Folgen der Corona-Krise

Maßnahmenpaket für Kinder, Jugendliche & Familien

Ein Kind mit Mund-Nasen-Schutz spielt mit einem Teddy
Bund, Länder und Kommunen müssen für den Sommer ein gemeinsames Maßnahmenpaket zur körperlichen und seelischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Familien schnüren. Spätestens zum neuen Schuljahr sollen sich Kinder und Familien auf tragfähige Unterstützungsangebote verlassen können. iStock/yulkapopkova
25.05.2021
  • Kinder, Jugendliche und ihre Familien haben zum Schutz aller in den vergangenen 15 Monaten auf vieles verzichtet und mit Vorsicht und Umsicht enormes geleistet.
  • Bund, Länder und Kommunen müssen umgehend Maßnahmen vorlegen, mit denen noch im Sommer den Folgen dieser Einschränkungen begegnet wird.
  • In einem Autor*innenpapier skizzieren wir Grüne im Bundestag ein solches Maßnahmenpaket.

Kinder, Jugendliche und Familien haben in die Corona-Pandemie enormes geleistet, wurden aber bei den Folgen der Pandemie viel zu selten in den Blick genommen. Der politische Umgang mit der Corona-Krise und das kaum sichtbare Krisenmanagement der Familienministerin Giffey haben eines deutlich gezeigt: Es wird Zeit für einen Politikwechsel, der wahrnimmt, was Kinder, Jugendliche und ihre Familien jetzt wirklich brauchen.

Kinder und Jugendliche stärker in den Blick

Jeder Schülerin und jedem Schüler sind im vergangenen Jahr zwischen 350 und 800 Unterrichtstunden weggefallen. Doch verpasster Matheunterricht ist längst nicht alles. Die Folgen der Einschränkungen für Gesundheit, Psyche und die Entwicklung von Kindern und Heranwachsenden sind gravierend. Entsprechende Untersuchungen schlagen Alarm: Sorgen und Ängste haben noch einmal zugenommen, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden sind verstärkt zu beobachten.

Fast jedes dritte Kind leidet ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie darunter. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen die gar keinen Sport machen, hat sich in der Pandemie verzehnfacht. Sie brauchen im Sommer Angebote für das, was fehlte: Mehr Bildung, mehr Bewegung, mehr Freizeit, mehr Begegnungen. So kann nach über einem Jahr des Verzichts für Kinder und Jugendliche ein Sommer mit wiedergewonnenen Freiheiten und neuen Möglichkeiten beginnen.

Bund, Länder und Kommunen müssen für den Sommer ein gemeinsames Maßnahmenpaket zur körperlichen und seelischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Familien schnüren. Dafür schlagen wir folgende Punkte vor:

Kommunales Freizeitaktionspaket für Familien

Der Sommer steht vor der Tür. Angebote der Kinder- und Jugendarbeit konnten monatelang nicht stattfinden, sie müssen gestärkt werden. Mit flexiblen, einfach zu beantragenden Freizeitbudgets sollen Kommunen unterstützt werden, ihnen vielfältige, Angebote schnell und leicht zugänglich zu unterbreiten. Der Bund legt ein Modellprojekt auf, über das jede Kommune ein Budget zur Entwicklung von Freizeitangeboten für Familien im Sommer beantragen kann. Die Kommune entscheidet eigenverantwortlich, wie sie das Geld unbürokratisch und schnell weiter gibt. Kriterium der Förderung ist der Freizeit- und Altersbezug.

Energie tanken mit dem Familien-Erholungsprogramm

Die Pandemie hat vielen Familien alle Kraft- und Energiereserven gekostet Familienberatungsstellen, Krisendienste und Nothilfehotlines müssen gestärkt und ausgebaut werden. Mit einem Familien-Erholungsprogramm sollen Eltern-Kind-Kuren ausgebaut werden. Zudem sollen darüber Familien in der Grundsicherung oder mit kleinem Einkommen Urlaubsgutscheine unbürokratisch und ohne Anrechnung beantragen können.

Sportangebote für Kinder und Jugendliche stärken

Viele Kinder und Jugendliche mussten in den vergangenen Monaten auf Sportangebote, ihren Sportvereine oder Schwimmunterricht verzichten. Damit das Sportvereinsleben endlich wieder voll und ganz für sie starten kann, sollen Amateursportvereine unkomplizierte Angebote für zwei Schnelltests pro Woche und Kind erhalten. Mit Sonderbudgets für Sommercamps können sie unbürokratisch darin unterstützt werden, kurzfristige und pandemiekonforme Sportangebote in den Sommerferien auf die Beine zu stellen.

Mit dem Interrail-Ticket raus in die Welt

Die große Reise nach dem Schulabschluss, das Au-Pair Jahr oder das Auslandssemester sind für viele junge Menschen ein wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben. Keine dieser Pläne konnte im letzten Jahr verwirklicht werden. Deshalb wäre es sehr wertvoll, hier eine Angebot der Unterstützung zu bieten: Wer in der Pandemie 18 geworden ist, erhält ein kostenloses Interrail-Ticket, um coronagerecht Europa zu erfahren und zu erleben.

Appell an die Kommunen: Platz für Familien schaffen!

In die Städte kehrt das Leben zurück und in diesem Sommer soll es vor allem draußen stattfinden. Dort, wo coronabedingt weniger Platz ist, sollen Familien mit Familienöffnungszeiten bevorzugt behandelt werden: Das gilt bspw. für Freibäder, Zoos, etc. „Die Straßen sind zum Spielen da!“, soll deshalb so oft wie möglich Realität werden. Mit temporären Spielstraßen kann der öffentliche Raum in diesem Sommer neu aussehen.

Zukunftsgipfel für eine langfristige Bildungs- und Chancenoffensive

Das Ende der Pandemie muss der Start für bessere Chancen für Kinder und Jugendliche sein. Deshalb müssen jetzt alle Verantwortlichen an einen Tisch und auf einem Zukunftsgipfel für Chancen- und Bildungsgerechtigkeit Maßnahmen für grundlegende strukturelle Veränderungen verabreden: Bund, Länder und Kommunen, Schul- und Jugendhilfeträger, Kinder- und Jugendverbände, bis hin zu Jobcentern und Jugendberufsagenturen.