Ökostrom

Mehr Erneuerbare machen Kohleausstieg günstiger

Windrad am Deich
Die Bundesregierung verfehlt laut einer Studie des DIW ihr eigenes Ökostromziel für 2030 und gefährdet damit auch den Klimaschutz. Ein schnellerer Ausbau der Erneuerbaren lässt uns nicht nur die Klimaziele erreichen, er macht zudem den Kohleausstieg günstiger. picture alliance / Hinrich Bäsemann
07.03.2019

Die Bundesregierung verfehlt ihr eigenes Ökostromziel für 2030 und gefährdet damit den Klimaschutz. Statt - wie im Koalitionsvertrag angekündigt - 65 Prozent erneuerbare Energien, werden wir unter den aktuellen Rahmenbedingungen nur 55 Prozent Erneuerbare im Stromsektor erreichen. So lautet das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die wir in Auftrag gegeben haben. Die Klimaziele würden so auch dann nicht erreicht, wenn der Kohleausstieg wie von der Kohlekommission vorgeschlagen kommt.

Ökostromausbau eingebrochen

Das heutige Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien ist mit dem Kohleausstieg und den Klimazielen nicht vereinbar. Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Im letzten Jahr ist der Windausbau an Land in Deutschland um mehr als die Hälfte eingebrochen. Die Bundesregierung interessiert das nicht. Und in den Ländern will eine ganz große Koalition von Union bis Linken in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg noch mehr Hürden für Windanlagen aufbauen. Deutschland entzieht den erneuerbaren Energien komplett die Planungssicherheit.

Die Studie zeigt, anstelle eines jährlichen Ausbaus von 2,9 Gigawatt Windenergie und 2,5 Gigawatt Solarenergie, bräuchten wir 4,3 Gigawatt Wind und 4,5 Gigawatt Solar, damit wir das Ziel der Bundesregierung erreichen. Um die Klimaerhitzung auf unter 2 Grad zu begrenzen, so wie es der Klimavertrag von Paris vorsieht, würde auch das nicht reichen.

Schnellerer Ökostromausbau macht Kohleausstieg günstiger

Die Studie zeigt bis 2030 wäre auch ein Ökostrom-Anteil von 85 bis 100 Prozent möglich. Dafür benötigen wir zusätzlich zur Solarenergie und Wind an Land auch das ein höheres Ausbauziel bei der Windenergie auf See. Dieser beschleunigte Ausbau hat dabei nicht nur positive Auswirkungen auf das Klima. Die Studie zeigt außerdem, der stärkere Ausbau von Ökostrom senkt den Strompreis. Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix desto geringer sind die Effekte des Kohleausstiegs auf den Börsenstrompreis. Bei einem Ökostrom-Anteil von 85 Prozent und einem auf 2030 vorgezogenen Kohleausstieg läge der Preis an der Börse um rund 1,5 Cent pro Kilowattstunde niedriger als bei der aktuellen Geschwindigkeit des Ökostromausbaus.

Paradigmenwechsel nötig

Deshalb muss jetzt mehr und nicht weniger Ökostrom her. Wind und Sonne sind inzwischen der Garant nicht nur für Klimaschutz, sondern auch für Versorgungssicherheit und bezahlbare Strompreise. Neue Windausbauflächen, bessere Planungsverfahren und die Abschaffung der "Sonnensteuer" für selbstgenutzten PV-Strom wären erste wichtige Schritte, um den Ökostromausbau wieder anzukurbeln und zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland zu halten. Die Regierung muss zudem endlich ihre Blockaden beim Mieterstrom aus dem Weg räumen, damit die Menschen in den Städten am Umbau der Energieversorgung aktiv mitwirken können.

Mehr Ökostrom-Anlagen sind umso wichtiger, da im Gebäudebereich und im Verkehr nach wie vor viel zu wenig passiert. In der Wärmeversorgung haben die Erneuerbaren einen Anteil von unter 14 Prozent, im Verkehr gerade einmal fünf. Das reicht vorne und hinten nicht. Wir brauchen dringend mehr erneuerbare Energien in allen Bereichen, damit Energiewende und Klimaschutz gelingen.