Digitale Kinderrechte

Aufwachsen in der vernetzten Welt

Vier Personen mit virtual reality Brillen in einem Museum
Die Digitalisierung bietet vielfältige Möglichkeiten. Wir wollen, dass Kinder ihre Chancen und Rechte on- wie offline erhalten. Unsplash/ Lucrezia Carnelos
11.02.2020
  • Kinder leben und lernen heute in einer digitalisierten Welt. Bereits 95 Prozent der 12-Jährigen besitzen ein Smartphone.
  • Wir Grüne im Bundestag machen uns dafür stark, dass alle Kinder und Jugendlichen die Chancen der Digitalisierung positiv für sich nutzen können und vor Risiken bestmöglich geschützt sind.
  • Den Rechten von Kindern auf Teilhabe, Förderung und Schutz wollen wir auch in der digitalen Welt Geltung verschaffen. In unserem Fraktionsbeschluss zeigen wir auf, was dafür getan werden muss.

Kinder und Jugendliche wachsen ganz selbstverständlich in einer vernetzten Welt auf. Sie streamen Musik, spielen im Internet und suchen nach Tutorials, wenn sie mit den Hausaufgaben nicht weiterkommen. Damit sie die Digitalisierung positiv für sich nutzen können, ist es zwingend notwendig den Schutz von Kindern im Netz zu verbessern und sie beim Erwerb von Medienkompetenzen zu unterstützen.

In unserem Fraktionsbeschluss zeigen wir auf, was getan werden muss, um Teilhabe, Förderung und Schutz von Kindern in der digitalen Welt zu stärken.

Gleichberechtigte Teilhabe

Kinder haben ein Recht auf digitale Teilhabe. Doch nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen – Geräte, Zugänge und Nutzungskompetenzen - um mitzumachen. Wenn es darum geht, was Kinder zum Aufwachsen brauchen, müssen deshalb auch Geräte für den Zugang zur digitalen Welt berücksichtigt werden. Das soziokulturelle Existenzminimum von Kindern muss ihnen in der analogen und der digitalen Welt Teilhabe garantieren und darf nicht klein gerechnet werden. Wir setzen uns für öffentliche, kostenfreie WLAN-Hotspots und für hohe Datensicherheit bei allen digitalen Angeboten ein – denn Zugang zur und Sicherheit in der digitalen Welt dürfen keine Frage des Geldbeutels sein.

Schule sollte für gerechtere Teilhabe auch in der digitalen Welt sorgen. Dazu gehört, den digitalen gender-gap zu verringern und Mädchen zu unterstützen. Der Erwerb von Medien-, Datenschutz- und Quellenkompetenz ebenso wie Coding und das Experimentieren mit Mikroelektronik sollen selbstverständlicher Teil des Unterrichts werden. Nötig dafür sind pädagogische Konzepte, datensichere Lernumgebungen, passende Hardware und Lernsoftware. Dafür sind ausreichend geschulte Lehrkräfte, IT-Personal und MedienpädagogInnen erforderlich. Kommunen, Länder und der Bund sind hier gefordert: Sie müssen gemeinsam und dauerhaft dafür sorgen, dass alle Schulformen pädagogisch sinnvoll und leistungsfähig ausgestattet werden.

Wir wollen allen Interessierten eine bessere Orientierung im Dschungel der unzähligen Angebote und Materialien im Netz geben und qualitätsgesicherte Angebote zur Verfügung stellen – deshalb setzen wir uns für eine „Zentrale für digitale und Medienbildung“ ein, die medien- und digitalpädagogische Kompetenzen bündelt, vermittelt und fördert.

Umfassende Förderung

Je kompetenter junge Menschen mit digitalen Medien umgehen, desto sicherer und souveräner bewegen sie sich im Netz. Kinder von klein auf beim Erwerb von digitalen und Medienkompetenzen zu unterstützen ist deshalb eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe von Eltern, Kitas, Schulen und der Jugendhilfe.

Wir setzen uns dafür ein, digitale und Medienbildung bei pädagogischen Fach- und Lehrkräften strukturell zu verankern, medienpädagogisches Wissen gehört zwingend in ihre Ausbildung. Regelmäßige Fortbildungen und die Zusammenarbeit mit Medienpädagoginnen und –pädagogen sind geboten.

Eltern sind beim Aufwachsen in der digitalen Welt besonders gefordert. Sie haben eine wichtige Vorbildfunktion und geben Orientierung. Eltern müssen wissen, welche Risiken mit dem Teilen von Fotos, Videos und Informationen in sozialen Netzwerken verbunden sind. Deshalb brauchen sie Sicherheit und Medienkompetenzen. Angebote der Medienberatung für Eltern müssen ausgebaut werden– zum Beispiel durch niedrigschwellige Info-Abende an Schulen oder Familienzentren.

Besserer Schutz

Online begegnen Kinder und Jugendliche häufig Inhalten, die nicht für ihr Alter gedacht sind und kommen leicht mit Fremden in Kontakt. Wir wollen es Eltern und Fachkräften einfacher machen, Gefahren für Kinder zu erkennen und wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen – durch zuverlässige Kennzeichnungen von Inhalten auf Plattformen, einheitliche Regelungen für unterschiedliche Medienangebote sowie voreingestellte und erleichterte Sicherheitseinstellungen. Die Vorschriften des deutschen Kinder- und Jugendmedienschutzes müssen dabei für alle Angebote gelten, die zur Nutzung in Deutschland bestimmt sind – egal in welchem Land der Anbieter seinen Sitz hat.

Die Medienwelt, in die Kinder hineinwachsen, erscheint heute so kommerziell geprägt wie nie. Wir wollen Schleichwerbung eindämmen und kennzeichnen und Kinder und Jugendliche besser vor Ausbeutung und kommerziellem Datensammeln schützen. Auch dem Recht von Kindern auf Privatsphäre wollen wir mit einem Sicherheitssiegel für vernetztes Spielzeug mehr Geltung verschaffen – denn Spionagewerkzeuge haben in Kinderzimmern nichts zu suchen.

Damit Kinder im Netz nicht Opfer von Straftaten wie Hassrede, Cybergrooming oder sexualisierter Gewalt werden, ist eine umfassende digitale Präventionsstrategie erforderlich. Notwendig sind eine bessere Ausstattung der Polizei und eine koordinierte Vernetzung aller kinderschutzrelevanten Akteurinnen und Akteure. Insbesondere für Kinder und Jugendliche fordern wir unabhängige und kostenfreie Informations- und Beratungsstellen zum Umgang mit Straftaten im Netz. Betroffene von exzessiver Mediennutzung und Online-Spielsucht brauchen bessere Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangebote. Auch Anbieter von Games und Apps müssen stärker in die Pflicht genommen werden, um Kinder und Jugendliche im Netz besser zu schützen.