Das gute Leben auf dem Land

Regionales Wirtschaften

Eier in einem Dorfladen in Bayern.
Lose Eier aus der Region gibt es im Dorfladen in Farchant zu kaufen. Der Dorfladen hat die Auszeichnung „Dorfladen des Jahres“ von einem Branchenverband bei der Grünen Woche in Berlin bekommen. picture alliance | Angelika Warmuth
14.08.2021

Da fährt ein Supermarktlaster mit spanischen Zucchini durch halb Europa, um sie in einer Kleinstadt in Vorpommern abzuliefern. Muss das sein?

Da zieht die Schulabgängerin in die 300 km entfernte Stadt, um dort in einer coolen, innovativen Bäckerei eine Ausbildung zu beginnen. So weit weg?

Gute Tomaten, leckeres Brot - Lebensmittel aus dem Dorfladen

„Lecker“ sagt ihre Oma zum mitgebrachten Brot. „Und Deine Tomaten erst! Hier auf’m Dorf gibt es sowas Gutes nicht mehr.“ Kurios und bitter: Die Tomate auf Omas Brot stammt von einem Biohof aus der Nähe, der seine Produkte aber in Berlin verkauft, weil vor Ort die Vermarktungsmöglichkeiten fehlen.
Das müssen wir ändern.

Dafür gilt es, die lokalen Strukturen zu stärken und wieder aufzubauen, die Nahversorgung und regionale Kreisläufe geschickt zusammenzubringen. Also, für den Hof muss es sich lohnen das Getreide zur Mühle in der Nähe zu bringen, um es dann an die Bäckerei im Ort zu verkaufen.

Im Ort gibt es idealerweise ein Mehrfunktionshaus, wo die Menschen aus der Region nicht nur ihre Lebensmittel kaufen, sondern auch den Post- und Bankservice nutzen und sich bei einer Tasse Kaffee ausruhen können.  Wenn die Nahversorgung wieder stimmt und alle zu Fuß den täglichen Einkauf erledigen können, steigt sofort die Lebensqualität.

Was braucht es dazu?

Die regionalen Wirtschaftskreisläufe müssen gestärkt werden. Dazu gehört zunächst eine stabile Nachfrage, die Höfen und dem Lebensmittelhandwerk eine langfristige Perspektive gibt. Im ersten Schritt sollen Mensen, Großküchen und öffentliche Einrichtungen verstärkt regionale und ökologische Produkte einsetzen. Das schafft Nachfrage und faire Preise.

Regionalsiegel und die Förderung von Digitalisierungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass regionale Produkte und direkt vermarktende Betriebe bekannter und leichter zugänglich werden. Gezielte Beratung von Handwerksbetrieben und Höfen kann helfen mit den oft komplizierten Auflagen und Kennzeichnungsvorschriften zurechtzukommen. Eine maßgeschneiderte Förderlandschaft motiviert außerdem zu Neugründungen und Unternehmensübernahmen.

Es gibt zudem zahlreiche innovative und partizipative Ansätze, wie zum Beispiel Erzeugergemeinschaften oder die solidarische Landwirtschaft. Viele berichten, dass gute Gespräche, das Denken über den Tellerrand und ein schnelles Internet Basis von ihrer ersten Erfolge in der Region waren.

Diese Ansätze unterstützen wir Grüne im Bundestag. 

Unsere Forderungen

  • Verbesserte Förderung für Betriebe, die vorwiegend oder ausschließlich regional vermarkten und für die Region strukturell bedeutsam sind.
  • Gezielte, den Betriebsgrößen angemessene Maßnahmen, um das regionale Lebensmittelhandwerk zu stärken und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) soll hierfür den besonderen Förderbedarf regionaler Unternehmen und Unternehmenskooperationen abdecken.
  • Unterstützung von Kommunen und Ländern bei der Stärkung der Wirtschaftsnetzwerke und regionalen Kreisläufe, damit sie die Neuansiedlungen von Unternehmen in der Region gezielt bewerben können.