Mensch und Umwelt schützen

Gefahren durch Agrogentechnik ausschließen

Große, monotone Ackerfläche, durch die ein Feldweg führt
Für die Lösung landwirtschaftlicher Probleme in Zeiten von Artensterben und Klimawandel setzen wir Grüne im Bundestag auf agrarökologische Ansätze. Momentmal / pixabay.com (CC0 1.0)
24.11.2020
  • Während wir Gentechnikforschung im geschlossenen System unterstützen, müssen vor jeder Freisetzung lebender und fortpflanzungsfähiger Organismen Gefahren für Mensch und Umwelt unbedingt ausgeschlossen werden.
  • Die geltende Risikoprüfung vor jeder Zulassung gentechnisch veränderter Organismen muss weiterhin auch für neue Genscheren wie CRISPR/Cas gelten. Der Wahlfreiheit der Verbaucher*innen schulden wir eine verbindliche Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit.
  • Für die Lösung landwirtschaftlicher Probleme in Zeiten von Artensterben und Klimawandel setzen wir auf agrarökologische Ansätze.

Entgegen der ideologischen und lobbygetriebenen Ansätze anderer Parteien und ihrer Bundestagsfraktionen sind wir Grünen im Bundestag die politische Kraft, die das Thema Gentechnik politisch rational, differenziert, trotzdem sehr klar und verantwortlich am Gemeinwohl orientiert behandelt.

Forschungsfreiheit und Sicherheit

Wir stehen für die Forschungsfreiheit. Wir unterstützen Gentechnikforschung im geschlossenen System. Wie sie in der Medizin helfen kann, hat sie wiederholt und auch aktuell bei der Suche nach einem COVID-19-Impfstoff gezeigt.

Auch bei der umstrittenen Frage der Anwendung von gentechnischen Verfahren in der Landwirtschaft haben wir Grüne im Bundestag eine ganz klare Position. Was unbedingt ausgeschlossen werden muss, sind Gefahren für Gesundheit und Umwelt bei der Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen in die Umwelt. Einmal freigesetzt sind sie nicht rückholbar.

Es gilt daher, an einem strengen Zulassungsverfahren festzuhalten und das europäisch verankerte Vorsorgeprinzip umzusetzen. Dazu sind nach wie vor Risikoprüfungen auf umfassender wissenschaftlicher Basis und eine Regulierung nötig, die unkontrollierbare Verbreitung ausschließen. Wichtig ist, dass dabei alle relevanten Fragestellungen etwa molekularbiologische, gesundheitliche, ökologische, agrarsoziale, berücksichtigt werden.

Wir werden weiterhin über eine verbindliche Kennzeichnung die gentechnikfreie Produktion und die Wahlfreiheit der Verbraucher*innen schützen. Dazu sollen Risiko- und Nachweisforschung gestärkt werden. Gerade im Agrarbereich muss die Forschung zu alternativen Ansätzen, die auf traditionelle und ökologische Züchtungsverfahren setzen, intensiviert werden.

Den Einsatz von Gentechnik zur Ausrottung ganzer Populationen oder Arten (Gene-Drives) lehnen wir ab, weil er einen nicht kontrollier- und nicht verantwortungsbaren Eingriff in die Natur darstellt. Wir stellen unsere Position ausführlich in unserem Fraktionsbeschluss vom Juni 2020 dar.

Debatte im Bundestag

Unsere Position der Unterscheidung von Forschung und Anwendung, von Gentechnik im geschlossenen System oder Freisetzung machten unsere MdB Harald Ebner und Oliver Krischer bei der Plenarsitzung am 19.11.2020 deutlich.

Rede Harald Ebner

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Rede Oliver Krischer

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Die Positionen von FDP und CDU nehmen sich dagegen lobbygetrieben aus. Organismen, die mit neuen gentechnischen Verfahren wie CRISPR/Cas verändert wurden, ohne große neue Genabschnitte einzubauen und ohne artfremde DNA einzufügen, sollen nach ihrer Meinung gänzlich ohne oder höchstens mit einer Zulassungsprüfung „light“ auf den Markt kommen und damit auf unsere Äcker und Teller.

So warf Volker Wissing (FDP, Staatsminister Rheinland-Pfalz) in der Plenardebatte Grüne, Rote und Weiße Gentechnik und damit ihre Anwendung im offenen oder geschlossenen System munter in einen Topf und forderte mehr staatliche Unterstützung für den „Gentechnikstandort Deutschland“.

In Richtung Grüne sagte er: „Wer beim Klimaschutz eine wissenschaftsbasierte Debatte einfordert, der muss die wissenschaftsbasierte Debatte auch bei der Gentechnik akzeptieren.“

Ins selbe Horn blies auf Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). In Zeiten von Fake News sei es unanständig, wenn die Grünen „Falschinformationen über vermeintliche gesundheitliche und ökologische Risiken bis hin zu angeblichen wirtschaftlichen Nachteilen im globalen Süden“ verbreiten würden.

Das allerdings ist eine haltlose Anschuldigung, die auf Frau Klöckner selber zurückfällt. Es gibt entgegen Frau Klöckners Meinung zahlreiche wissenschaftliche Ausarbeitungen, die die Risiken der Agrogentechnik in der Freisetzung bestätigen. 

Verschiedene Forschungsbereiche einbeziehen

Im Diskurs um die neue Gentechnik und ihre Regulierung müssen die vielfältigen Perspektiven und Forschungsergebnisse Niederschlag finden, neben der Molekularbiologie auch Erkenntnisse aus der Ökologie, Botanik, Agrarökologie, Soziologie, Ethik und anderen Bereichen. Umfassende Technikfolgenabschätzung sowie Risikoforschung können dabei helfen, die Risiken und Folgen dieser Technik besser zu überblicken. Darum sollten diese Forschungszweige auch in Zukunft stärker gefördert werden.  

So kann eine umfassendere und redliche Debatte mit den Stimmen aus verschiedensten Forschungsbereichen entstehen.