Das gute Leben auf dem Land

Gesundheitsvorsorge

Krankenschwester notiert Patientendaten
adobe stock | contrastwerkstatt
14.08.2021

„Und? Wie geht‘s?“ „Ja, muss ja!“
Gespräche über die Gesundheit können im Ländlichen schon mal etwas spröde wirken. Man geht nicht so gern zum Arzt oder zur Ärztin. Ist ja oft auch kompliziert. Und man gibt es nicht gern zu, wie unwohl man sich fühlt.

Tatsächlich wird aus mangelhafter Gesundheitsversorgung auf dem Land schnell ein tagesfüllendes Programm, wenn man krank in die nächste Stadt fahren muss, weil die Praxis vor Ort schon vor Jahren zugemacht hat. Mit frischer Luft allein wird niemand 100 Jahre alt.

Gesund und satt – wie schön ist dat!

Eine mangelnde gesundheitliche Versorgung im Umfeld hat mitunter direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität: Wenn Präventions- und Vorsorgeangebote nur schwer zu erreichen sind, werden sie oft nicht so angenommen. Viele  Krankheiten haben aber im fortgeschrittenen Stadium eine signifikant schlechtere Heilungschance als bei einer frühen Erkennung. Daher gehört eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung zwingend zum guten Leben auf dem Land – auch und gerade für Menschen, die sich ungern behandeln lassen.

Da junge Allgemeinmediziner*innen und Fachärzt*innen kaum eine teure Praxis in eine schwach besiedelten Region eröffnen wollen und können, braucht es jenseits von Einzelkämpfer*innen neue Lösungen für die gute Gesundheitsvorsorge. Ein Ansatz sind Gesundheitszentren. Sie bieten die Möglichkeit, dass Ärzte, Pflegekräfte und Therapieberufe unter einem Dach arbeiten. Das verkürzt nicht nur die Wege für die Patientinnen und Patienten, sondern ermöglicht eine enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufe auf Augenhöhe.

In einem solchen Zentrum können künftig auch ein paar stationäre Kurzzeitbetten, sowie Angebote der Rehabilitation und Pflege angesiedelt werden. Ärzt*innen wird hier ein Arbeitsplatz im Angestelltenverhältnis geboten. So ist es für Mediziner*innen leichter, für eine gewisse Zeit in einer Region zu arbeiten, ohne sich langfristig binden zu müssen.

Wer in der DDR gelebt hat, erinnert sich noch an die Gemeindeschwester, die die medizinische Grundversorgung im Dorf im Blick hatte und wusste, wann es Zeit ist, eine Ärztin zu rufen. Mit diesem Ansatz im Hinterkopf wurde in Thüringen vom Zusammenschluss Landengel e. V. ein Gesundheitskiosk eröffnet, der für fünf Gemeinden eine Anlaufstelle für Versorgungsfragen bietet.

Unsere Forderungen

  • Reform der Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen, um Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu gewährleisten und Angebote wie Gemeindeschwestern zu stärken.
  • Gemeinsame Planung von stationären und ambulanten Angeboten, um ambulant-stationäre Gesundheits- und Pflegezentren im ländlichen Raum zu ermöglichen.
  • Ausbau telemedizinischer Angebote, um Zugang zu hochspezialisierter Versorgung auch im ländlichen Raum zu erleichtern.