Das gute Leben auf dem Land

Fördermittel

Blick auf den Generationenbahnhof in Erlau.
Blick auf den Generationenbahnhof in Erlau. Der frühere Bahnhof wurde nach 20 Jahren Leerstand in einen Generationenbahnhof mit einem Bürgertreffpunkt, einer Zahnarztpraxis und einer Tagespflegeeinrichtung umgebaut. Rund 1,2 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert. picture alliance | Hendrik Schmidt
14.08.2021

In einer Kommune mit komfortabler Finanzausstattung ist es oft leicht, gute Ideen für das Dorf umzusetzen. In finanzschwachen Gemeinden fehlt dagegen schlicht das Geld, oft auch das Wissen und die Personalkapazitäten, um Fördermittel abzurufen.

Hier braucht es eine verlässliche, leicht zugängliche Förderung, um gute Lebensbedingungen für alle zu schaffen. Aktuell ist der Förderdschungel so komplex, dass es für Laien fast unmöglich ist, für ein privates Projekt eine realistische Einschätzung der Förderoptionen zu erhalten.

Wie vielfältig, aber auch komplex Förderung sein kann, vermittelt das Beispiel des Generationenbahnhof Erlau. Ein Interview mit Jana Ahnert, Vereinsvorsitzende Generationenbahnhof Erlau e. V.:

Welche Idee haben Sie mit der Gründung des Generationenbahnhofs Erlau verfolgt?

Wir wollten den denkmalgeschützten Bahnhof zu einem Ort des Ankommens und der Begegnung umbauen.

Wie startete das Projekt?

Zunächst entwickelten engagierte Bürger*innen, der Bürgermeister, die Gemeindeverwaltung und potenzielle Nutzer das Angebot für den Bahnhof: Eine Kombination aus Bildung, Kultur, Freizeit und professionellen Dienstleistungen sollte es werden.

Mit welcher Förderung konnten Sie den Start realisieren?

2015 erhielten wir für zwei Jahre eine Förderung von 50.000 Euro aus dem Programm „Neulandgewinner“ www.neulandgewinner.de . Wir nutzten das Geld als Honorarmittel für die Projektentwicklung, Vernetzung aller Beteiligten und Öffentlichkeitsarbeit und konnten so einen fundierten Start finanzieren.

Welche Fördermittel stecken bis heute im Projekt?

Nach dem Anschub durch die Neulandgewinner folgte eine Finanzierung durch LEADER, ein Fördertopf der EU: Die Gemeinde Erlau erhielt als Gebäudeeigentümerin für die Sanierung circa 700.000 Euro Fördermittel bei 2,3 Millionen Euro Baukosten.

Von 2017 bis 2020 wurde der Generationenbahnhof als Modellvorhaben „Regionalität und Mehrfunktionshäuser“ des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit einer Summe von circa 87.000 Euro gefördert. So finanzierten wir die Koordinationsstelle für die Organisation von Veranstaltungen, die kontinuierliche Besetzung des Bürgerbüros und für die Vernetzung aller Angebote im Bahnhof.

Könnte sich das Projekt auch ohne Förderung tragen?

Nein, denn wir erwirtschaften keine Einnahmen. Die Miete der professionellen Anbieter im Haus refinanziert auf lange Sicht die Baukosten der Gemeinde.

Was ist aktuell Ihr größter Stolz?

Der Bahnhof ist ein lebendiges neues Ortszentrum geworden - für Gespräche, gemeinsame Feste und Feiern, Vorträge und Kulturveranstaltungen. In den Jahren 2018 und 2019 zählten wir über 5.000 Gäste in unseren Veranstaltungen.

Welche Wünsche haben Sie in Bezug auf Förderungen an die nächste Bundesregierung?

Wir wissen jetzt nach der BMEL-Förderung nicht, wie wir das Haus langfristig betreiben können. Zivilgesellschaftliches Engagement für kurze Zeit zu fördern, aber langfristig keine Lösungen anzubieten, ist wenig nachhaltig. Es braucht dringend staatliche Mittel und Strukturen, die das Engagement der Menschen für die Gesellschaft tragen. Es braucht nicht nur Investitionen in Gebäude, sondern vor allem auch in Menschen! 

Vielen Dank für diese Einblicke in Ihre Erfahrungen.

Unsere Forderungen

  • Kompetente Ansprechpartner*innen, die sich sowohl in der Region als auch in der Förderlandschaft auskennen und die Beantragung mit Rat und Tat begleiten.
  • Für die Kommunen müssen die Förderrichtlinien verschlankt und gerade für finanzschwache Gemeinden die Vorrausetzungen vereinfacht werden, eine Förderung zu erhalten.
  • Ein Bund-Länder-Programm „Gleichwertige Lebensverhältnisse für alle“ soll gezielt den Regionen, die heute mit großen Versorgungsproblemen kämpfen, Finanzmittel und Gestaltungsmöglichkeiten geben. Es soll sie in die Lage versetzen, ihre Infrastrukturprobleme zu lösen und ihre Entwicklung wieder selbst in die Hand nehmen zu können.
  • Kommunen brauchen eine auskömmliche Finanzausstattung, damit sie als zuverlässiger Partner lokale Projekte dauerhaft absichern können.