Wasserstoff

Erneuerbaren-Ausbau notwendig für klimaverantwortliche Wasserstoffstrategie

Ein Mitarbeiter steht am 24.11.2017 in Hamburg auf dem Gelände der H&R Ölwerke Schindler während eines Presstermins an einer neuen Elektrolyse-Anlage zur Produktion von Wasserstoff.
Wasserstoff muss aus erneuerbaren Energien produziert werden. So trägt er dazu bei, Treibhausgase einzusparen und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Foto: Hamburg / neue Elektrolyse-Anlage zur Produktion von Wasserstoff. dpa
18.06.2020
  • Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss erhöht werden, denn nur grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien leistet einen Beitrag zum Klimaschutz
  • Mit grünem Wasserstoff können Emissionen nicht nur im Strombereich, sondern vor allem auch in der Industrie und im Verkehr gesenkt werden
  • Die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung ist erst dann glaubwürdig, wenn erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden. Davon ist bei dieser Regierung nach wie vor nichts zu sehen.

Eine Neuausrichtung unseres Energiesystems ist dringend notwendig. Das bedeutet aber nicht nur den Umbau des heutigen Stromsystems. Auch die Sektoren Verkehr, Wärme, Landwirtschaft und Industrie dürfen spätestens zur Mitte des Jahrhunderts keine klimaaggressiven Emissionen mehr produzieren. Wir Grüne im Bundestag wollen die einzelnen Sektoren intelligent verknüpfen. Die Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien (grüner Wasserstoff) bietet dafür vielfältige Möglichkeiten.

Wasserstoff muss aus Erneuerbaren produziert werden

Mit unserer grünen Wasserstoffstrategie wollen wir die politischen Rahmenbedingungen für den Aufbruch in die nächste Phase der Energiewende ermöglichen und anschieben. Der Ausbau von erneuerbaren Energien muss dafür dringend angekurbelt werden – dies hat die Bundesregierung jedoch bisher versäumt.

Erzeuger müssen außerdem durch Preissignale ermutigt werden, Wasserstoff „netzdienlich“ zu produzieren. Darüber hinaus müssen auch Abgaben und Umlagen reformiert werden, damit grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig wird. Um Technologieentwicklung zu fördern, schlagen wir klar abgegrenzte Experimentierräume vor, in denen Strombezugskosten gesenkt werden und dadurch Innovationslust und Unternehmergeist geweckt werden. Importmöglichkeiten von erneuerbarem Wasserstoff sollten unter der strikten Einhaltung von Menschenrechten und Klimafreundlichkeit vorsichtig ausgetestet werden.

Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung verfehlt Klimaschutz

Die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung wird erst dann glaubwürdig, wenn gleichzeitig erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden. Davon ist bei dieser Regierung nach wie vor nichts zu sehen. Stattdessen droht die Wasserstoff-Strategie der GroKo zum Einfallstor für Kohlestrom zu werden. Die Reform der Abgaben und Umlagen muss aber so erfolgen, dass Wasserstoff da und dort produziert wird, wo viel erneuerbare Energie zur Verfügung steht.

Außerdem zielt die Strategie der Bundesregierung darauf ab, fossile Energieträger durch Wasserstoff zu ersetzen. Doch ohne eine gleichzeige Steigerung von Energie- und Ressourceneffizienz, den Ausbau der Kreislaufwirtschaft und die Einführung alternativer Verfahren und Produkte kann die Dekarbonisierung nicht gelingen.

Gasversorgung muss effizient und grün werden

Der Übergang von der fossilen Gasnutzung auf grüne, erneuerbare Gase muss zügig angegangen werden. Damit das benötigte Gas so schnell wie möglich vollständig aus grünen Quellen kommt, muss die Regierung endlich Energiesparen und Effizienz vorantreiben und den Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich beschleunigen. So kann die Gas-Wende gelingen. Mit gezielter energetischer Sanierung von Gebäuden, dem Einsatz von erneuerbarer Wärme und der Umstellung von Wärmenetzen können wir Erdgas in der Wärmeversorgung zügig ersetzen, ohne in diesem Sektor wertvollen Wasserstoff zu benötigen. Grüner Wasserstoff kann stattdessen zielgenau in der Industrie und im Transportsektor genutzt werden.

Unsere Studie „Die neue Gaswelt“, die die Agentur für erneuerbare Energien in unserem Auftrag erstellt hat, zeigt, wie der künftige Gasbedarf in Deutschland aussieht und wie wir ihn klimagerecht decken können.