Strafzölle Kein Handelskrieg mit China – auch zum Schutze der Solarbranche

Männer installieren Solarpanels auf einem Dach

Die Europäische Kommission hat am Dienstag Strafzölle auf chinesische Solarmodule für die nächsten zwei Monate in Höhe von 11,8 Prozent beschlossen. Sollte bis zum 6. August keine Lösung im Handelsstreit zwischen der EU und China gefunden werden, werden die Strafzölle automatisch auf 47,8 Prozent ansteigen.

Die EU-Kommission kommt mit dem Beschluss der Beschwerde von einer Handvoll Solarunternehmen nach, die sich gegen chinesische Dumpingpreise richtet. Der Vorwurf lautet, dass chinesische Hersteller von Solarmodulen auf dem europäischen Markt mit Preisen weit unter ihrem Kostenniveau arbeiten und damit die europäische Konkurrenz unterbieten.

Dem gegenüber stehen über 500 europäische Solarunternehmen, die Strafzölle klar ablehnen, weil sie weitere massive Einbrüche in der Branche erwarten lassen. Sie sprechen sich für eine diplomatische Lösung aus. Auch viele der EU-Staaten lehnen die Strafzölle und das protektionistische Verhalten gegenüber China ab.

Einbrüche drohen

Massive Einbrüche im Marktgeschehen sind jetzt schon zu erkennen und der Handelskrieg mit China weitet sich auch auf andere Bereiche, wie die Chemie-, Stahl- und Weinbranche aus. Strafzölle ab August von fast 50 Prozent hätten katastrophale Auswirkungen für die gesamte europäische Solarindustrie, weil Schutzzölle nur zu höheren Modulpreisen führen. Dies lässt wiederum den Solarmarkt schrumpfen, was weitere Arbeitsplatzverluste und Insolvenzen zur Folge haben wird. Ein Schrumpfen des Marktes wäre auch enorm konterproduktiv für den Klimaschutz. Dass die EU-Kommission diese Befürchtungen des größten Teils der Solarbranche nicht erkannt hat, weitet sich immer mehr zum Schaden für die gesamte europäische Wirtschaft aus.

Niemand kann ein Interesse an einem Handelskrieg zwischen der EU und China haben, Strafzölle von fast 50 Prozent nach zwei Monaten sind aber ein direkter Weg dahin. Die Bundesregierung und die EU-Kommission sind jetzt aufgefordert, schnellstens Verhandlungen mit der chinesischen Regierung aufzunehmen und eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. Die Strafzölle mögen kurzfristig einen gewissen Effekt erzeugen, die chinesische Reaktion wird aber nicht lange auf sich warten lassen. Die langfristigen Folgen für die europäische und deutsche Wirtschaft wären verheerend. Dabei muss sich die Bundesregierung für einen freien und fairen Wettbewerb mit China einsetzen. Dumping genau wie Protektionismus sind von deutscher Seite her abzulehnen.

Jetzt muss Merkel handeln

Die deutsche Bundesregierung hat sich bis vor kurz vor der europäischen Entscheidung gar nicht öffentlich geäußert. Jetzt rächt sich, dass die Bundesregierung viel zu spät ihre Position gegen die drohenden Schutzzölle gefunden hat. Ein klares Nein aus Deutschland wäre ein wichtiges Signal für die EU-Kommission gewesen. Auch hat sich die Bundesregierung bisher öffentlich nicht zu den vielen Pleiten und Arbeitsplatzverlusten in der Solarbranche geäußert. Eine nationale oder eine europäische Industriestrategie wäre jedoch nach der heutigen Entscheidung umso wichtiger, um die Technologie in Deutschland zu halten und Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft zu stützen. Dazu gehört auch in Verhandlungen mit China zu erreichen, dass chinesisches Dumping unterbunden wird.

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