AutorInnenpapier

Eckpunkte einer grünen Wasserstoffstrategie

Ein Mitarbeiter steht am 24.11.2017 in Hamburg auf dem Gelände der H&R Ölwerke Schindler während eines Presstermins an einer neuen Elektrolyse-Anlage zur Produktion von Wasserstoff.
Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien produziert wird, bietet viele Möglichkeiten, um Treibhausgase einzusparen. Der vorliegende Vorschlag für eine Wasserstoffstrategie zeigt: grüner Wasserstoff kann einen Beitrag zu Energiewende leisten. Foto: Hamburg / neue Elektrolyse-Anlage zur Produktion von Wasserstoff. dpa
24.07.2019

Ist die dringend notwendige Neuausrichtung unseres Energiesystems gut  durchdacht und umgesetzt, wird sie zum Sprungbrett in die Energiewelt von morgen. Das bedeutet nicht nur den Umbau des heutigen Stromsystems. Auch die Sektoren Verkehr, Wärme, Landwirtschaft und Industrie dürfen spätestens zur Mitte des Jahrhunderts keine klimaaggressiven Emissionen mehr produzieren. Für uns Grüne im Bundestag ist die intelligente Verknüpfung der einzelnen Sektoren kein fernes Zukunftsszenario. Wer in 30 Jahren in einer gut vernetzten und sauberen Energiewelt leben möchte, muss hier und heute die Weichen in Richtung Zukunft stellen – mit klarer Vision und klugen Konzepten: hier die Eckpunkte zu einer grünen Wasserstoffstrategie.

Visionen für eine Grüne Wasserstoffstrategie

Die Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien (grüner Wasserstoff) bietet vielfältige Möglichkeiten, in allen Sektoren Treibhausgase einzusparen: Grüner Wasserstoff kann dabei helfen, dass energieintensive Industrieprozesse sauberer werden oder Schwerlastverkehr ohne dreckigen Klimadunst vorankommt. Hohe Umwandlungsverluste auf der einen Seite, vergleichsweise gute Speicherbarkeit und hohe Energiedichte auf der anderen Seite bestimmen die Anwendungsfelder, in denen Wasserstoff künftig eine unverzichtbare Rolle spielen wird.

Gleichzeitig ist für uns klar, dass überall dort, wo direkte Stromanwendungen nötig sind, diese auch genutzt werden. Denn wegen der Umwandlungsverluste bei der Elektrolyse ist eine direkte Stromanwendung effizienter als die Produktion und Nutzung von grünem Wasserstoff.

Leitbilder für eine Grüne Wasserstoffstrategie

Mit der grünen Wasserstoffstrategie wollen wir unser Land in eine Zukunft mit sauberer Wärme, sauberem Strom, sauberer Industrie und sauberer Mobilität führen. An diesen Kriterien orientieren wir die Ausgestaltung der Wasserstoffstrategie. Zugleich gilt: „Efficiency First!“ – denn noch günstiger und naturverträglicher ist jede Kilowattstunde, die gar nicht erst erzeugt werden muss. Wasserstoff kann und soll unser Land sauberer machen.

  • Erstens muss der Ausbau der Erneuerbaren wieder an Fahrt aufnehmen, damit relevante Mengen an grünem Strom für die Wasserstofferzeugung zur Verfügung stehen.
  • Zweitens sollte Wasserstoff dann und dort produziert werden, wo viel erneuerbarer Strom zur Verfügung steht.
  • Drittens müssen die regulatorischen Schwierigkeiten für die Produktion von Wasserstoff angegangen werden. Es ist die Verantwortung der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass der Einsatz und damit die Weiterentwicklung der Technologie so schnell wie möglich stattfinden.

Maßnahmen für eine Grüne Wasserstoffstrategie

Es ist höchste Zeit, dass nicht nur über Wasserstoff gesprochen wird, sondern die politischen Rahmenbedingungen den Aufbruch in die nächste Phase der Energiewende ermöglichen und anschieben.

Erneuerbare Energien müssen unter anderem durch Investitionssicherheit und Entbürokratisierung gefördert werden. Erzeuger müssen durch Preissignale ermutigt werden Wasserstoff „netzdienlich“ zu produzieren. Darüber hinaus müssen auch Abgaben und Umlagen reformiert werden damit grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig wird. Um Technologieentwicklung zu fördern, schlagen wir klar abgegrenzte Experimentierräume vor, in denen Strombezugskosten gesenkt werden und dadurch Innovationslust und Unternehmergeist geweckt werden. Importmöglichkeiten von erneuerbarem Wasserstoff sollten unter der strikten Einhaltung von Menschenrechten und Klimafreundlichkeit vorsichtig ausgetestet werden.