Forschung für den Wandel Innovationen neu ausrichten

Die Bedrohung unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist weit fortgeschritten. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) sieht nun die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in der Verantwortung, die globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals - SDGs) und den Klimaschutzvertrag von Paris entschlossen umzusetzen. Auf beide Abkommen hatte sich die Weltgemeinschaft im vergangenen Jahr verständigt, um sich auf den Weg hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu machen.

Erweitertes Innovationsverständnis unerlässlich

Anlässlich der G20-Präsidentschaft Deutschlands übergab der WBGU an Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ein Sondergutachten. Er wirbt darin dafür, die große Transformation zur Nachhaltigkeit als einzigartiges Modernisierungsprojekt wahrzunehmen. Hierzu gehört ein neues, ein erweitertes Innovationsverständnis. Gebraucht werden Innovationen, die der Umsetzung der SDGs und der Pariser Beschlüsse dienen. Gemeint sind damit aber auch mehr soziale Innovationen, die auf das nationale und globale Gemeinwohl abzielen.

Innovationspolitik neu ausrichten

Die grüne Bundestagsfraktion hat mit ihrem Beschluss „Forschen für den Wandel – für ein neues Innovationsverständnis“ und mit ihrem Antrag „Innovationspolitik neu ausrichten – Forschen für den Wandel befördern“ skizziert, wie eine Innovationspolitik aussehen kann, die sich als nachhaltige Zukunftsvorsorge versteht. Dazu gehört ein neues Verständnis von Innovation, das neben technischem auch sozialen Fortschritt in den Blick nimmt.

Altes Wachstumsmodell hat ausgedient

Denn das blinde Wachstumsmodell, das Ressourcen und Energie verschlingt und auf technischen Fortschritt verengt ist, hat sich überholt. Mit alten Lösungen können wir die Probleme, mit denen wir heute zu kämpfen haben und die sie mit hervorgebracht haben, nicht angehen. Wir brauchen stattdessen eine ganzheitliche Innovationspolitik, die Wissenschaft und Forschung in ihrer Bedeutung für die ökologische Modernisierung stärkt.

Mehr Forschen für den Wandel

Ohne deutlich mehr Forschung für den Wandel und ohne neue Prioritätensetzungen für die globalen gesellschaftlichen Herausforderungen können wir den Wettlauf mit der Zeit nicht gewinnen. Um nachhaltige Entwicklungspfade zu beschreiten, müssen Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Relevanz sehr viel stärker ins Zentrum von Forschungsförderpolitik rücken. Technische und soziale Innovationen sollen gleichberechtigt gefördert werden. Gefragt sind zudem neue Austausch- und Beteiligungsformate, die Wissenschaftsbereiche untereinander und mit der Gesellschaft vernetzen.

Bundesregierung bleibt im Vagen

Wissenschaft und Forschung werden gebraucht, um die Lebensqualität hierzulande und weltweit zu verbessern, und zwar auf klima- und sozialverträgliche Weise. Das bekräftigte auch die Enquetekommission des Bundestages „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ in ihrem Abschlussbericht von 2013. Die Enquete formulierte seinerzeit auch, in welchen Bereichen mehr geforscht werden sollte, um die globalen Herausforderungen besser bewältigen zu können.

Doch die Bundesregierung tut sich nach wie vor schwer, Ergebnisse der Enquete in Regierungshandeln zu überführen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion aus dem vergangenen Sommer hervor. Zwar werden viele Forschungsprojekte gefördert. Doch wo die Forschungsergebnisse in praktische Politik überführt werden, lässt die Antwort im Vagen.

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