Alleinerziehende

Alleinerziehende stärken - Kinderarmut bekämpfen

Ein Frau und ein Kind rennen treppen hinunter zum Strand.
In Deutschland leben 1,6 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Sie sind sind an sieben Tagen die Woche 24 Stunden im Einsatz und meistern die Herausforderungen des Alltags oft ganz allein. picture alliance / R. Goldmann
19.02.2020
  • Familie ist mehr als Mutter-Vater-Kind. In jeder fünften Familie in Deutschland leben Kinder mit ihrer Mutter oder ihrem Vater allein im Haushalt.
  • Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist besonders hoch. Das ist längst bekannt, doch die Maßnahmen der Regierung dagegen bleiben mut- und wirkungslos.
  • Wir geben Alleinerziehenden die Unterstützung, die sie verdienen: mit einer Kindergrundsicherung und wirksamen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In jeder fünften Familie in Deutschland leben Kinder allein mit ihrer Mutter oder ihrem Vater. Alleinerziehende sind längst keine Ausnahme mehr. Sie leisten enorm viel, sind häufig allein verantwortlich fürs Geld verdienen, Kinder erziehen, für den Haushalt, für den Weg zur Kita, zum Arzt oder zum Sportverein. Alleinerziehende sind an sieben Tagen die Woche 24 Stunden im Einsatz. Dieses Engagement muss endlich entsprechend gewürdigt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass Alleinerziehende die Unterstützung bekommen, die sie verdienen!

Alleinerziehende haben das größte Armutsrisiko

Vier von zehn Alleinerziehenden sind von Armut betroffen. Dabei arbeiten alleinerziehende Frauen im Schnitt sogar mehr als Frauen in Paarfamilien. Von den rund 1,9 Millionen Kindern in Hartz IV-Bezug lebt die Hälfte bei Alleinerziehenden. Ein Drittel der Alleinerziehenden im SGB II Bezug ist gleichzeitig berufstätig und stockt auf. Hier wird die Schräglage in unserem Land deutlich.

Diese Schräglage bekommen auch die Kinder zu spüren: Die Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern und ihre Chancen sind deutlich belegt: Kinderarmut hat weitreichende Folgen für Bildung, Gesundheit und Erfolgschancen im Leben. Das ist ein echtes Armutszeugnis für unser reiches Land. Wir wollen, dass Kinder alles haben, was sie brauchen, egal ob sie mit einem oder zwei Eltern leben. Kein Kind soll in Armut aufwachsen.

Alleinerziehende profitieren von einer Kindergrundsicherung

Alleinerziehende fallen im Fördersystem viel zu oft durchs Raster: An vielen geht die Kindergelderhöhung spurlos vorüber, weil ihnen das Kindergeld vollständig auf den Unterhaltsvorschuss angerechnet wird. Auch der Kinderzuschlag kommt nur bei etwa jeder dritten Familie an, die einen Anspruch darauf hat. Familien im Hartz IV-Bezug profitieren weder vom Kindergeld, noch von einer Erhöhung der Freibeträge. Obwohl das hohe Armutsrisiko von Alleinerziehenden und ihren Familien längst bekannt ist, kommen von der Regierung keine starken Reformen, sondern lediglich Gesetze mit klangvollen Namen.

Wir wollen die Art, wie in Deutschland Kinder finanziell gefördert werden, umkrempeln und gerechter gestalten: Mit einer Kindergrundsicherung. Alle Kinder sollen einen festen Garantiebetrag bekommen. Kinder, deren Eltern kein oder nur ein geringes Einkommen haben, werden mit einem zusätzlichen GarantiePlus-Betrag unterstützt, der umso höher ist, je weniger die Eltern verdienen. Alleinerziehende haben mit der Kindergrundsicherung ein deutliches Plus im Portemonnaie: Die Mindestbedarfe von Kindern berechnen wir neu und gerechter. Damit steigt automatisch auch den Mindestunterhalt. Und anders als beim heutigen Kindergeld soll die Kindergrundsicherung auch beim Unterhaltsvorschuss nur zur Hälfte angerechnet werden.

Die Kindergrundsicherung spart Alleinerziehenden wertvolle Zeit und Kraft, die heute häufig im Bürokratiedschungel verschwindet. Denn sie muss nur ein einziges Mal beantragt werden und wird dann automatisch ausgezahlt. Dafür nutzen wir die Möglichkeiten der Digitalisierung und lassen die relevanten Informationen zwischen den Behörden laufen – und nicht mehr die Eltern. Dafür können Eltern einwilligen, dass für sie automatisch geprüft wird, ob und in welcher Höhe ihnen neben dem Garantiebetrag der zusätzliche GarantiePlus-Betrag zusteht. Ob Kinder bekommen, was ihnen zusteht, hängt damit nicht mehr davon ab, ob ihre Eltern von Leistungen wissen oder im Antragsmarathon bestehen.

Alleinerziehende müssen arbeiten können

Wir wollen, dass Alleinerziehende arbeiten können, wenn sie dies möchten. Das ist die beste Armutsprävention. Eltern, die alleine für ihre Kinder die Verantwortung tragen, sind besonders motiviert zu arbeiten. Und gerade sie haben es besonders schwer Berufstätigkeit und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Deswegen muss arbeiten leichter möglich sein, besonders nach längeren Phasen der Auszeit für die Kinder. Wir brauchen Teilzeit-Ausbildungen, die auch mit kleinen Kindern zu stemmen sind und eine finanzielle Unterstützung, die auch während der Ausbildungsphase für die Familie reicht. Auch für Weiterbildungen muss finanziell und rechtlich abgesichert die Arbeitszeit reduziert werden können. Und nicht zuletzt muss sich auch die Arbeitskultur in Deutschland verändern, damit Eltern mehr Gestaltungsspielräume bei der Bestimmung von Arbeitszeit und –ort haben. Dafür fordern wir ein Recht auf Homeoffice und flexible Vollzeit. Denn oft entscheidet vor allem die Flexibilität, ob Eltern bei einem Theaterstück an der Schule oder einem Elternabend in der Kita dabei sein können.

Alleinerziehende stärken heißt Kinder stärken

Lange Schulferien, geschlossene Kitas und ein Schulgong, der bereits zur Mittagszeit läutet – ob Alleinerziehende arbeiten gehen können, hängt auch von den Betreuungsangeboten ab, die ihnen für ihre Kinder zur Verfügung stehen. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem ersten Lebensjahr war ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Doch auch Kinder im Grundschulalter können sich am Nachmittag nicht selbst überlassen werden. Wir fordern deshalb einen Rechtsanspruch auf ein hochwertiges ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot bis zum Ende der Grundschulzeit – auch in Randzeiten und in den Ferien.

Egal ob Kita oder Grundschule: Bildungsgerechtigkeit kann es nur geben, wenn die Qualität der Angebote stimmt. Inklusion, Sprachförderung oder Partizipation von Kindern funktionieren nur, wenn auch ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Dafür sind genug Fachkräfte erforderlich – egal ob Kinder in Hamburg, Leipzig, Hannover oder München aufwachsen. Wir wollen, dass Mindeststandards für die Qualität in Kitas und Schulen bundesweit einheitlich festgelegt werden. Denn alle Eltern sollen ihre Kinder in guten Händen wissen, wenn sie zur Arbeit gehen.