Forschung in Verantwortung Offene Fragen bei Biosicherheit

Schutzanzüge hängen im Einschleusungsbereich des neuen Hochsicherheitslabors der Sicherheitsstufe 4 des Robert Koch-Instituts in Berlin.
Schutzanzüge hängen im Einschleusungsbereich des neuen Hochsicherheitslabors der Sicherheitsstufe 4 des Robert Koch-Instituts in Berlin.

Wird an gefährlichen Erregern wie Grippeviren geforscht, dann können Forschungsergebnisse für gute wie für schlechte Zwecke verwendet werden. Dieses Phänomen der doppelten Verwendungsmöglichkeit von Forschung heißt auch dual-use: Gelangt es in falsche Hände, kann Wissen missbraucht werden, zum Beispiel von terroristischen Gruppen. Im Bereich der Lebenswissenschaften, also jenen Forschungsrichtungen, die sich mit Lebewesen beschäftigen, ist solcher Missbrauch besonders gefährlich. Denn es geht dabei direkt um Mensch, Tier und Umwelt, also um Fragen der Biosicherheit.

Empfehlungen des Ethikrats nicht umgesetzt

2014 hat der Deutsche Ethikrat geprüft, ob Deutschland bei der Abwehr solcher Gefahren gut aufgestellt ist. Er sah dabei Lücken und empfahl, im Umgang mit hochrisikoreicher Forschung aus den Lebenswissenschaften diese zu schließen. Die grüne Bundestagsfraktion forderte daraufhin 2015 die Bundesregierung in einem Antrag auf, die Lücken zu beseitigen und konkrete Vorschläge des Ethikrats umzusetzen. Einer dieser Vorschläge war, eine Kommission zu schaffen, die besorgniserregende Forschung aus den Lebenswissenschaften daraufhin prüft, ob die Risiken die Chancen überwiegen oder umgekehrt. Der gesetzliche Regulierungsbedarf besteht bis heute, die Ethikrat-Empfehlungen harren weiterhin ihrer Umsetzung.

Unterdessen hat sich die Wissenschaftscommunity auf den Weg gemacht, Missbrauchsrisiken von Forschung durch bessere Selbstregulierung zu minimieren. Dabei geht es nicht speziell um Missbrauchsgefahren der Projekte der Hochrisikoforschung in den Lebenswissenschaften. Vielmehr geht es um ethische Standards im Umgang mit dual-use-Gefahren von Forschung generell, also auf allen Forschungsfeldern.

Tätigkeitsbericht dokumentiert politische Diskussion

Mittlerweile liegt der erste Tätigkeitsbericht des „Gemeinsamen Ausschusses zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung“ vor. Diesen Ausschuss haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina 2015 ins Leben gerufen, um die Aktivitäten von Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung und dual-use-Risiken zu begleiten.

Der Tätigkeitsbericht informiert über den Stand in der Wissenschaftsgemeinde auf ihrem Weg zur stärkeren Selbstverpflichtung. Und er dokumentiert zugleich Argumente in der politischen Diskussion um den grünen Antrag und die Empfehlungen des Deutschen Ethikrats.

Er zeigt auch: Die Wissenschaftscommunity ist in der Frage von mehr Schutz gegen Missbrauch von Forschung vorangekommen. Dazu hat die öffentliche Debatte um gesetzliche Regelungslücken ihren Beitrag geleistet. Doch die spezielle Problematik der Biosicherheit in den Lebenswissenschaften bleibt nach wie vor ungelöst.

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