Wissenschaft

Wissenschaft braucht ein weltoffenes Land

Wissenschaflerin bei der Arbeit im Labor. Füllt mit einer Pipette eine Flüssigkeit in ein Röhrchen.
Mit einem Antrag macht die grüne Bundestagsfraktion deutlich, dass wir in Deutschland die Bedingungen für Spitzenforschung deutliche verbessern müssen. Dazu gehört, dass bereits für Studierende Programme für Auslandsaufenthalte möglich gemacht werden, dass attraktivere und besser planbare Karrieremöglichkeiten geschaffen werden und dazu gehört auch, Anreize für WissenschaftlerInnen zu schafffen, die nach einem Auslandsaufenthalt wieder ins deutschen Wissenschaftssystem zurückkehren wollen. picture alliance/imageBROKER
13.12.2018

Die Menschheit steht vor Herausforderungen, die nicht mehr an Landesgrenzen halt machen: Auf gewaltsame Konflikte, Vertreibung und Klimakrise kann es darum nur gemeinsame, internationale Antworten geben. In der Wissenschaft - die zur Lösung dieser Herausforderungen beiträgt - wird Internationalität seit jeher gelebt. Aufgabe der Politik muss es sein, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den freien Austausch der Gedanken zu schaffen und möglichst viele Talente aus allen Teilen der Welt und der Gesellschaft teilhaben zu lassen.

Bedingungen für WissenschaftlerInnen verbessern

In Deutschland wollen wir darum die besten Bedingungen für Spitzenforschung schaffen, damit hier die klügsten Köpfe gemeinsam an den Lösungen für morgen arbeiten. Statt dabei aber leichtfertig Expertinnen und Experten aus dem Ausland abzuwerben und dabei womöglich noch zur Schwächung mancher Regionen in Europa oder weltweit beizutragen, sollte "Brain Circulation" auf Augenhöhe in beiden Richtungen gefördert werden. Dazu sollten bereits im Studium durch die Stärkung von Programmen wie Erasmus Plus Auslandaufenthalte ermöglicht werden. Deutschland als Wissenschaftsstandort bekannt zu machen ist wichtig, aber darüber hinaus muss auch eine attraktive Infrastruktur hergestellt werden. Dazu gehört die bessere Bezahlung von SpitzenwissenschaftlerInnen, die Reduzierung von Lehre und die Möglichkeit auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Frauen in der Wissenschaft fördern

Um kluge Köpfe zu halten, bedarf es auch attraktiverer, besser planbarer Karrierewege. Damit entstehen auch Anreize für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die nach einem Auslandsaufenthalt wieder ins deutsche Wissenschaftssystem zurückkehren wollen. Besonders Frauen und Personen aus unterrepräsentierten Gruppen in der Wissenschaft leiden unter den unsicheren Karrierewegen, mit befristeten Verträgen von teilweise unter einem Jahr. Darum fordern wir das Wissenschaftszeitvertragsgesetz zu reformieren und mehr Dauerstellen für Daueraufgaben, mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse, zusätzliche Tenure Track-Stellen frühzeitig nach der Promotion und unbefristete Karrierewege neben der Professur zu schaffen.

Deutschland als weltoffene kreative Wissenschaftsnation ausbauen

Wir wollen auch die Barrieren der mangelnden aufenthaltsrechtlichen Flexibilität für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland abbauen. So stehen viele schon vor ihrer Ankunft in Deutschland vor enormen Hindernisse: Selbst wenn Forschungsstipendium oder Studienplatz bereits zugesichert sind, dauert es mitunter viele Monate, um überhaupt einen Visumsantrag stellen zu können. Das macht die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion deutlich. Diesen untragbaren Zustand gilt es zu beenden. Vor Ort sollte sichergestellt sein, dass an den wissenschaftlichen Einrichtungen neben Deutsch auch Englisch als Sprache und ausländischer Bildungsabschlüsse gleichwertig anerkannt werden.

Wissenschaftsfreiheit international schützen

Nachdem die Wissenschaftsfreiheit selbst in Europa gefährdet wird - wie die Verlegung der Central European University (CEU) von Ungarn nach Wien aufgrund politischen Drucks der Regierung Orbán zeigt - muss die Bundesregierung die Wahrung der Wissenschaftsfreiheit endlich zu einem wichtigen Ziel der Außen- und Menschenrechtspolitik machen.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), der Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und den Studienwerken spielen bei der Ermöglichung von Studien- oder Forschungsaufenthalt in Deutschland bei Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Staaten mit gefährdeter Wissenschaftsfreiheit eine große Rolle. Ihnen sollte ein flexibler Fonds zur Förderung zur Verfügung gestellt werden. Wir müssen inländische wie ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland vor rassistisch, nationalistisch, rechtsextrem, antisemitisch oder anderen menschenfeindlich motivierten Einschüchterungen und Übergriffen zu schützen.

Wissenschaftsfreiheit zur wichtigen Frage der Diplomatie machen

Bei den Deutschen Botschaften sollte die Wissenschaftspolitik einen Schwerpunkt kriegen. Auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sollte der Ausbau und die Verbesserung nationaler Wissenschaftssysteme unterstützt werden und von Anfang an mitgedacht werden. So knüpfen Wissenschaftsbeziehungen neue Verbindungen zwischen Gesellschaften, öffnen frische Denkräume, befördern Pluralismus und kreativen Austausch von Spitzenforscherinnen und Spitzenforschern.