Atomkraft Problem-AKW stilllegen, Sicherheit erhöhen

Demonstranten vor einem AKW. Rechts im Bild ein Transparent:"Mühlenberg und Beznau vom Netz - Jetzt!"
Demonstration in der Schweiz für die Schließung der AKW Mühlenberg und Beznau, dem ältesten AKW Europas, das noch am Netz ist.

Der EU-Stresstest hat gravierende Defizite in europäischen Atomkraftwerken (AKW) zutage gefördert. Und das, obwohl der Test selbst nicht sehr anspruchsvoll war. So hat er wesentliche Aspekte, die Auskunft über den wahren Sicherheitszustand der Anlagen geben, gar nicht untersucht. Wie die Bundesregierung bestätigt, handelte es sich nicht um eine umfassende Sicherheitsuntersuchung, sondern lediglich um die Bewertung „einzelner ausgewählter Sicherheitseigenschaften“.

Der Test konzentrierte sich auf die Bewertung, was in den Anlagen passiert beziehungsweise getan werden kann, wenn es bereits zum Unfall kommt. Nicht untersucht wurde, wie unterschiedlich gut die Anlagen im Vorfeld darin sind, einen Unfall durch ihre Sicherheitssysteme zu verhindern. Das ist, als würde man bei einem Auto nicht testen, ob an allen Rädern die Bremsen funktionieren und ob das Auto über ABS verfügt, sondern wie gut Feuerlöscher und Verbandskasten funktionieren, nachdem es gekracht hat.

Umso erschreckender an den Ergebnissen des EU-Tests ist, in wie vielen europäischen Atomkraftwerken selbst elementare Sicherheitssysteme fehlen, die schon lange vor Fukushima zum Standard und Pflichtprogramm gehören. Beispielweise unabhängige Notstandsysteme und die gefilterte Druckentlastung.

Wenn ein derart entschärfter Stresstest zu einer langen Mängel-Liste führt, muss man diese umso ernster nehmen. Für Europa heißt das, die eklatantesten Risikoreaktoren müssen unverzüglich stillgelegt werden. Hierzu zählen mindestens die französischen Anlagen Fessenheim und Cattenom, das britische Wylfa und das schweizerische Beznau, das älteste noch laufende AKW der Welt. Drei dieser Anlagen liegen in unmittelbarer Grenznähe zu Deutschland.

Durch die Stilllegung der anfälligsten Reaktoren ließe sich das Risiko in Europa auf einen Schlag erheblich senken. Wer die Debatte von Anfang an auf Nachrüstungen beschränkt, trägt dazu bei, dass das meiste im Sand verlaufen wird und am Ende nur das anhaltende Atomrisiko von Bestand sein wird. Das wäre unverantwortlich.

Wir fordern von der Bundesregierung, sich endlich ehrlich für die Stilllegung der gefährlichsten Atomkraftwerke in Europa zu engagieren. Hier ist sie trotz medialer Lippenbekenntnisse zu mehr Sicherheit auf EU-Ebene bislang tatenlos und desinteressiert.

Umweltminister Altmaiers Äußerungen im Deutschlandfunk, die Nachrüstungen deutscher AKW sollten auf das Machbare beschränkt werden, waren hoffentlich ein Versehen. Ein solches Amtsverständnis wäre völlig verfehlt. Vielmehr ist es seine Pflicht, die Sicherheitsanforderungen auf das nach Fukushima notwendige Maß zu erhöhen. Wenn das für die AKW-Betreiber teuer wird, ist das deren Problem. Dass notwendige neue Sicherheitsanforderungen womöglich zu weiteren Abschaltungen führen können, darf kein Grund sein, Sicherheitsdefizite zuzulassen. Für unvertretbare Risiken darf es keinen Bestandsschutz auf Kosten der Bevölkerung geben.

Herr Altmaier steht umso mehr in der Pflicht, als sein Vorgänger bereits vor eineinhalb Jahren versprochen hatte, die Sicherheitsanforderungen für die deutschen Atomkraftwerke zu erhöhen. Dieses Versprechen ist immer noch nicht eingelöst. Aus dem Stresstest ergibt sich insbesondere die Notwendigkeit, die Erdbebensicherheit der deutschen Anlagen zu verbessern.

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1 Kommentar
Schweiz: die Pannen-Geschichte von Mühleberg
angelisansichten.ch 06.10.2012

Alles über die Pleiten, Pech und Pannen im Schweizer AKW Mühleberg gibt's hier:
http://angelisansichten.ch/muhleberg-chronik-2/

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