Regionale Wirtschaft

Eine Zukunft für das kleine Lebensmittelhandwerk

Immer mehr Bäcker- und Fleischereien geben auf, besonders kleine Betriebe können dem Marktdruck immer weniger standhalten. Wir wollen dem entgegenwirken und Versorgung und Arbeitsplätze in der Region erhalten. picture alliance
08.01.2020
  • In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Betriebe des Lebensmittelhandwerks um fast 10.000 gesunken. Der Druck auf Bäckereien und Fleischereien lässt nicht nach.
  • Bürokratie und fehlende Nachfolge sind nur zwei der drängendsten Probleme, bei denen die Bundesregierung nicht rechtzeitig gegengesteuert hat. Die Folgen für die regionale Wertschöpfung sind fatal.
  • Wir wollen nachhaltige, regionale Ernährungssysteme. Deshalb müssen wir dafür Sorge tragen, dass das kleine Lebensmittelhandwerk und das dort verankerte Wissen erhalten bleibt. In unserem Autorenpapier "Gutes Handwerk für frische Lebensmittel aus der Region" erläutern wir unsere Vorschläge dafür.

Wie in der Landwirtschaft, sind die Konzentrationsprozesse im Lebensmittelhandwerk besorgniserregend. Gab es 2008 noch knapp 37 000 Betriebe, so waren es 2018 nur noch rund 27 000 Betriebe. Das heißt, innerhalb von zehn Jahren ist jeder vierte Betrieb vom Markt verschwunden. Ein Rückgang der Anzahl der Betriebe im kleinen Lebensmittelhandwerk wird schnell zum Problem für die ganze Region. 

Preis-Dumping und Konkurrenzkampf mit global agierenden Großproduzenten, fehlende Wertschätzung für die Leistungen der handwerklichen Produktion und niedrige Einkommen im Handwerk, bürokratischer Wahnsinn und Nachfolgemangel sind nur einige Aspekte, die diese Entwicklung befeuern.

Regionales Handwerk stärken

Mit gezielten, den Betriebsgrößen angemessenen Maßnahmen wollen wir sicherstellen, dass Entlastung, faire Bedingungen und Wertschätzung für Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien sichergestellt werden. So können wir handwerkliche Berufe im Lebensmittelbereich wieder attraktiv machen und regionale Ernährungssysteme aufbauen, die Stadt und Land verbinden.

Unser Katalog an Maßnahmen dafür umfasst:

  • Nahversorgung mit handwerklich hergestellten Produkten aus der Region erhalten und stärken, zum Beispiel durch Stärkung von Regionalität im Vergaberecht.
  • Gezielte Förderung des regionalen Lebensmittelhandwerks und klare Kennzeichnung für regionale Produkte.
  • Produkte, die handwerklich hergestellt sind, als solche kenntlich machen - etwa durch ein Handwerkssiegel.
  • Kleine Handwerksbetriebe bei den Stromkosten entlasten.
  • Praxis-Tische, um den Bürokratieabbau der Betriebsgröße angemessen und unter Einsatz digitaler Lösungen voranzubringen.
  • Einen einheitlichen Bußgeldkatalog und mehr Personal in den Kontrollbehörden mit Beratungskapazitäten.
  • Die Ausbildung im Lebensmittelhandwerk attraktiv und zukunftsgewandt gestalten, indem die Lehrpläne in Wissensmodulen organisiert und in engem Austausch mit angrenzenden Bereichen bereichert werden.
  • Raum und Förderung für Innovationen und neue Verkaufsstellenkonzepte im Lebensmittelhandwerk schaffen.