Stromnetze Netzausbauplan mit Licht und Schatten

Windräder und Strommast bei Hamburg

Anfang November haben die vier Übertragungsnetzbetreiber den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2014 an die Bundesnetzagentur übergeben. Im weiteren Verfahren wird die Bundesnetzagentur diesen Plan veröffentlichen, zur öffentlichen Konsultation stellen und ihn dann intern auf ihre energiewirtschaftliche Notwendigkeit hin zu überprüfen.

So viel wie nötig – nicht mehr!

Der Entwurf bezieht die Neuerungen mit ein, die sich aus der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ergebenen, und wurde aufgrund einer kompletten Neuberechnung erstellt.

Aus dem neuen Plan wird ersichtlich: Es besteht weiterhin ein hoher Übertragungsbedarf von erzeugter Elektrizität zwischen Nord- und Süddeutschland. Nach Willen der Netzbetreiber soll dies im Wesentlichen über vier Hochspannungsgleichstromübertragungs-Strecken gedeckt werden. Drei davon sind bereits Bestandteil des genehmigten Netzentwicklungsplans.

Die Netzbetreiber halten zudem aber auch weiter an der Leitung im so genannten Trassenkorridor B (Wehrendorf-Urberach) fest, die bereits vor einem Jahr von der Bundesnetzagentur nicht genehmigt wurde. Die grüne Bundestagsfraktion sieht nicht, was sich an dieser Einschätzung geändert haben sollte. Statt jetzt auf Vorrat zu planen fordern wir, die vierte Trasse wieder aus dem Plan zu streichen.

Engpässe behindern Windkraft

Vor allem an der Nordseeküste und in Brandenburg müssen heute schon Windenergieanlagen abgeregelt werden, da im Netz nicht genügend Kapazitäten vorhanden sind, um den Windstrom zu den Verbrauchszentren zu transportieren. Auch in Südwestdeutschland gibt es kritische Situationen, da nicht ausreichend Strom aus anderen Regionen dorthin transportiert werden kann. Die jetzt geplanten Leitungen sind das künftige Rückgrat der Energieversorgung in Deutschland.

Dass der Ausbau erfolgen muss, um den Ausbau des Ökostroms sowie die Energiewende weiter voranzutreiben, ist erneut bestätigt worden. Der nun vorliegende Plan ist eine Klatsche für CSU-Chef Horst Seehofer. Denn er bestätigt, dass - trotz anderslautender Aussagen vom bayerischen Ministerpräsidenten - Bayern auf Wind- und Sonnenstrom aus dem Norden der Republik angewiesen ist, und damit auch auf den Bau neuer Stromleitungen.

BürgerInnen frühzeitig beteiligen

Klar ist aber auch, dass das „Wie“ des Ausbaus und der konkrete Leitungsverlauf weiter diskutiert werden muss: Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für eine umfassendere und frühzeitige Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort ein. Wir halten es zudem für falsch, dass die Klagemöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger im Bundesbedarfsplanungsgesetz auf nur noch eine Instanz nämlich das Bundesverwaltungsgericht eingeschränkt wurden. Nach unserer Auffassung kann man nicht für Akzeptanz werben und gleichzeitig rechtliche Überprüfungsmöglichkeiten massiv einschränken. Zudem muss der Einsatz von Erdkabeln grundsätzlich zugelassen werden.

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3 Kommentare
Wesentlich weniger Netzausbau möglich
Martin Krauß 02.12.2014

Nach einer Studie der Prognos AG mit IAEW im Auftrag von AGORA „Positive Effekte von Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor“ kann der langfristige Ausbaubedarf im Übertragungsnetz durch Effizienzmaßnahmen von über 8.500 Kilometern auf etwa 1.750 Kilometer im WWF-Szenario gesenkt werden. http://www.agora-energiewende.de/fileadmin/downloads/publikationen/Studien/Energieeffizienz/Agora_ECF_RAP_Positive_Effekte_von_Energieeffizienz_DE_web.pdf

Südlink
Ingo Rennert 02.12.2014

Die komplette Erdverkabelung der geplanten Gleichstromleitungen ist billiger als die Freileitung mit diversen Teilverkabelungen.
Die Berechnung finden Sie auf www.infranetz.com
(Freileitung 2,236 Mrd. €, Erdverkabelung 1,754 Mrd. €).
Die Erdverkabelung ist auch unsichtbar, deutlich gesünder und man muss auch keinen enteignen.
Die Gleichstromleitungen werden auch zu bestäubungsarmen Zonen, weil die magnetorientierten Bienen nicht mehr zum Stock zurückfinden und in der Folge sterben.
An den Seilen des Südlinks werden zudem zusätzlich ca. 400.000 Vögel jährlich verenden. Derzeit sterben 30 Mio. Vögel an deutschen Freileitungen [Heinjis, Hörschelmann, Bernshausen und Richarz]

Neue Nord-Süd-Stromleitungen unnötig?
Carl-D.A. Lewerenz 03.12.2014

Die geplanten Nord-Süd-Übertragungs-Leitungen könnten unnötig werden, wenn der Strom in genügend vielen süddeutschen Heizungskellern mit Gas-Anschluss per BHKW erzeugt würde. Dabei entsteht dann der Zusatz-Nutzen der Nächstwärme-Nutzung nach dem KWK-Prinzip. In Groß-Serienproduktion hergestellt, würden Kosten und Preise der Heizungskeller-BHKWe erheblich abgesenkt.

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