Ökostrom Verfehlte Energiepolitik lässt EEG-Umlage steigen

Stromzähler

In der vierjährigen Regierungszeit von Schwarz-Gelb hat sich die EEG-Umlage fast verfünffacht. Sie steigt, weil der Strommarkt nicht funktioniert und die alte Regierung immer mehr Industriesubventionen auf die nicht privilegierten Stromverbraucher abwälzt.

Erneuerbare Energien so günstig wie noch nie

Nur rund ein Zehntel des jetzigen Anstiegs der Umlage geht auf den Bau neuer Solar- und Windanlagen zurück, denn Strom aus Sonne und Wind ist so günstig wie noch nie. Das Verrückte an der gegenwärtigen EEG-Reformdebatte: Die meisten Vorschläge greifen das nicht auf und gehen an den Ursachen der Probleme vorbei. Ein vollständiger Systemwechsel - etwa hin zu einem Quotenmodell - macht die Energiewende nicht nur teurer sondern bremst den Ausbau der Erneuerbaren auch aus.

Die Börsenpreise für Strom sind so niedrig wie schon lange nicht mehr und die großen Energiekonzerne verschweigen, dass der Preis für Strom an der Börse auch Dank der erneuerbaren Energien gesunken ist. Die sinkenden Kosten geben sie nicht an ihre Kundinnen und Kunden weiter, die Mehrkosten für die Ökostromvergütung dagegen schon.

EEG-Umlage könnte stabil bleiben

Die grüne Bundestagsfraktion hatte im August ein Gutachten zur kurzfristigen Stabilisierung der EEG-Umlage vorgelegt. Kernpunkt ist eine faire Verteilung der Kosten durch Abschmelzen der ausufernden Industrieprivilegien. Mit den grünen Vorschlägen könnte die EEG-Umlage in etwa auf heutigem Niveau gehalten werden. Insgesamt könnten Privathaushalte und Mittelstand um vier Milliarden Euro entlastet werden.

Über diese kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen hinaus brauchen wir endlich einen funktionierenden Emissionshandel und eine intelligente Weiterentwicklung des EEG, damit der Ökostromausbau kosteneffizient weitergeführt werden kann.

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8 Kommentare
Anpassung an Marktentwicklung
Andre 15.10.2013

Naja, von Fell kommt doch ziemliche Aroganz:

"Umweltminister Altmaier spricht darüber, dass der Zubau allein im letzten Jahr für Vergütung von 1,8 Milliarden Euro gesorgt hat. Diese Kosten sind aber keine Kosten, sondern Investitionen gegen den Klimawandel."

Es ist schon ein Unterschied ob das Preisniveau für den Verbraucher steigt oder ob der Staat Infrastrukturivestitionen in grüne Technologien tätigt. Seien wir ehrlich, die Energiewende ist viel zu erfolgreich, also können wir die Förderung schneller als vorgesehen zurückfahren. Gefördert werden sollte vor allem neuartige Technologie. Die EEG Umlage beträgt heute das zehnfache als 2003. Das versteh wer will.

Infochart
Leander 15.10.2013

Das Infochart (Wie Schwarz-Geld den Strompreis erhöht) könnte mal mit den 2014er Werten aktualisiert werden.

Realität
Willi Stock 15.10.2013

Wind und Sonne haben als einzig weiter ausbaubare EE in 2012 gut 77 TWh Strom erzeugt, die Kernenergie, mit der 2022 Schluß ist, 99,8 TWh.
Um die Kernenergie zu ersetzen, die eine 24/7 Verfügbarkeit aufweist, müssen also Wind und Sonne her, die das wegen der Zufälligkeit von Wind und Sonne nicht leisten können. Also brauchen wir weiterhin alle Kapazitäten von Gas und weiterhin die Braunkohle (160 TWh in 2012). Da parallel die Steinkohle sukzessive abgeschaltet wird, wird Braunkohle immer wichtiger für die Stromversorgung der Republik. Oder machen wir ab morgen 160 TWh mit Wind und Sonne?
Speicher sind nach wie vor weder wirtschaftlich wie PSW noch technisch machbar wie Power-to-gas.

Wie weiter?
Dirk Wölfiing 17.10.2013

Richtig ist, dass wir eine intelligente Reform des EEG brauchen. Nur das Abschmelzen von Ausnahmen wird auf Dauer nicht reichen. Um die Akzeptanz der Energiewende zu erhalten, muss kurzfristig der Anstieg der Strompreise gebremst werden und mittelfristig bzw. langfristig die Verwendung von überschüssiger Energie zur Gasproduktion gefördert werden. Gas ist Energiespeicher und kann über die Rohrleitungen transportiert werden. Dazu fehlt mir aber auch von grüner Seite eine konkrete Strategie.

Antwort für Andre
Grüne Fraktion 07.11.2013

Sehr geehrter Andre,
nicht der Staat tätigt Investitionen in grüne Technolgien, sondern private Investoren. Das Prinzip bei der Ökostromförderung entspricht dem bei anderen Kraftwerken. Auch neue Kohle- oder Gaskraftwerke werden über die Strompreise refinanziert.

Antwort für Herrn Wölfiing
Grüne Fraktion 07.11.2013

Wir wollen die Netze ausbauen, den Verbrauch und die Erzeugung von Strom flexibler machen und Speicher fördern und in den Markt bringen. Dazu gehört auch die Umwandlung von Strom in Gas. Es gibt aber auch viele andere Ansätze. Mehr dazu finden Sie unter http://www.gruene-bundestag.de/medien/publikationen_ID_2000006/publikation/reader-so-geht-energiewende.html.

Antwort für Herrn Stock
Grüne Fraktion 07.11.2013

So statisch wird das Stromsystem von Morgen nicht sein. Wir brauchen mehr Wind- und Solarstromanlagen, dazu leistungsfähige Netze und flexibel zuschaltbare Reserven (z. B. Gas-Kraftwerke, Lastmanagement, Biomasse, Wasserkraft). Sehr Interessantes dazu finden Sie unter http://www.kombikraftwerk.de/

Antwort für Leander
Grüne Fraktion 07.11.2013

Sehr geehrter Leander,
guter Hinweis, aber die Daten für 2014 liegen noch nicht vor. Wir werden das aber ändern, sobald sich das ändert.

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