Corona und Gesundheit

Gemeinsam solidarisch und gezielt handeln

Regelmäßige und gründliche Handhygiene ist auch in diesem Fall eine der wirksamsten Methoden zur Bekämpfung von Krankheitserregern. picture alliance/dpa-Zentralbild
28.05.2020
  • Deutschland und die Welt befinden sich inmitten der weltweiten SARS-CoV2-Pandemie. In manchen Ländern richtet das Virus schlimme Verheerungen an.
  • Wir wollen die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen der Pandemie und ihrer Bekämpfung begrenzen.
  • Das Gesundheitssystem muss schnell auf Ausbrüche reagieren können. Wir wollen die Selbstbestimmungsrechte und den Schutz von Risikogruppen verbessern.

Deutschland hat die Pandemie bislang verhältnismäßig gut durchgestanden. Das liegt auch an den Stärken unseres Gesundheitswesens, etwa einer guten Diagnostik. Gleichwohl ist die Krise noch lange nicht überstanden. Erst wenn ein Impfstoff oder wirksame Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen, können wir wieder in die gewohnte Normalität zurückkehren.

Das Ganze im Blick behalten

Wir wissen inzwischen mehr über das Virus und seine Ausbreitungswege. Damit können wir es  besser kontrollieren. Zudem hat sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt. Doch das heißt nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Es müssen weiterhin differenzierte und zielgerichtete Präventionsmaßnahmen erfolgen, um die Gesundheit insbesondere von Risikogruppen zu schützen und eine Überlastung unseres Gesundheitswesens zu verhindern.

Wirtschaft, Gesundheit und andere Bereiche dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es gilt, das Ganze im Blick zu behalten und die sozialen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und ihrer Bekämpfung so gering wie möglich zu halten.

Gesundheitsämter stärken

Aufgabe einer verantwortungsvollen Gesundheitspolitik ist es, die bei der Infektionsbekämpfung wichtigen Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Robert-Koch-Institut zu stärken. Die Hauptverantwortung bei der Bekämpfung der Epidemie lastet aber auf dem sogenannten Öffentlichen Gesundheitsdienst, also den kommunalen Gesundheitsämtern. Sie müssen dafür sorgen, dass die Maßnahmen des Infektionsschutzes eingehalten, regionale Ausbrüche etwa in Alten- oder Pflegeheimen schnell erkannt und Infizierte sowie ihre Kontakte zügig ermittelt werden.

Deshalb müssen Bund und Länder betroffene Kommunen und Gesundheitsämter zügig bei der Bewältigung von Ausbrüchen unterstützen. Auch eine App kann den kommunalen Gesundheitsämtern dabei helfen, Kontakte bei einem Ausbruch schnell zu ermitteln und die Ausbreitung von Infektionen zu reduzieren.

Panikmache und Verschwörungsmythen bekämpfen

Um Panikmache und Verschwörungsmythen den Boden zu entziehen, sind sachliche, verständliche und faktenbasierte Informationen über die Erkrankung Covid-19, das Virus SARS-CoV2 sowie die Maßnahmen zu seiner Bekämpfung erforderlich. Hier sehen wir vor allem die Bundesregierung in der Pflicht.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat dabei teilweise ungeschickt kommuniziert, etwa beim sogenannten Immunitätsausweis. Auch Extremisten von rechts versuchen, mit der Pandemie Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Doch mit Panikmache, Hass und Hetze wird keine Infektion verhindert, kein Mensch wird geheilt.

Wir halten es für erforderlich, dass:

  • die Bundesregierung und die Länder die Information der Bevölkerung intensivieren und besonders darauf achten, dass die Maßnahmen gut erklärt werden. Besonders vulnerable Gruppen müssen gezielt informiert werden. Soweit notwendig, sollten auch fremdsprachige Informationen erstellt werden. Zudem sind Informationen in Gebärdensprache und in leichter Sprache erforderlich.
  • die Zahl der Testungen zielgerichtet ausgebaut wird, vor allem bei Lehrkräften und ErzieherInnen sowie bei Menschen, die in Gesundheitsberufen, in Alten- und Pflegeheimen oder anderen Einrichtungen für besonders vulnerable Gruppen tätig sind.
  • die Selbstbestimmung und der Schutz von Risikogruppen verbessert werden und der Zugang, insbesondere von vulnerablen Gruppen, zur Gesundheitsversorgung gesichert wird.
  • Länder solidarisch unterstützt werden, in denen es kein so ausgebautes Infektionsschutz- und Gesundheitssystem gibt wie in Deutschland. Der weltweite Infektionsschutz kann nur so gut sein, wie das schwächste Glied in der Kette.
  • gegen alle Versuche gekämpft wird, die Ausbreitung des Coronavirus dazu zu benutzen, Menschen in unserer Gesellschaft gegeneinander aufzuhetzen.

Was langfristig getan werden muss

In einer globalisierten Welt verbreiten sich Infektionserkrankungen sehr schnell. Nie waren internationale Kooperation und starke öffentliche und internationale Institutionen so wichtig. Schon jetzt können wir einige Lehren aus der Situation ziehen. Deshalb sind neben kurzfristigen Maßnahmen auch langfristige Schritte für einen wirksamen Infektionsschutz und eine gute Versorgung nötig:

  • Gerade in einer akuten Krisensituation kommt es auf funktionierende Gesundheitsämter an. Schon jetzt zeigt sich, dass Gesundheitsämter mit großen personellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der öffentliche Gesundheitsdienst vor Ort muss daher endlich finanziell und personell besser aufgestellt werden. Dazu gehört auch, dass die Expertise des Robert-Koch-Institutes im Bereich öffentliche Gesundheit und Infektionsschutz gestärkt wird.
  • Durch Krisensituationen in anderen Teilen der Welt können Engpässe bei Arzneimitteln oder auch medizinischen Schutzausrüstungen entstehen. Daher fordern wir, die Herstellung von Wirkstoffen für lebensnotwendige Arzneimittel wie etwa Impfstoffe oder Antibiotika wieder verstärkt in der Europäischen Union anzusiedeln. Bei der anstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft müssen wirksame Schritte in diese Richtung unternommen werden.
  • Der Pflegefachkräftemangel wird gerade in Krisensituationen besonders deutlich. Dass er aber schon über Jahre schwelt, ist nicht neu. Wir brauchen endlich einen Richtungswechsel in der Pflegepolitik der Bundesregierung, damit die medizinische und pflegerische Versorgung immer und überall sichergestellt werden kann.
  • Die Förderung und Unterstützung von Impfstoff-Entwicklungen sowie modernen Therapieansätzen ist zukünftig ebenfalls verstärkt vorzunehmen. Nicht nur national, sondern auch international sind Programme und Anreize notwendig, um schnelle und wirksame therapeutische Antworten auf Infektionskrankheiten zu schaffen.
  • Bessere internationale Zusammenarbeit ist das Gebot der Stunde. Die WHO als weltweit anerkannte Institution internationaler Gesundheitspolitik muss gestärkt werden. Nur durch ein abgestimmtes und solidarisches Zusammenwirken aller Länder kann der Gefahr von Pandemien begegnet werden.