Zeitverträge

Wissenschaft auch in der Pandemie sichern

Drei Menschen hinter zwei Kolben, die mit einer roten und einer grünen Flüssigkeit gefüllt sind.
Die Pandemie schränkt die Arbeit vieler Wissenschaftler*innen ein. Bibliotheken und Labore wurden geschlossen, Forschungsarbeiten liegen brach. Deswegen müssen wir die Möglichkeit schaffen, dass Verträge in der Wissenschaft verlängert werden können. unsplash | science in hd
26.03.2021
  • Ganze Forschungsprojekte werden eingestampft, Labore und Bibliotheken sind geschlossen, die Arbeit in der Wissenschaft liegt größtenteils brach. Gleichzeitig laufen Arbeitsverträge in der Wissenschaft aus. Ein Gesetz verhindert die pandemiebedingt nötigen Verlängerungen.
  • Wir wollen, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihre durch die Pandemie eingeschränkten Wissenschaftler*innen länger als bisher gesetzlich vorgesehen beschäftigen können.
  • Dafür legen wir einen Gesetzesentwurf vor, durch den die mögliche Befristungsdauer von Wissenschaftler*innen erhöht wird.

Wir Grüne im Bundestag wollen gute Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler*innen schaffen – in Coronazeiten und darüber hinaus. Die Wissenschaft leistet in der Krise Außergewöhnliches: Sie erfindet den Impfstoff, erklärt Infektionsketten und weist auf psychische Folgen der Pandemie hin.

Aber vielerorts hat die Pandemie den Wissenschaftler*innen die Arbeit erschwert. Als Corona-Übergangslösung fordern wir, die maximale Befristungsdauer in der Wissenschaft anzupassen.

Verlängerung läuft aus

Wenn beispielsweise eine Biologin wegen der Pandemie nicht ins Labor gehen kann und die gesamte Versuchsreihe platzt, muss die Hochschule die Möglichkeit haben, ihren Vertrag entsprechend zu verlängern. Entgegen steht dem aber ein Gesetz.

Das so genannte Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) regelt die Befristungen in der Wissenschaft: sechs Jahre Höchstbefristung vor der Promotion und sechs Jahre nach der Promotion. Das gilt bis auf die heiß begehrten Professuren für alle. Am Anfang der Pandemie hatte die Bundesregierung die Befristungsdauer analog zur Länge der Pandemie erhöht. Eine wichtige Entscheidung. Doch seitdem ist nichts passiert. Die Pandemie hält weiter an.

Die weitere Anpassung der Befristungsdauer ist dringend erforderlich. Ab Ende März verlieren Wissenschaftler*innen, die z.B. nach der Promotion über der siebenjährigen Befristungsgrenze liegen (sechs Jahre ursprünglich plus ein Jahr wegen Gesetzesanpassung), ihre Stelle, auch wenn ihre Arbeit durch die Pandemie behindert wurde.

Anpassung an die Pandemie überfällig

Wir wollen diese Wissenschaftler*innen unterstützen. Darum haben wir einen Gesetzentwurf eingebracht, der die maximale Länge einer möglichen Befristung pandemiebedingt anpasst. So wird die Arbeitsverzögerung in der Wissenschaft auch nach März 2021 ausgeglichen.

Auch wollen wir für diejenigen das Gesetz geltend machen, die momentan über Drittmittel finanziert werden. Diese Gruppe wird im Gesetz der Bundesregierung nicht berücksichtigt. Sobald aus Drittmitteln finanzierte Forschende in eine Qualifizierungsstelle wechseln, also eine Stelle, deren Befristung das WissZeitVG regelt, wird die Zeit, die sie Drittmittel bekamen, bereits in das Befristungskontingent angerechnet.

Wir wollen diese Ungleichbehandlung beenden. Ob in der Pandemie von aus Drittmitteln oder Hochschulmitteln bezahlt wurde, sollte für die maximale Befristungsdauer unerheblich sein.

Gute Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler*innen schaffen

Auch Wissenschaftler*innen verdienen – wie alle anderen auch – eine gute Arbeit. Das wird von dem WissZeitVG häufig konterkariert, was die Befristungsquote von 92 Prozent in der Wissenschaft eindrücklich zeigt. Es gefährdet Forschergeist und verschleudert Potenziale bei Innovation, Leistung und Qualität. Wir setzen uns dafür ein, dass Dauerstellen für Daueraufgaben entstehen.

Tenure-Track-Programm und Professorinnenprogramm müssen substantiell ausgebaut und weitere Karrierewege in der Wissenschaft - neben der Professur - geschaffen werden.