Strompreise Industriestrompreise auf niedrigem Niveau

Das Jammern der deutschen Industrie über zu hohe Strompreise ist derzeit nicht zu überhören. Selbst ein Ausbaustopp für Erneuerbare Energien wird gefordert. Alles Unsinn, wie eine wissenschaftliche Studie von Arepo Consult nun nachgewiesen hat: das Wehklagen ertönt grundlos. Denn seit Mitte 2008 haben sich die durchschnittlichen Strompreise für die Industrie (Sondervertragskunden) nur um etwa 1 Prozent erhöht. Ganz anders dagegen das Bild bei Privathaushalten, also den sogenannten Tarifkunden. Hier sind die Strompreise innerhalb der letzten fünf Jahre um 35 Prozent angestiegen. Im Detail heißt das: Für die Privaten stieg der Durchschnittspreis um 7 ct/kWh auf heute 27 ct/kWh. Bei der Industrie hingegen stieg der Preis seit 2008 nur um 0,1 ct/kWh auf 10,1 ct/kWh in diesem Jahr.

Private kommen für die Industrie auf

Als Hauptgrund für diesen erheblichen Unterschied wird in der Analyse angeführt, dass die Beschaffungskosten für Strom in den letzten Jahren zwar gesunken sind – von diesem Effekt aber nur die Industriekunden profitieren. Das hat zur Folge, dass die Großindustrie gleich doppelt entlastet wird. Einmal dadurch, dass große Stromabnehmer von den Energieversorgern die gesunkenen Börsenstrompreise weitergegeben bekommen. Und zum anderen durch die vielen kompletten oder teilweisen Befreiungen von EEG-Umlage, Netzentgelten, Stromsteuer oder auch Konzessionsabgaben.

Die Kehrseite der Medaille: Die Preise für Tarifkunden steigen in besonderem Maße, da es ausgerechnet die Privathaushalte und der Mittelstand sind, die die fehlenden Einnahmen bei EEG-Umlage und Netzentgelten ausgleichen müssen. Konkret heißt das: Müsste das produzierende Gewerbe die EEG-Umlage regulär bezahlen, wäre die EEG-Umlage für Privatkunden um 21 Prozent beziehungsweise 1,1 Cent niedriger. Ähnlich bei den Netzentgelten: Hier müssen die Privathaushalte zusätzlich mehrere Milliarden Euro bezahlen, um die Befreiungen der Industrie zu kompensieren.

Grüner Plan für bezahlbaren Strom

Die Studie zeigt dringenden Handlungsbedarf bei der Energiepolitik auf. Denn die derzeitige Kostenverschiebung bei den Strompreisen zulasten der Privathaushalte und des Mittelstands gefährdet die Energiewende.

Wir Grüne wollen die Industrieausnahmen bei der EEG-Umlage auf Härtefälle begrenzen. Denn es kann nicht sein, dass sich Hähnchenschlachtereien, Molkereien und Einkaufszentren nicht an den Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligen, wohl aber von den Vorteilen der Erneuerbaren profitieren – beispielsweise in Form von gesunkenen Börsenstrompreisen. Auch bei den Netzentgelten wollen wir die Privilegien abschmelzen. Denn diejenigen, die die Stromnetze am meisten benutzen, sollen auch dafür bezahlen müssen. Mit unseren grünen Maßnahmen können wir die Privathaushalte und den Mittelstand kurzfristig um insgesamt 4 Milliarden Euro entlasten.

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