Energieversorgung Wüstenstrom? – Ja bitte!

Deutschland kann absehbar auf erneuerbare Energien umsteigen. Mit der Desertec-Initiative zeichnet sich diese Perspektive jetzt für ganz Europa ab. Doch vom Wüstenstrom müssen vor allem die Länder im Wüstengürtel profitieren.

Noch ist Wüstenstrom nur eine Vision. Doch sie gewinnt zunehmend an Gewicht. Geht es nach dem Club of Rome, der das Desertec-Konzept maßgeblich vorangebracht hat, könnten bereits in wenigen Jahren die ersten großen solarthermischen Kraftwerke in Nordafrika in Betrieb gehen. Schon diese Aussicht zeigt eines ganz deutlich: Atom und Kohle waren gestern, die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Desertec könnte das Ende des fossil-nuklearen Zeitalters in Europa einläuten.

In der Tat sind aber beim Wüstenstrom noch viele Fragen offen – technische, wirtschaftliche und auch finazielle. Doch sollte man sich dadurch nicht ablenken lassen vom eigentlichen Ziel: Die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien. Wir Grüne wollen das so schnell wie möglich erreichen, vorrangig durch den Ausbau von Wind, Sonne & Co. in Deutschland und eine optimale Netzintegration erneuerbarer Energien. Zur vollständigen Umstellung wollen wir aber auch auf Importe von EE-Strom aus anderen Regionen zurückgreifen. So wird in Kürze ein Kabel zwischen Norwegen und Deutschland verlegt, mit dem wir die dortigen Wasserkraftwerke als Speicher für überschüssigen Windstrom oder aber Stromquelle während Flautezeiten nutzen können. Gleiches gilt für den Alpenraum.

In dieses Konzept passen auch solarthermische Kraftwerke, die übrigens keineswegs nur in Afrika, sondern auch in Italien oder Spanien gebaut werden könnten. Die Vorteile der Sonnenkraftwerke liegen auf der Hand: Sie liefern sauberen Strom und das beinahe rund um die Uhr. Und sie bringen innovative Technologien und Strom in bisher kaum entwickelte Regionen. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben weltweit bislang noch keine ausreichende Stromversorgung. Große Solarkraftwerke könnten hier klimaschädliche Kohle und gefährliche Atomkraftwerke überflüssig machen. Außerdem können sie Wertschöpfung und Arbeit rund ums Mittelmeer und in anderen Sonnenregionen der Welt schaffen.

Von den Solarkraftwerken könnten vor allem Europa, aber auch Deutschland profitieren. Denn wir brauchen beides – dezentrale Stromgewinnung und Großanlagen auf Erneuerbaren-Basis. Optimisten gehen davon aus, dass bis 2050 eventuell 15 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus dem Wüstengürtel importiert werden könnten. Mehr wäre auch nicht sinnvoll, schon um neue Abhängigkeiten zu vermeiden. Es wäre also grundfalsch mit Blick auf den Wüstenstrom den Ausbau der erneuerbaren Energien im eigenen Land zu vernachlässigen.

Das aber scheint so mancher vermeintliche Fürsprecher der Wüstenstrom-Idee im Schilde zu führen. So verklärt die FDP in ihrem Wahlprogramm den Wüstenstrom zur allein glückselig machenden Technik, während sie die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland alle zwei Jahre auf den Prüfstand stellen will. Die wichtige Wüstenstrom-Vision darf nicht missbraucht werden, um den Ausstieg aus der Erneuerbaren-Förderung in Deutschland zu begründen. Dagegen aber werden wir Grüne uns mit aller Kraft zur Wehr setzen. Für uns ist Wüstenstrom eine sinnvolle Ergänzung, nicht aber Ersatz für eine dezentrale Energieversorgung.

Mehr zum Thema Energie

Für diesen Artikel werden keine Kommentare mehr angenommen.

290539