Pestizide

Gefährliche Pestizidexporte stoppen

Spritzen von Pflanzenschutzmitteln beim Anbau von Soja, Hauptursache für die fortschreitende Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und das wichtigste Exportprodukt Brasiliens, Sinop, Mato Grosso, Brasilien, Südamerika
In der EU verbotene Pestizide dürfen nicht länger Umwelt und Gesundheit in anderen Ländern gefährden. Jährlich kommt es zu geschätzt 385 Millionen unbeabsichtigter Pestizidvergiftungen, von denen mindestens 10.000 tödlich enden. Foto: Spritzen von Pflanzenschutzmittel beim Anbau von Soja in Brasilien. picture alliance / imageBROKER | Florian Kopp
12.02.2021
  • Jährlich kommt es zu geschätzt 385 Millionen unbeabsichtigter Pestizidvergiftungen, von denen mindestens 10.000 tödlich enden, vor allem im Globalen Süden.
  • In der EU verbotene Pestizide dürfen nicht länger Umwelt und Gesundheit in anderen Ländern gefährden, daher fordern wir ein Exportverbot. Auch pestizidexportierende Unternehmen müssen unternehmerische Sorgfaltspflichten einhalten.
  • Wir setzen uns dafür ein, den Umgang mit Pestiziden auf internationaler Ebene stärker zu regulieren und den weltweiten Pestizideinsatz insgesamt zu verringern.

Wir fordern ein Export-Verbot von giftigen Pestizidwirkstoffen, die aufgrund ihrer Gefahren für Gesundheit oder Umwelt in der EU verboten beziehungsweise nicht zugelassen sind. Der interfraktionelle Antrag gemeinsam mit der LINKEN fordert außerdem, den Umgang mit Pestiziden auf internationaler Ebene stärker zu regulieren und den weltweiten Pestizideinsatz insgesamt zu verringern. Zudem setzen wir uns für die verbindliche Einhaltung unternehmerischer Sorgfaltspflichten pestizidexportierender Unternehmen ein.  Wir wollen Alternativen zum chemischen Pestizideinsatz stärker fördern und die Agrarökologie insgesamt, auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, stärken.

Exportverbote für Pestizide umsetzen

In der EU verbotene Pestizide dürfen nicht länger Umwelt und Gesundheit in anderen Ländern gefährden. Der entwicklungspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Uwe Kekeritz, kritisierte in seiner Rede die unerträgliche Doppelmoral: Wenn etwas für uns zu giftig ist, ist es auch für die Menschen des Globalen Südens zu giftig. Da gibt es nichts zu diskutieren! Mit dem Antrag haben wir bereits von Kenia bis Brasilien Aufmerksamkeit geweckt. An Deutschland werden zurecht Erwartungen gestellt. Aber ich sage es deutlich: Es sind keine hohen Erwartungen, sondern Selbstverständlichkeiten, die jede Regierung erfüllen muss, wenn sie glaubhaft christlich-soziale oder moralische und ethische Werte vertreten will.“

Im Vorfeld der Plenardebatte wandte sich Dr. Marcos Orellana, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte und giftige Substanzen (Special Rapporteur on toxics and human rights) in einem Brief an die Bundesregierung. Darin bringt er seine explizite Unterstützung für unseren Antrag zum Ausdruck und fordert die Bundesregierung auf, sich für ein Exportverbot sowie eine stärkere internationale Regulierung im Pestizidmanagement einzusetzen.  

Bundestagsrede von Uwe Kekeritz zu Pestizidexporten

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Bundestagsrede von Uwe Kekeritz am 11.2. 2021 zum Thema Pestizidexporte

Zum Hintergrund

Jährlich kommt es zu geschätzt 385 Millionen unbeabsichtigter Pestizidvergiftungen, von denen mindestens 10.000 tödlich enden. Große Anteile der Umsätze im Pestizidhandel werden mit Wirkstoffen und Produkten erzielt, die für Mensch und Umwelt hochgefährlich sind (Highly Harzardous Pesticides, kurz HHPs), darunter auch viele Pestizide, die in der EU aufgrund ihrer Schädlichkeit verboten sind. Etwa 60 Prozent der HHPs werden in Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert. Deutsche Unternehmen wie Bayer und BASF gehören zu den größten Exporteuren. Neben akuten Vergiftungserscheinungen bei den Menschen, die Pestizide z.B. ohne Schutzkleidung versprühen oder in der Nähe betroffener Anbauflächen leben, gibt es chronische Schäden wie erhöhtes Krebsrisiko, chronische Krankheiten oder Fehlbildungen im Mutterleib. Hinzukommen fatale Folgen für Biodiversität und Umwelt.