EnEV-Novelle Energiewende im Gebäudebestand - Die grüne Gesamtstrategie

Energetische Gebäudesanierung im Allgäu

Aus Anlass der laufenden Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) legen wir unseren Antrag „Energiewende im Gebäudebestand sozial gerecht, umweltfreundlich, wirtschaftlich und zukunftsweisend umsetzen“ (BT-Drs. 17/11664) vor. Darin skizzieren Bündnis 90/Die Grünen als einzige Fraktion im Deutschen Bundestag eine konsistente Gesamtstrategie für die sozialverträgliche Sanierung des Gebäudebestands. Wir schlagen dafür die folgenden Maßnahmen mit dem Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 und einer notwendigen Sanierungsrate von drei Prozent vor: Information und Transparenz – Fördern – Fordern – und sozialpolitische Flankierung.

Deutschland hat sich international verpflichtet, seinen Beitrag zu leisten, um den Anstieg der globalen Temperatur um mehr als zwei Grad Celsius zu verhindern. Rund 40 Prozent der Endenergie wird in Gebäuden verbraucht. Die Klimaziele können nur erreicht werden, wenn der Gebäudebestand klimaneutral wird. Dazu muss der Energieverbrauch drastisch verringert und die verbleibende Energiebereitstellung auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Diese Strategie ist auch mit Blick auf die Heizkosten dringend geboten. So stiegen seit 2005 die Preise für Strom und Fernwärme um 45 Prozent, für Öl um über 60 Prozent und für Gas um 30 Prozent.

Zuvorderst setzen wir auf Transparenz, Information und Beratung. Mit einem Energieausweis und Vor-Ort-Energieberatung für jedes Wohngebäude, der einheitlich, verbraucherfreundlich und als Bedarfsausweis ausgestaltet wird, und auch die Verbrauchswerte der letzten Heizperioden erfasst, und für den es eine eigene Förderung gibt. Die Kennwerte dieses Ausweises müssen bei Verkauf, Vermietung und bereits in den Immobilienanzeigen angegeben werden und in eine Datenbank Gebäudebestand fließen. Damit jedeR weiß, wie hoch Energiebedarf und Verbrauch des eigenen Hauses sind. Zusätzlich legen wir ein Programm zum Aufbau eines regionalen Netzwerks von unabhängigen Energieberatungsstellen auf, die auch aufsuchende Beratung leisten. Die Anforderungen an die Aus- und Fortbildung von Energieberatern wollen wir auf eine neue, solide Grundlage stellen.

Die Förderstrategie muss ambitioniert und planbar angelegt sein. Wir fördern Energieeffizienz mit fünf Milliarden Euro und setzen uns zusätzlich für eine steuerliche Förderung der Gebäudesanierung ein. Von den fünf Milliarden Euro leiten wir zwei Milliarden in das KfW-Gebäudesanierungsprogramm, und weitere drei Milliarden jährlich in einen Energiesparfonds, aus dem Strom-und Wärmeeinsparungen in privaten Haushalten mit geringem Einkommen und der Industrie angereizt werden. Die Gebäudesanierung soll möglichst warmmietenneutral erfolgen. Gegenfinanziert sind die Maßnahmen aus dem Abbau umweltschädlicher Subventionen.

Ist die Investitionsentscheidung getroffen, sollen die Sanierungsmaßnahmen auf ein kostenoptimales Niveau abzielen. Ab 2020 die Maßnahmen in derjenigen Tiefe vorgenommen werden, die bei vertretbarem Mittelaufwand die größtmöglichen Einsparungen bringen. Das ist im Schnitt aller unsanierten Altbauten das 7-Liter-Haus bei Vollsanierung (Energiebedarf von 70 kWh pro Jahr und Quadratmeter für Wohngebäude). Der derzeit gültige Energiestandard von 90-100 kWh Energiebedarf für Wärme und Kühlung (kWh/m²/a) wir dazu als Anforderung bei Sanierung bis 2020 schrittweise auf 70 Kilowattstunden angehoben. Dieser Standard muss nur eingehalten werden, wenn saniert wird und die Sanierung wirtschaftlich darstellbar ist.

Mietrechtlich und wohnungspolitisch muss die Strategie so flankiert werden, dass bezahlbarer Wohnraum erhalten bleibt und Verdrängung vermieden wird, und die energetische Sanierung und der altersgerechte Umbau angereizt werden. Denn Wohnraum muss bezahlbar bleiben, die Kosten fair zwischen Mieterinnen und Mietern, Vermietern und der Öffentlichen Hand verteilt werden.

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4 Kommentare
Links zum Antrag im Text funktionieren nicht
Bettina Meyer 11.12.2012

Nur kleiner Hinweis: Die Links auf den ANtrag funktionieren nicht.

Gruß, Bettina Meyer

Intelligente Effizienz
Hermann Josef Pilgram 14.12.2012

Die Links funktionieren leider immer noch nicht.
Ich fände es wichtig, nicht überwiegend auf Wärmedämmung zu setzen. Viele der heutigen Wärmedämmsystem sind die Altlasten von morgen. Dazu kommt, das viele Fassaden dadurch verschandelt werden. Für sinnvoller halte ich intelligente System, die den Wohungsnutzer bei einem energiesparenden Nutzerverhalten unterstützen, indem z.b. die Heizung bedarfsgesteuert an die tatsächliche Nutzung der Räume angepasst wird. Solche Systeme lassen sich einfach installieren, die Investition ist relativ gering und die Wirksamkeit hoch. Besser ist auch, in vielen Wohungen z.B. 20 % Energie einzusparen, statt in nur wenigen 60 %.

Speicher der Zukunft - Wasserstoff!
Klaus Hesse 14.12.2012

Strom ist ohne einen hohen Aufwand nicht speicherbar.

Verwendet man von Anfang an Wasserstoff so kann aus diesem per Brennstoffzelle Strom und Wärme erzeugt werden.
Gasrohre liegen fast überall.

Hierdurch wird kein Smart Grid in der geplanten Version benötigt. Neue Trassen würden entfallen, und Alte zum Teil abgebaut.

Googlen Sie einfach einmal nach Bio Wasserstoff.

Energie sparen...
Saltamontes 15.12.2012

Das ist doch alles Augenwischerei mit den vermeintlichen Energiesparmaßnahmen. Da soll ich mich für 15000 Euro verschulden um vielleicht 50 Cent/Monat an Heizkosten zu sparen? Meine Wohnung ist auch ohne Styroporverkleidung warm und bis jetzt noch schimmelfrei. Die Bauwirtschaft wird sich über die Aufträge freuen.
Und: Klar wird Strom immer teurer. Dafür machen die Konzerne auch immer höhere Gewinne. Egal wie viel gespart wird. Wenn zu wenig verbraucht wird, werden die Preise erhöht. Die kriegen immer was sie wollen.

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