80 Jahre deutscher Überfall auf Polen

Für einen neuen Ort der Begegnung und des Erinnerns

Sender Gleiwitz, Polen (Museum)
Am 1. September 2019 jährt sich der deutsche Überfall auf Polen zum 80. Mal. Doch noch immer ist die Bedeutung des deutschen Besatzungs- und Vernichtungsregimes in Polen bei uns in Deutschland nicht hinreichend ausgeprägt. Darum setzen wir uns für die Errichtung eines neuen Orts der Begegnung und des Erinnerns in Berlin ein. Im Bild: Sendemast in Gliwice, Polen. Ein von den Nazis fingierter Überfall auf den Sender diente als Vorwand für den deutschen Einmarsch nach Polen, welcher den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert. dpa - Report
30.08.2019
  • Wir wollen das historische Bewusstsein in Deutschland für das Ausmaß des Nazi-Terrors in Polen stärken.
  • Auch 80 Jahren nach dem deutschen Überfall auf Polen ist der besondere Charakter des deutschen Besatzungs- und Vernichtungsregimes in Polen bei uns in Deutschland immer noch nicht hinreichend ausgeprägt.
  • Deshalb setzen wir Grüne uns geschlossen für die Errichtung eines neuen Orts der Begegnung und des Erinnerns in Berlin ein.

Am 1. September 2019 jährt sich der Überfall Deutschlands auf Polen zum 80. Mal. Mit ihm begann der 2. Weltkrieg und die Umsetzung grausamster, rassenideologischer Vernichtungspolitik durch das nationalsozialistische Terror-Regime. Deutsche Todesschwadron begannen unmittelbar mit der Ermordung zehntausender polnischer Bürgerinnen und Bürger – unter ihnen viele Menschen jüdischen Glaubens. Es gab zahllose Kriegsverbrechen wie in Wielun oder Czestochowa und nicht zuletzt auch in Warschau mit der grausamen Niederschlagung des Aufstands im Getto. Mit der Einrichtung deutscher Vernichtungslager auf dem Gebiet Vorkriegspolens durch die Nationalsozialisten folgte der fabrikmäßige Massenmord an den europäischen Juden und damit auch an Millionen Polinnen und Polen jüdischen Glaubens.

Dem demokratischen Polen dankbar

Angesichts dieses unermesslichen Leids, das von Deutschland ausging, sind wir heute umso mehr dankbar, dass nach 1989 die ersten demokratischen Regierungen Polens viel für die Versöhnung mit Deutschland getan haben. Die deutsche Einheit und die Integration des geeinten Deutschlands in die europäischen Strukturen wären ohne den Mut und den Willen unseres östlichen Nachbarn nicht möglich gewesen. Über die Jahre sind besondere freundschaftliche und enge wirtschaftliche Beziehungen sowie Partnerschaften zwischen Städten, Schulen, Universitäten und der Zivilgesellschaft gewachsen, die beide Länder eng verbinden.

Noch zu wenig historisches Bewusstsein in Deutschland für Ausmaß des Nazi-Terrors in Polen

Dennoch ist auch nach 80 Jahren das Bewusstsein über den besonderen Charakter des deutschen Besatzungs- und Vernichtungsregimes in Polen zwischen 1939 und 1945 bei uns in Deutschland immer noch nicht hinreichend ausgeprägt. So wichtig es ist, dass wir in eine gemeinsame friedliche Zukunft schauen. Genauso wichtig ist es, dass ein ausgeprägtes deutsches historisches Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte Grundlage unserer guten Beziehungen ist.

Grüne unterstützen geschlossen neuen Ort des Gedenkens und der Begegnung

Deshalb braucht es jetzt eines geeigneten Orts, einer prominenten Stelle in Berlin, um dem Gedenken und der Erinnerung an den deutschen Vernichtungskrieg gegen Polen und die nationalsozialistische Besatzung, aber auch der Begegnung und Auseinandersetzung einen Raum zu geben. Zu einer solchen Initiative hat ein breites, fraktionsübergreifendes Bündnis von 251 Bundestagsabgeordneten aus Union, SPD, Linken und Grünen im Bundestag aufgerufen. Die grüne Bundestagsfraktion steht geschlossen hinter dieser Initiative für Frieden und Versöhnung. Jetzt gilt es gemeinsam ein angemessenes Konzept für einen neuen Gedenkort auszuarbeiten, um gemeinsam Versöhnung, Freundschaft und Frieden zu stärken.