Das gute Leben auf dem Land

Energie und Klimaschutz

Ein Arbeiter verschraubt Solarpaneele.
Die Energiewende wird vor Ort gemacht - und Bürger*innen können zum Beispiel durch Energiegenossenschaften daran teilhaben, wie hier in Leutkirch. picture alliance | Raimund Haser
14.08.2021

Die Klimakrise ist auch ein Thema auf der Hauptstraße im Dorf. Die Menschen machen sich Gedanken darüber, wie es um ihr Dorf und die Natur drumherum – ihr Zuhause - in der Zukunft aussehen wird. Sie möchten ihr Lebensumfeld erhalten und einen Beitrag leisten zum Klimaschutz, gerne auch gemeinsam. Mit einer Solaranlage auf dem Dach des eigenen Hauses oder als Mitglied bei Windparkprojekten oder Energiegenossenschaften können sie direkt dabei sein.

Das lohnt sich damm auch für Kommunen. Derzeit sind rund 40 Prozent der Erneuerbaren-Anlagen in Bürgerhand - es könnten aber noch viel mehr sein. Durch die Hürden, die in den letzten Jahren eingebaut worden sind, hat die Bürgerenergie stark gelitten.

Wir Grüne im Bundestag wollen diesen Trend umkehren und die Bürgerenergie wieder stärken. Alle sollen sich beteiligen können und von kostengünstigem und sauberem Strom aus Sonne und Wind profitieren.

Saubere Energie vor Ort

Auf dem Land wohnen viele in ihren eigenen Häusern – mit kleineren oder größeren Dächern. Da steckt ein großes Potential, das wir nutzen wollen. Der Strom vom eigenen Dach ist nicht nur sauber und klimafreundlich, sondern auch günstiger als der aus dem Netz bezogene Strom. Es lohnt sich also, den Strom auch selbst zu nutzen.

Es sollte aber auch wieder attraktiver sein, den Strom in das öffentliche Netz voll einzuspeisen. Dafür wollen wir sorgen, und darüber hinaus die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit Stromspeicher intelligent und wirtschaftlich optimal eingesetzt werden können.  Und neben Hausbesitzer*innen sollen auch Mieter*innen vom günstigeren Ökostrom profitieren können.

Mancherorts übernehmen Projekte auch die Wärmeversorgung aus erneuerbaren Quellen und bauen neue Wärmenetze auf. Ein breites Spektrum aus Unternehmen, Zusammenschlüssen von Bürger*innen, Landwirt*innen, Stadtwerken und anderen Akteur*innen ist hier vertreten.

Einen Überblick zu ausgezeichneten Projekten bietet der "Kommunalatlas"

Bürgerenergie entfesseln

Bürgerenergieprojekte könnten jedoch noch viel mehr zur Energiewende beitragen. Denn statt sie in den letzten Jahren zu unterstützen, hat die Bundesregierung Hürden eingebaut. Windkraftprojekte von Bürger*innen müssen seit 2017 ebenso wie die von kommerziellen Betreibern an komplexen Ausschreibungen teilnehmen. Für Bürgerenergiegesellschaften ist das eine enorme Hürde, die Einführung der Ausschreibungspflicht brachte Planungsunsicherheit und schreckt viele Bürgerenergieprojekte ab.

Wir wollen die gemeinschaftliche Eigenversorgung ermöglichen, wonach Stromproduzent*innen und Verbraucher*innen vor Ort sich zusammentun und die Anlagen selbst betreiben sowie auch den Strom verbrauchen können. Dafür müssen Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften, wie im EU-Recht vorgesehen, in Deutschland verankert werden. Das wurde bisher versäumt.

Energie-Kommunen im Aufwind

Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, lässt sich Stromversorgung auf kommunaler Ebene sehr gut selbst organisieren. Bürgerenergie braucht politische Unterstützung vor Ort. Viele Kommunen haben das erkannt und fördern die Initiativen auf vielfältige Weise:

  • Sie erstellen öffentlich zugängliche Dachflächenkataster, um geeignete Dächer für Photovoltaikanlagen ausfindig zu machen.
  • Sie räumen Bürgerenergieprojekten Rabatte ein, etwa bei der Pacht für Windkraftflächen oder der Dachnutzung für Solaranlagen
  • Sie benennen Ansprechpartner für Bürgerenergieprojekte in den Rathäusern und bei öffentlichen Wohnungsgesellschaften und stellen Klimaschutzmanager*innen ein.
  • Sie bieten Muster(pacht)verträge für Bürgerenergieprojekte an.
  • Sie unterstützen die Kooperation von Schulen mit Bürgerenergien, etwa über Projektwochen.

Der Ausbau sichert lokale Arbeitsplätze im Handwerk und erhöht die regionale Wertschöpfung. Daher sind die Projekte auch wirtschaftlich klug und zukunftsgerichtet.

Wir streben eine stärkere Beteiligung der Kommunen an der Energiewende an. Das ist besonders gut beim Ausbau von Wind- und Solarenergie möglich. Kommunen sollen von neuen Anlagen auf ihrem Gebiet finanziell profitieren. Dafür braucht es eine bundesweite, verbindliche Regelung. Die Direktvermarktung von Ökostrom in der Region wollen wir wieder erleichtern.

Unsere Forderungen:

  • Solardächer zum Standard machen und fördern.
  • Bürgerenergieprojekte unterstützen, etwa indem die Möglichkeit im EU-Recht zur Befreiung von der Ausschreibungspflicht vollständig ausgeschöpft wird, und die Einführung eines Bürgerenergiefonds, um die kritische Anfangsphase von Projekten für Bürgerenergie abzusichern.
  • Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften gesetzlich verankern, so dass Produzent*innen und Verbraucher*innen sich zusammentun können, um den vor Ort erzeugten sauberen Strom gemeinsam zu nutzen.
  • Mieterstrom stärken und vereinfachen.
  • Eine bundesweite, verbindliche Regelung, um Kommunen an den Erlösen der Erneuerbaren-Anlagen zu beteiligen.
  • Die regionale Direktvermarktung von Ökostrom erleichtern und gesetzlich absichern.

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