"Neue" Gentechnik

Vorsorge und freie Wahl – egal?

Die Mikroskopieaufnahme des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin zeigt eine Mikroinjektion von Zebrafischembryonen. Hier wird mit dem CRISPR/Cas9-Verfahren gearbeitet
Die EU-Kommission will den Zugang neuer Gentechnik-Pflanzen auf Märkte und Äcker erleichtern. Das gefährdet die Wahlfreiheit der Verbraucher*innen und Landwirte. Der Schutz von Mensch und Umwelt vor möglichen Risiken droht auf der Strecke zu bleiben. dpa
28.06.2021
  • Die EU-Kommission will den Zugang neuer Gentechnik-Pflanzen auf Märkte und Äcker erleichtern und Risikoprüfung und Zulassungsverfahren schwächen
  • Das gefährdet die gentechnikfreie Produktion und die Wahlfreiheit der Verbraucher und Landwirte.
  • Wir Grüne im Bundestag sagen: Schutz von Mensch und Umwelt vor möglichen Risiken müssen nach dem Vorsorgeprinzip ebenso geprüft und gewährleistet sein wie eine klare Kennzeichnung.

Mit ihrem Bericht zum rechtlichen Status neuer Gentechniken vom 29. April 2021 bricht die EU-Kommission vor der Biotech-Lobby ein: Pflanzen, deren Erbanlagen mit neuen gentechnischen Verfahren wie CRISPR/Cas verändert wurden, sollen einfacher auf europäische Märkte und Äcker gelangen. Die bestehenden Rechtsvorschriften sollen für einige der neuen Gentechnikverfahren angepasst werden. Konkrete Politikvorschläge will die Kommission erst in den kommenden Monaten liefern. Eine offene Konsultations- und Diskussionsphase mit Mitgliedsstaaten und Stakeholdern wurde eingeleitet.

Drohende Deregulierung der neuen Gentechnik

Dazu kommentiert Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der grünen Bundestagsfraktion: „Anstatt Zulassungsverfahren bei den neuen Gentechnikmethoden zu schwächen, müssen die Risikoprüfungen gestärkt und den neuen Techniken angepasst werden, verbunden mit einer Kennzeichnungspflicht und mehr Anstrengungen bei der Entwicklung von Nachweisverfahren. Nur so wird die Wahlfreiheit der Menschen dauerhaft gesichert, die wissen wollen, wo Gentechnik drin ist. Für die zweifelhafte Hoffnung auf Gentechnik-Wunder darf Europa den Schutz der Umwelt und der wachsenden gentechnikfreien Erzeugung sowie die Wahlfreiheit seiner Bürgerinnen und Bürger nicht opfern.“

Wir Grüne im Bundestag setzen uns für eine strenge Regulierung neuer Gentechnik in der Landwirtschaft ein. Freisetzungen sind irreversibel – deshalb sind umfassende Risikoprüfungen auf breiter wissenschaftlicher Basis ein Muss. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt Gentechnik auf Acker und Teller ab – eine Kennzeichnung ist deshalb unverzichtbar. Unser Leitbild ist der ökologische Landbau – er muss, ebenso wie die gesamte gentechnikfreie Produktion in Europa, vor Verunreinigung geschützt werden.