Um sie zu schützen, wollen wir stichprobenartige und anlassbezogene Tests kostenlos zur Verfügung stellen. Sie sollen mit einem Attest von der Präsenzpflicht befreit oder im Rahmen des Fernunterrichts eingesetzt werden. Das Risikoattest sollte unter bestimmten Voraussetzungen auch erweitert ausgestellt werden können, etwa wenn eigene Familienangehörige oder vom Lehrpersonal zu pflegende Personen zu einer Risikogruppe gehören.