Globale Gesundheit

Strukturen im Süden stärken

Karte mit allen Kontinenten, nördliche Hemisphäre blau, südliche rot
Globale Pandemien, wie die Corona-Krise, bekommen wir nur dann in den Griff, wenn wir internationale Koordination und Krisenmanagement der WHO stärken. Und vor allem braucht es resiliente Gesundheitsstrukturen und -systeme in allen Ländern, vor allem im Globalen Süden. Wikimedia CC0
28.05.2020
  • In unserem Antrag zur Globalen Gesundheit, betonen wir die Wichtigkeit einer resilienten Basis-Gesundheitsversorgung für alle und rücken dabei den Globalen Süden in den Fokus.
  • Die COVID-19-Pandemie macht deutlich, dass wir eine starke internationale Koordination der UN, vor allem über die WHO, zur Eindämmung globaler Gesundheitskrisen benötigen.
  • Das globale Gesundheitssystem ist nur so stark, wie seine schwächsten Teile. Daher muss die Stärkung von Gesundheitssystemen im Globalen Süden weit oben auf die internationale Agenda stehen. Die Bundesregierung muss hierz noch deutlich mehr beitragen als bislang.

Gesundheit ist ein Menschenrecht

Die Corona-Pandemie hat uns die existenzielle und globale Bedeutung von Gesundheitsfragen schlagartig und in aller Konsequenz vor Augen geführt. Gesundheit ist ein Menschenrecht. Viele Fragen der Gesundheitspolitik können nicht regional oder national gelöst werden. Wir erleben - auch in industrialisierten Ländern - unfaire und ungleiche Zugänge zu Gesundheitssystemen und -dienstleistungen. Doch insbesondere in Ländern des Globalen Südens mangelt es an adäquater Basisgesundheitsversorgung und entsprechenden Strukturen. Es gilt die Debatte um internationale Zusammenarbeit und globale Solidarität mit den Schwächsten zu befördern und verstärkt dort zu Handeln wo es am meisten Not tut.

An Zielen und Absichtserklärungen mangelt es nicht. Das Nachhaltigkeitsziel 3 der Agenda 2030 gibt uns zum Beispiel den Auftrag: „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“. Wir müssen dazu die Mütter- und die Säuglingssterblichkeit senken, und neben Aids, Malaria und Tuberkulose auch vernachlässigte Krankheiten beseitigen. Vor allem braucht es aber eine Stärkung der Basisversorgung im gesundheitlichen Bereich. Dies hilft auch am Besten künftige Pandemien einzudämmen.

Resiliente Gesundheitssysteme und-infrastruktur ausbauen

Unser Antrag macht deutlich, dass der Aufbau von Gesundheitssystemen gerade auch in den Länder des Globalen Südens überlebenswichtig ist. Eine nachhaltige Gesundheitspolitik nimmt die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren von Gesundheit und die Stärkung von Gesundheitssystemen- und -infrastruktur in den Fokus. Hier hat die Bundesregierung auf finanziell deutlichen Nachholbedarf. Wir fordern 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen.

In der heutigen globalisierten Welt lassen sich die wichtigsten Faktoren, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen, nicht mehr allein auf nationaler Ebene kontrollieren und beeinflussen. Daher müssen wir vor allem auch systemische Ansätze zur Schaffung von Resilienz im Gesundheitsbereich im Globalen Süden fördern.

Was braucht es zur Umsetzung? Dazu Ottmar von Holtz in seiner Bundestagsrede vom 28. Mai 2020:

Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten… sowie wirksame, hochwertige und bezahlbare Arzneimittel

Ottmar von Holtz MdB

WHO und internationale Zusammenarbeit in Krisenzeiten stärken

Die ständig wachsende Ungleichheit von Einkommen und Wohlstand innerhalb und zwischen den Ländern der Welt, die Klimakrise, die Liberalisierung der internationalen Finanz- und Warenströme, die Aktivitäten transnationaler Konzerne, der Raubbau der natürlichen Ressourcen der Welt: All diese Faktoren haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen und machen gleichzeitig globales Handeln unumgänglich.

Die Bundesregierung sollte sich dafür einsetzen, dass eine Corona-Task-Force der Vereinten Nationen und ein Corona-Hilfsfonds unter WHO-Führung zur Unterstützung von Staaten mit schwachen Gesundheitssystemen eingerichtet werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss dabei in ihrer koordinierenden Rolle substantiell gestärkt werden.

Die Corona-Pandemie ist erst beendet, wenn sie in allen Regionen der Welt erfolgreich eingedämmt wurde. Dort, wo Staaten die nötigen Mittel für Tests, Medikamente, intensivmedizinischer Betreuung und die Durchbrechung der Infektionsketten haben, müssen wir als internationale Gemeinschaft zusammenarbeiten.

Um künftige Pandemien zu vermeiden müssen Frühwarnsysteme gestärkt und auch Zusammenhänge zwischen Arten- und Naturschutz sowie der Ausbreitung von Viren stärker berücksichtigt werden, unter anderem dadurch, dass Schutzgebiete menschenrechtskonform ausgeweitet werden und Wildtierhandel eingeschränkt wird.