Kohle-Boom Energie- und Klimapolitik aus dem vorigen Jahrhundert

Braunkohlekraftwerk bei Bergheim, Nordrhein-Westfalen

Alle Versprechen von Union und SPD zur Energiewende werden schon zu Beginn der Wahlperiode von der energiepolitischen Realität überholt. Seit 20 Jahren wurde nicht mehr so viel Braunkohlestrom erzeugt wie im letzten Jahr. Damit steigt auch der Ausstoß an Kohlendioxid in Deutschland, trotz Energiewende. Die Zahlen sind ein weiterer Beleg für eine verfehlte Energiepolitik.

Der Kohle-Boom ist eine unmissverständliche Aufforderung an die neue Bundesregierung, ihr Bekenntnis zur heimischen Braunkohle aus dem Koalitionsvertrag zu revidieren. Es kann nicht sein, dass wir über Energiewende reden und gleichzeitig zu den katastrophalen Emissionswerten schmutziger Braunkohle des letzten Jahrhunderts zurückkehren. Und es ist ein Stück aus dem Tollhaus, dass ausgerechnet der Kohlekonzern Vattenfall jährlich über 60 Millionen Euro durch die Befreiung von der EEG-Umlage spart. Vor diesem Hintergrund ist Gabriels Bekenntnis zur Kohle ein Schlag ins Gesicht der StromverbraucherInnen, die diese widersinnigen Privilegien bezahlen müssen.

Anders als im Koalitionsvertrag formuliert, ist die Kohleverstromung auf absehbare Zeit verzichtbar. Die Ausbauzahlen der Erneuerbaren mit einem Rekordanteil von knapp 25 Prozent an der Stromversorgung und der Fakt, dass immer mehr schmutziger Kohlestrom exportiert wird, sind Beleg dafür, dass Kohle für den nationalen Energiemix immer weniger benötigt wird.

Der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung gehört deshalb sofort auf die energie- und klimapolitische Tagesordnung der Bundesregierung. Es braucht strenge Emissionsvorgaben und Anforderungen an Flexibilität und Effizienz, damit die Kohlekraftwerke Schritt für Schritt abgeschaltet werden. Zudem muss endlich der Emissionshandel in Europa novelliert werden. Der Preisverfall für CO2-Zertitikate trägt maßgeblich zum Kohleboom bei und muss gestoppt werden.

Vattenfall und Co. dürfen nicht länger auf Kosten der betroffenen Regionen ganze Landstriche abbaggern und als Billigstrom ins Ausland exportieren. Es ist an der Zeit endlich den Ausstieg aus der klimagefährlichen Kohleverstromung einzuleiten und neuen Tagebauen eine Absage zu erteilen. Auch braucht des dringend eine strukturelle Reform des Emissionshandels. CO2-Zertifikate dürfen nicht länger als Ramschware verhökert werden.

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3 Kommentare
Energie- und Klimapolitik aus dem vorigen Jahrhundert
Rolf Hofmann 12.01.2014

Laut Ludwigsburger Kreiszeitung haben sich die Werte für Braunkohle von 171 auf 162 Mrd kWh undbei Steinkohle von 141 auf 124 Mrd kWh von 1990 zu 2013 in Deutschland (Bruttoerzeugung) verringert. Wenn diese Zahlen stimmen sollten, frage ich mich weshalb es zum mehr CO2 Emissionen kam?

Mfg

Rolf Hofmann

Antwort für Herrn Hofmann
Grüne Fraktion 13.01.2014

Die CO2-Emissionen sind nicht gegenüber 1990 gestiegen, sondern von 2012 auf 2013. Grund dafür war die Zunahme an Strom aus Kohle. Die Erzeugung von Strom aus Braunkohle hat inzwischen wieder annähernd den Wert von 1990 erreicht.

Energiewende
Karl Kneip 16.01.2014

In der ersten Hälfte der 80er Jahre hatte ich mit meinem unabhängigen Gutachter den Braunkohletagebau besichtigt. Der damalige Betriebsleiter erklärte uns glaubhaft, dass die Wirtschaftlichkeit sich an der Grenze bewegt.
Wir Grünen haben bereits in 1987 mit entsprechenden guten Anträgen die Energiewende für Deutschland im Bundestag einläuten wollen.
Die wirtschaftlichen Vorteile einer Energiewende und die Vorteile für Mensch und Umwelt wurden ohne Begründung entgegen jeder Vernunft abgelehnt.
Wen wundert es das die Braunkohle in 2014 boomt.?
Wir Grüne kämpfen weiter und lassen uns durch Groß und Dauer -Fehlplanungen im Sinne der Energielobby nicht beirren.....

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