Bildungsgerechtigkeit

Gute Ganztagsbildung im Grundschulalter

Reger Betrieb herrscht auf einem Flur der sanierten Grundschule Am Priesterweg in Potsdam-Drewitz (Brandenburg), aufgenommen am 05.08.2013.
Mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern. Damit alle von guten Ganztagsangeboten profitieren, wollen wir dazu einen Rechtsanspruch im Kinder- und Jugendhilferecht verankern und Qualitätskriterien festschreiben. dpa
08.09.2020
  • Gute und hochwertige Ganztagsangebote haben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und können zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Für Eltern sind sie Voraussetzung für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen einen Rechtsanspruch auf ganztätige Bildungsangebote für alle Kinder im Grundschulalter im Kinder- und Jugendhilferecht ab dem Jahr 2025 schaffen.
  • Der Rechtsanspruch braucht Qualitätskriterien. Es muss genügend Erzieher*innen geben und das Angebot muss inklusiv sein. Schule und Jugendhilfe müssen auf Augenhöhe kooperieren und Bund, Länder und Kommunen sich auf eine faire und verlässliche Verteilung der Kosten verständigen. 

Egal wo Kinder in Deutschland aufwachsen – sie sollen in allen Schulen und Betreuungseinrichtungen gute Bedingungen vorfinden. Das heißt: motivierte Lehrkräfte, Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen, moderne Turnhallen, funktionierende Toiletten, vielfältige Bildungs- und Freizeitangebote bis in den späten Nachmittag, gutes und gesundes Essen sowie viel Raum für Spiel, Bewegung, Erholung und Begegnung.

Die Realität sieht vielerorts leider anders aus. Die Chancen von Kindern auf gute ganztägige Erziehung, Bildung und Betreuung sind in Deutschland noch immer sehr ungleich verteilt. Obwohl sich die meisten Eltern ein Ganztagsangebot für ihre Kinder wünschen, steht bislang nicht einmal für die Hälfte der Kinder im Grundschulalter ein entsprechendes Angebot zur Verfügung. Für die Kita gibt es den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz, aber mit dem Eintritt in die Schule stehen vielerorts keine entsprechenden Angebote zur Verfügung. Für Kinder mit Behinderungen sieht die Lage noch düsterer aus.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Ein Ganztagsangebot für alle Kinder im Grundschulalter wäre dringend notwendig, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Eltern nicht nur in den ersten Lebensjahren des Kindes zu gewährleisten. Denn Fakt ist: Fehlende Ganztagsangebote können das Armutsrisiko erhöhen. Insbesondere Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich oft davon betroffen.

Vor allem aber die Kinder selbst würden von einem Rechtsanspruch auf ganztätige Bildung profitieren. Gute Ganztagsangebote haben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung. Sie haben das Potenzial für eine bessere individuelle Betreuung und sind darum ein wichtiger Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

Schule könnte immer mehr vom Lern- zum Lebensort werden

Mehr Zeit in Schule oder Hort eröffnet Kindern auch Räume für mehr Beteiligung im Schulalltag. Gute Konzepte vorausgesetzt, können ungleiche Startchancen besser ausgeglichen und Selbstwirksamkeit und ein demokratisches Miteinander erfahren und praktisch gelebt werden. Schule wird somit immer mehr vom Lern- zum Lebensort. Voraussetzung dafür ist jedoch eine hohe Qualität der Angebote und das setzt eine gute Zusammenarbeit von Lehrkräften und den beteiligten pädagogischen und nicht-pädagogischen Fachkräften voraus.

Um gute Angebote für alle Kinder in Deutschland zu schaffen, fordern wir darum die Verankerung eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbildung für alle Kinder im Grundschulalter im Kinder- und Jugendhilferecht. Dieser Rechtsanspruch muss an Qualitätskriterien gekoppelt sein: Beispielsweise sollte der Bildungs- und Betreuungsanspruch mindestens fünf Tage pro Woche und mindestens neun Stunden am Tag umfassen. Der Rechtsanspruch muss inklusiv ausgestaltet sein: Eltern von Kindern mit Behinderungen dürfen keine zusätzlichen Kosten entstehen. Und ganz zentral: Es muss einen angemessenen Fachkraft-Kind-Schlüssel sowie Mindestvorgaben für die Qualifikation der Fachkräfte und die räumliche Ausstattung geben. Jugendhilfe und Schule müssen verbindlich zusammenarbeiten.

Um dem Problem des Fachkräftemangels im pädagogischen Bereich zu begegnen, müssen der Erzieher*innenberuf und die Ausbildung endlich attraktiver ausgestaltet werden. Die Investitionen in den Ausbau sowie die Kosten für das Personal müssen fair zwischen Bund, Ländern und Kommunen aufgeteilt werden.