Fachtagung

Digital Natives? Aufwachsen in der vernetzten Welt

Grüne Abgeordnete, ExpertInnen und Gäste diskutierten zu Vorträgen, auf Podien und Weltcafés auf unserer Fachtagung im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestages. Aufzeichnung der Veranstaltung.
08.11.2019
  • Kinder sind bereits heute ein Teil der digitalen Welt: Mit 12 Jahren besitzt fast jedes Kind ein internetfähiges Smartphone.
  • Den in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieften Rechten von Kindern auf Teilhabe, Förderung und Schutz muss auch im digitalen Raum Geltung verschafft werden.
  • Was braucht es für ein gutes Aufwachsen in der digitalen Welt? Mit zahlreichen Fachleuten und Gästen haben wir darüber im Deutschen Bundestag diskutiert.

Kinder und Jugendliche wachsen heute ganz selbstverständlich in einer digitalisierten Welt auf. 95 Prozent aller 12-Jährigen besitzen internetfähige Smartphones und machen damit das, was junge Menschen schon immer gemacht haben: Musik hören, gemeinsam Spiele spielen, unbeobachtet Dinge ausprobieren und Räume für sich erobern. Dabei lassen sich on- und offline Zeiten immer weniger unterscheiden, weil digitale und analoge Welten ineinander übergehen.

Fachtagung zum Aufwachsen in der vernetzten Welt

Die besondere Dynamik der Digitalisierung stellt Politik, Fachverbände, pädagogische Fach- und Lehrkräfte und nicht zuletzt Eltern vor besondere Herausforderungen. Es ist höchste Zeit, Kinder und Jugendliche ins Zentrum der Digitalpolitik zu stellen und gemeinsam zu diskutieren, wie ein gutes Aufwachsen in der digitalisierten Welt gelingen kann.

Die grüne Bundestagsfraktion hat deshalb am 8. November 2019 zur Fachtagung „Digital Natives? Aufwachsen in der vernetzten Welt“ nach Berlin eingeladen. Dort wurden grüne Ideen zur Verwirklichung von Kinderrechten in der digitalen Welt vorgestellt und mit den Abgeordneten Katja Dörner, Margit Stumpp, Dr. Konstantin von Notz, Monika Lazar, Renate Künast, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Beate Walter-Rosenheimer, ExpertInnen im jeweiligen Themengebiet sowie mit Gästen der Veranstaltung diskutiert.

Impressionen

Teilhabe von Kindern gewährleisten – Chancen der Digitalisierung nutzen

Die Auftaktimpulse zur Tagung kamen von Patricia Cammarata (Autorin und Elternbloggerin), Louisa Dellert (Influencerin und Unternehmerin) und Frederik Riedel (App-Artist/Entrepreneur). Sie zeigten auf, wie junge Menschen die Digitalisierung für sich nutzen, um Austausch mit Gleichgesinnten zu finden, sich gesellschaftlich zu engagieren und das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Es herrschte große Einigkeit darüber, dass kein Kind von der digitalen Welt ausgeschlossen sein sollte.

Katja Dörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der grünen Bundestagsfraktion und Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik, betonte, dass die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen nicht daran scheitern dürfe, dass manche junge Menschen ein Smartphone haben während andere sich keines leisten könnten.

Digitale Bildung als gemeinsame Aufgabe

Ein Ziel digitaler Bildung müsse sein, kompetent und kritisch mit Informationen und Angeboten in der digitalen Welt umzugehen und diese für sich nutzbar zu machen.

Katja Dörner betonte, dass Medienbildung nicht erst in der Schule ansetzen darf. Bereits im Kindergartenalter machten Kinder Erfahrungen mit digitalen Medien und sollten beim Erwerb erster Medienkompetenzen von Erzieherinnen und Erziehern unterstützt werden. Dafür müsse die Medienbildung bei Fach- und Lehrkräften strukturell verankert werden.

Während der Fachtagung wurde immer wieder auf die Vielzahl hochwertiger medien- und digitalpädagogischer Angebote hingewiesen. Diese müssten jedoch stärker gebündelt und bekannt gemacht werden. Marina Weisband, Expertin für Beteiligung und digitale Teilhabe, bekräftigte in diesem Zusammenhang die Forderung der grünen Bundestagsfraktion nach einer „Bundeszentrale für digitale und Medienbildung“.

Kinderschutz im Netz verstärken

Kinder und Jugendliche seien auch im digitalen Raum besonders schutzbedürftig. Es wurde deshalb darüber diskutiert, was den Gefahren entgegensetzt werden könne, die für junge Menschen von Hate-Speech, Cybergrooming, extremistischem, gewaltverherrlichendem und pornografischem Content oder auch von vernetzten Spielzeugen ausgehe.

Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger unterstrich, dass verstärkter Kinderschutz in der digitalen Welt auch einer Stärkung der Polizeiarbeit bedarf. Kinder dürften nicht permanent mit Unrecht im Netz konfrontiert werden, ohne dass dies Konsequenzen nach sich zieht. Um effektiver gegen Cybergrooming vorzugehen, schlug er vor, den Straftatbestand der sexuellen Belästigung auch auf verbale Formen von Belästigung auszuweiten.

Auch Anbieter müssen sich mehr engagieren

Es herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass Anbieter und Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung genommen werden sollten. Sie müssten mögliche Risiken ihres Angebots verständlich und altersgerecht erläutern. In Angebote, bei denen klar ist, dass sie auch von Kindern und Jugendlichen genutzt werden, gehörten von Anfang an altersgerechte Grundeinstellungen.

Jutta Croll, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Digitale Chancen, verwies auf „Die Leitlinien zur Achtung, zum Schutz und zur Verwirklichung der Rechte des Kindes im digitalen Umfeld“, die 2018 vom Ministerkomitee des Europarates verabschiedet wurden und Teilhabe, Förderung und Schutz von Kindern im digitalen Raum stärken sollen.

Die  Veranstaltung machte deutlich, dass die Verwirklichung der Kinderrechte in der vernetzten Welt ein gesamtgesellschaftliches Projekt ist, an dem sich nicht zuletzt auch Kinder und Jugendliche beteiligen können müssen.

 

Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier zum nachlesen.