Lebensmittelversorgung

Mit regionaler Vielfalt krisenfester werden

Eine Frau füllt Gemüse in einem Berliner Biomarkt nach.
Eine Mitarbeiterin füllt Gemüse in einem Berliner Biomarkt nach. Die Lebensmittelversorgung in Deutschland funktioniert. picture alliance/Georg Wenzel
27.03.2020
  • Die Lebensmittelversorgung in Deutschland funktioniert auch in Krisenzeiten.
  • Bei bestimmten Lebensmitteln, vor allem Obst und Gemüse, sind wir allerdings stark auf Importe angewiesen.
  • Wir wollen regionale Lebensmittelproduktion stärken und dadurch auch in Krisenzeiten unabhängiger sein von Importen und langen Lieferketten.

Alle Menschen mit gesunden Lebensmitteln versorgen – das ist zu Zeiten der Corona-Krise nicht ganz einfach, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben. Der Lebensmittelhandel hat mit der stark gestiegenen Nachfrage, strengen Hygieneanforderungen und kurzzeitigen Lieferengpässen zu kämpfen. Aber es zeigt sich: Die Lebensmittelversorgung in Deutschland funktioniert, und wir müssen uns keine Sorgen um Versorgungsengpässe machen.

Abhängigkeit vom Import bei Obst und Gemüse

Gleichzeitig werden aber auch die Schwächen unseres Ernährungssystems deutlich: Während unser Selbstversorgungsgrad etwa bei Schweinefleisch und Milch sehr hoch ist, sieht es bei Obst und Gemüse ganz anders aus. Hier sind wir auf Importe angewiesen. Da die Produktion in Südeuropa im Zuge der Corona-Krise unter Druck gerät, könnten Importe beispielsweise aus Spanien in den nächsten Monaten sinken.

Doch nicht nur der der Anbau und die Ernte von Obst und Gemüse in anderen Ländern ist von der Krise betroffen, auch in Deutschland fehlen schon jetzt viele SaisonarbeiterInnen. Die Ernte lässt sich aber nicht verschieben, daher müssen dringend Möglichkeiten geschaffen werden, dass andere Menschen, die mit anpacken möchten, auch mit anpacken dürfen.

Regionalität weiter voranbringen

Obwohl Regionalität für Verbraucherinnen und Verbraucher immer wichtiger bei der Einkaufsentscheidung wird, schlägt sich das beim Anbau von Obst und Gemüse in Deutschland bisher nicht nieder. Der Gemüseanbau in Deutschland entspricht nur etwa einem Drittel des Verbrauchs, beim Obstanbau ist es sogar nur etwa ein Fünftel. Und die Flächen, die bei uns für den Anbau pflanzlicher Produkte genutzt werden, sind in den letzten Jahren kleiner geworden, während die genutzten Flächen für Exportwaren oder den Anbau von Energiepflanzen angewachsen sind.

Eine Lehre aus der Corona-Krise sollte es daher sein, unsere Landwirtschaft wieder vielfältiger zu machen, um den Menschen regionale Produkte anbieten zu können und in Krisen auch bei Obst und Gemüse unabhängiger zu sein von Importen.

Schnelle Hilfen für Familien mit geringem Einkommen

Besonders stark betroffen von der Krise sind Menschen, insbesondere Familien, die ein geringes Einkommen haben und das Angebot der Tafeln genutzt haben. Für sie entfällt zum einen das kostenlose Mittagessen ihrer Kinder in Kita und Schule, zum anderen ist häufig auch die Möglichkeit, Lebensmittel über die Tafeln zu erhalten, entfallen oder stark eingeschränkt.

Nur weniger als die Hälfte der Lebensmittelausgabestellen der Tafeln sind im Moment geöffnet. Ausgabestellen mussten wegen Kontaktsperreregelungen schließen, die ehrenamtlichen HelferInnen haben Schwierigkeiten zu kommen und noch dazu erhalten die Tafeln derzeit kaum Lebensmittelspenden. Daher brauchen Familien in Not jetzt schnelle Unterstützung und unbürokratische Hilfe, beispielsweise über die Erhöhung des Hartz IV-Regelsatzes.