Strompreise Industrie profitiert doppelt von der Energiewende

Aluminium-Werk in Grevenbroich
Der Alu-Konzern Norsk Hydro verdreifacht seine Produktion in Deutschland – aufgrund der günstigen Strompreise.

Große Unternehmen sind die Gewinner der Energiewende. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien sparen sie 600 Millionen Euro an Stromkosten. Das hat eine neue Studie der grünen Bundestagsfraktion jetzt ermittelt. Für üppige Befreiungen von EEG-Umlage und Netzentgelten gibt es keinen Grund.

Kritiker der Energiewende werden nicht müde zu behaupten, dass ein schneller Ausbau der erneuerbaren zu einer Deindustrialisierung Deutschlands führen werden. Strom werde durch den Erneuerbaren-Boom einfach zu teuer, gerade stromintensive Unternehmen würden deshalb ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Viele in Politik und Medien sind dieser Finte auf den Leim gegangen. Doch jetzt kam mit Norsk Hydro ausgerechnet ein internationaler Alu-Konzern auf die Idee, seine Produktion in Deutschland zu verdreifachen – wegen der günstigen Strompreise. Wie passt das zusammen?

Eine Antwort liefert ein Gutachten der grünen Bundestagsfraktion. Demnach werden die stromintensiven Großunternehmen in Deutschland durch die EEG-Umlage mit nur 127 Mio. Euro belastet. Der Grund: Sie zahlen pro Kilowattstunden nur einen Aufschlag von 0,05 Cent, Privathaushalte zahlen dagegen zurzeit rund 3,6 Cent. Zusätzlich profitieren die Unternehmen von den wegen des Ökostroms sinkenden Börsenpreisen. Allein im Jahr 2012 wurden sie dadurch um 727 Mio. Euro entlastet. Unterm Strich beschert der der Ausbau erneuerbarer Energien den stromintensiven Unternehmen also ein Plus von 600 Mio. Euro.

Die Energiewende entpuppt sich wider Erwarten als Konjunkturprogramm für die stromintensive Industrie. Für die von Schwarz-Gelb durchgesetzte Befreiung von immer mehr Unternehmen von EEG-Umlage und Netzentgelten gibt es keinen Grund. Diese Geschenke an die Großindustrie belasten Privathaushalte und Mittelstand nächstes Jahr mit vier bis fünf Milliarden. Euro jährlich und bringen die Energiewende in eine soziale Schieflage.

Mehr zum Thema Energie

Für diesen Artikel werden keine Kommentare mehr angenommen.

4385278