Energiespeicherung Stolperstein für die Energiewende?

Zwei Batterien

Die Energiezukunft hat spätestens mit dem breiten Konsens zum Atomausstieg begonnen. Die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien stellt das gesamte Versorgungssystem vor große Herausforderungen. So wird Strom künftig nicht immer dann erzeugt werden, wenn er auch gebraucht wird, sondern zunehmend wenn der Wind bläst und die Sonne scheint. Für den Ausgleich sollen Speicher sorgen, in denen Strom "zwischenlagern" kann bis er gebraucht wird.

In Deutschland sind zurzeit nur wenige Hundert Megawattstunden Speicherkapazitäten für Strom verfügbar, überwiegend als Pumpspeicherkraftwerke. Es ist unstrittig, dass der künftige Bedarf an Stromspeichern um ein Vielfaches höher liegt. Dabei stellen sich jedoch noch grundsätzliche Fragen. So ist noch nicht absehbar, in welchem Umfang, wann und welche Speichertechnologien tatsächlich benötigt werden. Auch die Frage nach einem rechtlichen Rahmen für den wirtschaftlichen Betrieb von Speichern ist bislang völlig offen.

Diese Fragen geraten zunehmend in den energiepolitischen Fokus und werden teils sehr kontrovers diskutiert. Die eingeladenen Experten konnten im Fachgespräch deutlich machen, dass in der Speicherfrage für Aktionismus kein Grund besteht. Unser Stromversorgungssystem ist stabiler als von so manchem Kritiker der Energiewende postuliert. In den kommenden Jahren werden größere Speicherkapazitäten kaum benötigt werden. Hier gilt es vielmehr, den Netzausbau voranzubringen und den Kraftwerkspark zu flexibilisieren – sprich: schwerfällige Kohle- und Atomkraftwerke durch erneuerbare Energien und flexible Gaskraftwerke zu ersetzen.

Ab 2020 rückt der Speicherbau dann aber stärker in den Fokus. Bis dahin müssen kostengünstige und technologisch ausgereifte Speichermöglichkeiten einsatzbereit werden. Dieses Ziel ist erreichbar, denn an technischen Optionen mangelt es nicht. Wir müssen aber heute die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Speichertechnologien entschieden vorantreiben, vor allem um die Effizienz zu erhöhen und die Kosten zu drücken.

Speicherproblem ist lösbar

Zum Stand und den Perspektiven der Speichertechnologien äußerte sich unter anderem Prof. Dr. Dirk Sauer von der RWTH Aachen. Er hob hervor, dass es die Speichertechnologie nicht gibt, sondern Speicherung immer in Verbindung mit dem zu überbrückenden Zeitraum zu sehen ist. Für wenige Sekunden, Tage bis hin zu Wochen sind jeweils spezifische Techniken erforderlich. Daraus ergeben sich auch sehr differenzierte Kosten-Nutzen-Betrachtungen. (Link zum Vortrag)

Diesen Aspekt vertiefte Tomi Engel von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenergie anhand des Beispiels kleinerer Batterien. Er verwies darauf, dass im Zuge der wachsenden E-Mobilität immer mehr Batterien in den Verkehr gebracht werden, die als "ohnehin vorhandener" riesiger modularer Speicher kosteneffizient genutzt werden könnten. (Link zum Vortrag)

Dr. Markus Hakes von der Aachener Trianel GmbH hob dagegen die Potenziale großer Pumpwasserspeicher hervor, die ideal für die stundenweise Überbrückung von Erzeugungsengpässen sind. Trianel realisiere zurzeit mehrere solcher Projekte, die durch eine frühe Bürgerbeteiligung auch die erforderliche Akzeptanz erreichten.

Auf großes Interesse stieß auch der Vortrag von Stefan Rieke von Solarfuel GmbH. Das Unternehmen widmet sich der Kommerzialisierung des Methanisierungsverfahrens, bei dem aus Strom synthetisch erzeugtes Methan als Treibstoff, Wärmeträger oder auch zur erneuten Verstromung herangezogen werden kann. Die breite Anwendung und das hohe erschließbare Potenzial mache dieses Verfahren als Langzeitspeicher interessant. (Link zum Vortrag)

Die Frage der aktuellen Potenziale und wirtschaftlichen Hemmnissen von Speichern in Deutschland gingen Cornelius Pieper von der Boston Consulting Group und Karl Nestmeier von der Firma Clean Energy in ihren Präsentationen nach. Zwar seien viele Technologien noch zu teuer. Es gebe aber heute bereits für einzelne Speicher neue Geschäftsmodelle und einen Business Case.

Dr. Carsten Pape vom Fraunhofer IWES und Prof. Dr. Wietschel vom Fraunhofer ISI bewerteten die Frage, ob Deutschland ein Speicherproblem hat, zurückhaltend. Der Speicherbedarf müsse ökonomisch bewertet werden. Denn Speicherung sei kein Selbstzweck, sondern eine Dienstleistung, die durch andere, kostengünstigere Maßnahmen erfüllt werden könne. Vor allem Netzausbau und Flexibilisierung des Kraftwerksparks seien kostengünstiger und würden den Speicherbedarf drastisch reduzieren.
(Link zum Vortrag Dr. Carsten Pape)
(Link zum Vortrag Prof. Dr. Wietschel)

Dem schloss sich auch Dr. Felix Christian Matthes vom Öko-Institut an. Er betonte zudem, es könne nicht das Ziel sein, so viel Strom zu speichern wie möglich, sondern lediglich so viel wie nötig. "Speichern ist teuer", so sein Credo, "aber wir haben noch Zeit". Diese sollte dazu genutzt werden, die Kosten durch technologischen Fortschritt zu senken und zugleich für die vielfältigen Bedürfnisse geeignete Technologien bereit stellen zu können. Es gebe weitaus mehr Möglichkeiten als Pumpspeicher, Elektroautos und Methanisierung. Diese Vielfalt gelte es im Markt zu erproben und an die Einsatzreife zu führen. (Link zum Vortrag)

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