Frauen in Führungspositionen

Feste Quote für Unternehmensvorstände einführen

Illustration: Frauen in Führungspositionen
Struktur und Kultur der Arbeitswelt sind noch immer männlich geprägt. Deswegen braucht es jetzt eine feste Quote für Unternehmensvorstände und nicht nur eine Mindestbeteiligung, wie die Bundesregierung es plant. Gerd Altmann / Pixabay
25.02.2021
  • Der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der über 180 großen Börsenunternehmen in Deutschland liegt bei nur 10,7 Prozent. Ohne gesetzliche Regelungen bewegt sich nichts.
  • Die Koalition scheut sich vor der festen Quote für Unternehmensvorstände und legt nur eine Mindestbeteiligung von einer Frau pro Vorstand fest - und das nur für sehr wenige Unternehmen.
  • Aber die Quote wirkt! Das zeigt eine aktuelle Evaluation der geltenden Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte börsennotierter und voll mitbestimmter Unternehmen.

International bewegt sich einiges für Frauen in Führungspositionen. Aus Entscheidungspositionen sind Frauen nicht mehr zurückzudrängen.

Noch immer strukturelle Hürden

Aber es gibt nach wie vor zu wenige von ihnen. Der Frauenanteil in den Vorständen der größten Unternehmen ist gerade einmal zweistellig. Während der Corona-Pandemie ist der Frauenanteil in Deutschland sogar noch weiter gesunken, während er in anderen europäischen Ländern ansteigt. Ein breites gesellschaftliches Bündnis von Vertreterinnen aus der Wirtschaft, Medien, Kultur und Wissenschaft fordert: Räumt endlich die strukturellen Hürden aus dem Weg, die heute Frauen den Weg nach oben noch versperren.

Trippel-Fortschritt der Koalition

Warum also ist die Koalition mit der neuen Fassung des Führungspositionengesetztes (FüPog II), so zaghaft? Um den Frauenanteil auch in Unternehmensvorständen zu erhöhen, soll es keine echte Quote geben, sondern nur eine Mindestbeteiligung von einer Frau pro Vorstand. Und das auch nur für Unternehmen, die einen Vorstand mit mindestens vier Vorständen haben.

Was wir Grüne im Bundestag besonders kritisch sehen: Diese Mindestbeteiligung gilt nur für etwa 70 Unternehmen, nämlich für die börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen. Weil einige der Unternehmen bereits eine Frau im Vorstand haben, bräuchte es für die Erfüllung des Gesetzes aktuell lediglich noch 31 Frauen. Das ist Fortschritt mit angezogener Handbremse.

Mindestens 1/3 Frauen

Was wir aber brauchen ist ein deutlicher Sprung nach vorne in Sachen Gleichberechtigung in Deutschland. Dazu ist eine feste Quote für Unternehmensvorstände börsennotierter und mitbestimmter Unternehmen von mindestens 33 Prozent erforderlich. Denn eine Frau alleine reicht nicht. Für echte Veränderung ist die kritische Masse von mindestens einem Drittel Frauen nötig.

Die Quote für Aufsichtsräte hat sich bewährt. Sie wurde im Jahr 2015 auch auf unser Drängen hin, nach Jahren erfolgloser freiwilliger Selbstverpflichtungen, beschlossen. Die Unternehmen in Deutschland sind darauf eingestellt, dass sie ausgeweitet wird. Aber die Koalition hat die ursprünglich angedachte Ausweitung der Aufsichtsratsquote aus ihrem Gesetzentwurf wieder herausgestrichen. Wir fordern in unserem Antrag „Frauen den Weg frei machen – feste Quote für Unternehmensvorstände beschließen“, dass die Quote von 30 auf 40 Prozent erhöht wird und von den derzeit etwas mehr als hundert Unternehmen nun auf alle börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen ausgeweitet wird. Das sind gut 600 Unternehmen in Deutschland.

Die Frauen sind da und die Frauen wollen mitbestimmen. Vielfalt macht innovativ und resilient. Und wir brauchen zukunftsfeste Unternehmen in Deutschland, die aus dem vollen Pool der Talente schöpfen können. Deswegen bedarf es jetzt weiterer klarer festen Quoten sowie konkreter Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils auch unterhalb der obersten Führungsebenen. Das ist gut für die Gleichberechtigung und gut für die Wirtschaft.