Strommarktdesign

Auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbarer Energie

 DEUTSCHLAND, HELGOLAND - NOVEMBER 25: Windturbinen im Offshore-Windpark Amrumbank West der E.ON SE.
Im neuen Stromsystem bilden erneuerbare Energien die Grundlage. Darauf wollen wir Grüne im Bundestag den künftigen Strommarkt ausrichten. In einem Fraktionsbeschluss haben wir unsere Vorstellungen zusammengefasst. picture alliance/Ulrich Baumgarten
26.04.2021
  • Nur durch die konsequente Ausrichtung des Strommarkts auf erneuerbare Energien wird Strom dauerhaft sicher, günstig und sauber
  • Mit den Regeln der fossilen Vergangenheit können neue, klimafreundliche Innovationen nicht durchstarten und wir zahlen weiter für veraltete, schmutzige Strukturen
  • Es soll sich für Industrie, Bürger*innen sowie kleine und mittlere Unternehmen lohnen, Verbrauch und Produktion mit dem Strommarkt abzustimmen und aktiv an der Energiewende teilzunehmen

Zu 100 Prozent erneuerbar, sicher und günstig

Die Versorgung mit 100 Prozent grüner Energie ist möglich, sicher und günstig. Tatsächlich sogar günstiger und sicherer als heute mit fossilen Brennstoffen. Nicht nur wegen der steigenden Importkosten für Öl und Gas, sondern vor allem auch wegen der immensen Klima- und Umweltfolgen, die auf uns und unsere Kinder zukommen, können wir uns ein fossiles „Weiter so“ schlicht nicht leisten.

Die Strompreise müssen darum endlich widerspiegeln, wann Strom tatsächlich günstig ist. Dann nämlich, wenn richtig viel Wind- und Sonnenstrom durch unsere Leitungen fließt. Wenn man die richtigen Bedingungen schafft, dann tut er das auch sehr verlässlich und wir haben stets genug Strom. Hierzu haben die Grünen im Bundestag den Beschluss Strommarktdesign vorgelegt.

Niedrigere Umlagen für Grünstrom

In Zukunft soll es sich auch finanziell lohnen, vor allem sauberen Strom zu nutzen. Dazu brauchen wir einen wirkungsvollen CO2-Preis, so dass Kohlestrom endlich auch an der Strombörse teuer wird und erneuerbare Energien ihre Stärke zeigen können. Dieses Signal kann zum Beispiel durch die Ausgestaltung der Umlagen und Netzentgelte verstärkt werden, die einen großen Teil von unseren Stromrechnungen ausmachen.

Also niedrigere Umlagen, wenn viel Grünstrom im Netz ist, und höhere, wenn vor allem Kohle- und Gas verfeuert wird. Nicht nur für die Großverbraucher in der Industrie sondern auch für die vielen Menschen mit Wärmepumpen oder E-Autos kann es so bares Geld wert sein, den Strom zeitlich flexibel zu verbrauchen. Und das sogar klimafreundlich.

Teilnahme für alle ermöglichen

Stromkund*innen bekommen das Recht, ohne bürokratische Hindernisse und endlose Verzögerungen mit ihren Speichern, PV-Anlagen oder E-Autos am Markt teilzunehmen – wenn sie das wollen. Dafür muss ihnen sichere und intelligente Messtechnik zur Verfügung gestellt werden. Es ist an der Zeit, dass Stromanbieter und Netzbetreiber attraktive Angebote entwickeln, so dass aktive Kund*innen und Mieterstromprojekte am Strommarkt teilnehmen und so das allgemeine Netz stärken können. Kontraproduktive Belastungen von intelligenten Speichern werden abgebaut.

Erneuerbare verlässlich ausbauen

Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für die Finanzierung, um den dramatisch eingebrochenen Ausbau der Erneuerbaren wieder auf Tempo zu bringen. Durch die Weiterentwicklung des EEG zu sogenannten Differenzverträgen werden nicht nur die Produzent*innen vor unrentabel niedrigen Preisen geschützt, sondern auch die Stromkund*innen vor teuren Preisen.

Bei hohen Preisen an der Börse zahlt nämlich der Stromproduzent die Differenz zum vereinbarten Preis zurück auf das EEG-Konto und reduziert so die Stromrechnungen. Ähnlich können auch klassische Power-Purchase-Agreements (PPAs) wirken, die bereits zur Finanzierung der größten deutschen Solaranlagen genutzt werden.

Allerdings benötigen sie bessere Rahmenbedingungen. Neben der Finanzierung sind aber auch andere Instrumente für die Ankurbelung des Ausbaus notwendig, so müssen etwa die Ausbauziele erhöht werden.

Förderung nur für Förderwürdiges

Aktuell gibt es ein Dickicht an Ausnahme- und Sonderregelungen, die in vielen Fällen nicht nur fossile Energieproduktion subventionieren, sondern auch gegen das System laufen und Windräder zum Abschalten zwingen. Viel Geld für nichts. Stattdessen wird es in Zukunft nur Energiewende förderliche Unterstützung geben und für energieintensive Industrie nur dann Erleichterungen geben, wenn es tatsächlich Nachteile im internationalen Wettbewerb auszugleichen gilt.

Sichere Versorgung mit grünem Strom

Wir verfügen über eine sehr sichere Stromversorgung. Teilweise gibt es sogar zweifelhafte und extrem teure Doppel- und Dreifachstrukturen. Wir werden an der Sicherheit nicht sparen, aber sie soll künftig transparent, klimafreundlich und kostengünstig organisiert sein.

Stärken wollen wir dafür vor allem (Speicher-)Wasserkraftwerke, bestehende, flexibilisierte Biogasanlagen, auf Erneuerbare umgerüstete Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Anlagen, mit grünen Gasen (etwa grünen Wasserstoff/Biomethan) betriebene back-up-Kraftwerke und die Integration von bestehenden dezentralen Stromaggregaten.