Kapazitätsmechanismen Der Energiemarkt braucht Veränderung

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Steckdose in grün

Deutschland hat jede Menge Energie. Doch steht diese auch an jedem Ort zur richtigen Zeit zur Verfügung? Durch den Atomausstieg ist die Diskussion um die Versorgungssicherheit in Deutschland neu entflammt. Denn zusätzlich zum forcierten Ausbau erneuerbarer Energien werden auch neue, Kapazitäten benötigt, die je nach Bedarf rasch zu- oder abgeschaltet werden können, wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint.

Noch ist offen, welche neuen Stromerzeugungskapazitäten konkret gebraucht werden. Dennoch macht die Forderung nach neuen Marktmodellen und Subventionsprogrammen die Runde. Denn der Markt setzt aktuell kaum Impulse für die Investition in neue Kraftwerke, Experten raten daher zu einer politischen Flankierung. Ein vieldiskutiertes Instrument ist die Schaffung von Kapazitätsmechanismen, also einer Vergütung für die Bereitstellung von elektrischer Erzeugungsleistung.

Im Rahmen des Fachgesprächs diskutierten Oliver Krischer und Hans-Josef Fell mit 140 Expertinnen und Experten aus Energiewirtschaft, Umwelt und Forschung dieses hoch komplexe, aber für die Energiezukunft wichtige Thema anhand dreier Leitfragen:

  1. Besteht tatsächlich ein Bedarf an zusätzlichen fossilen Kraftwerkskapazitäten und wie groß ist er?
  2. Sind Kapazitätsmechanismen ein geeignetes Instrument, um die Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten anzuregen und wie müssten sie ggf. ausgestaltet werden?
  3. Welche Potenziale an zusätzlichen Kapazitäten lassen sich durch Kraft-Wärme-Kopplung, die Verstetigung erneuerbarer Energien und die aktive Steuerung der Nachfrage (Demand-Side-Management) erschließen?

Das Fachgespräch zeigte unmissverständlich, dass die Schaffung neuer Stromkapazitäten unter den jetzigen Marktbedingungen zum Problem werden kann. Absehbar wird das kaum Auswirkungen auf die Stromversorgung haben, nach 2020 könnte es aber sehr wohl den Fortgang der Energiewende gefährden.

Es gibt also Handlungsbedarf für die Politik. Um den Systemwechsel auch nach 2020 weiter voranbringen zu können, muss der Markt weiterentwickelt werden. Es ist sehr hilfreich, dass jetzt mit dem Vorschlag Baden-Württembergs für die Einführung von Kapazitätsmechanismen ein praxisorientiertes Instrument entwickelt wurde. Damit kann die bisher theoretische Diskussion jetzt auf eine solide Grundlage gestellt werden. Die ökonomische Debatte wird damit politisch. Die grüne Bundestagsfraktion wird diese jetzt forcieren.

Es wurde aber auch klar, dass die Frage neuer Kapazitäten nicht allein auf den Kraftwerksbau reduziert werden kann. Der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und Maßnahmen zur Verstetigung der erneuerbaren Energien bieten ebenso bedeutende Potenziale wie die Laststeuerung und Speicherung. Die breite Palette an Möglichkeiten gilt es unter den Prämissen Klimaschutz und Versorgungssicherheit zu nutzen.

Von der Bundesregierung ist derweil nichts zu erwarten. Der zuständige Bundesminister Rösler hat Kapazitätsmechanismen gerade als "gefährlich" eingestuft. Er verweigert sich der Diskussion und klammert sich stattdessen an ein überkommenes Marktsystem, in dem die Großkonzerne weiterhin den Ton angeben sollen. Rösler wird damit selbst zum Problem für die Versorgungssicherheit.

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