Das gute Leben auf dem Land

Mobilität

Eine rote Mitfahrbank steht in der Ortsmitte der Gemeinde Oberlödla im Altenburger Land.
Eine rote Mitfahrbank steht in der Ortsmitte der Gemeinde Oberlödla im Altenburger Land. Hier kann der Mitfahr-Suchende ein Schild mit seinem Fahrziel anbringen. picture alliance | Bodo Schackow
14.08.2021

In vielen ländlichen Regionen kommt der Bus nur zweimal am Tag. Und wer Rad fährt, lebt gefährlich. Der nächste Bahnhof ist oft ohnehin nur mit dem PKW zu erreichen und der Fahrplan noch dazu arg ausgedünnt. Hier ist das Auto das zentrale Verkehrsmittel und der Führerschein mit 18 ein erheblicher Gewinn an Freiheit. Ein Auto ist da nötig. Aber müssen deswegen viele Familien gleich mehrere Autos besitzen?

„Unsere Familie hat drei Autos auf dem Hof stehen. Mobil sein muss doch auch anders gehen!“

Nicht unbedingt. In vielen Orten haben Bürger*innen sich bereits Lösungen für eine vielfältigere Mobilität organisiert. Der erste Schritt kann zum Beispiel eine Mitfahrbank an der Ausfallstraße sein. Über einen Messenger-Dienst sprechen sich Interessierte mit oder ohne Auto ab, wer wann wohin fahren will. Man trifft sich an der Bank.

Es gibt auch Dörfer, in denen ein Verein einen Bürgerbus betreibt. Oder einen Fahrdienst zum Arzt oder zur Ärztin: Er fährt zwei- bis dreimal die Woche und nimmt jene mit, die nicht selbst fahren können. Und auf der Fahrt ist Zeit für einen kleinen Plausch.

Anderenorts erwachsen Car-Sharing-Initiativen aus der Idee, sich die Fahrzeuge zu teilen. Mittlerweile gibt es hunderte solcher Projekte. Hier zeigen die Menschen vor Ort, wie sich Mobilitätswende auf dem Land ganz praktisch angehen lässt.

Zwei Beispiele:

Die Bürger*innen in Klixbüll, einem 1.000 Seelendorf im Kreis Nordfriesland, hatten 2016 die Idee, sich ein Gemeinschaftsauto anzuschaffen. Daraus entstand die Initiative „Dörpsmobil“. Sie berät jetzt Dörfer in ganz Schleswig-Holstein, die ebenfalls auf Gemeindeautos umsteigen möchten.
In Wendlingen wollten mobilitätseingeschränkte Personen bei Fahrten nicht mehr auf ihre Familie und Freunde angewiesen sein. Eine Initiative organisierte einen Bürger-Bus. Er fährt jetzt mit Ehrenamtlichen am Steuer und ermöglicht allen, ohne Auto in die Stadt zu kommen.

Aber wir brauchen Mobilitätsangebote nicht nur in engagierten Gemeinden, sondern überall auf dem Land. Daher wollen wir Bus und Bahn in den ländlichen Raum zurückholen und auch mithilfe neuer Mobilitätsangebote wie Car- und Ridesharing allen Bürgerinnen und Bürgern eine bezahlbare Mobilitätsgarantie geben. Die Basis hierfür muss ein zuverlässiges Grundangebot sein, das vom Staat garantiert wird.

Unsere Forderungen

  • allen Menschen Zugang zu einem attraktiven und verlässlichen Nahverkehrsangebot ermöglichen, perspektivisch kommen Bus und Bahn dann verlässlich im Stundentakt.
  • Fuß- und Radwege auch im ländlichen Raum ausbauen, damit alle Verkehrsteilnehmer*innen sicher ans Ziel kommen und die Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Verkehr verbessern, unter anderem durch hochwertige Fahrrad-Abstellanlagen an Bahnhöfen und Haltestellen.
  • Die Möglichkeit sich Autos zu teilen, zum Beispiel durch ein Car-Sharing-Angebot, soll besser gefördert und unterstützt werden. Das gilt auch für den gemeinnützigen oder gemeinwirtschaftlichen Betrieb.