Corona und Gesundheit

Gemeinsam solidarisch und gezielt handeln

Regelmäßige und gründliche Handhygiene ist auch in diesem Fall eine der wirksamsten Methoden zur Bekämpfung von Krankheitserregern. picture alliance/dpa-Zentralbild
03.09.2020
  • Deutschland und die Welt befinden sich weiterhin inmitten der weltweiten SARS-CoV2-Pandemie. In manchen Ländern richtet das Virus schlimme Verheerungen an.
  • Wir wollen die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen der Pandemie und ihrer Bekämpfung begrenzen.
  • Das Gesundheitssystem muss schnell auf Ausbrüche reagieren können. Wir wollen die Selbstbestimmungsrechte und den Schutz von Risikogruppen verbessern.

Deutschland hat die Pandemie bislang verhältnismäßig gut durchgestanden. Das liegt auch an den Stärken unseres Gesundheitswesens, etwa einer guten Diagnostik. Gleichwohl ist die Krise noch lange nicht überstanden. Erst wenn ein Impfstoff oder wirksame Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen, können wir wieder in die gewohnte Normalität zurückkehren. Bis es soweit ist, müssen wir lernen mit dem Virus zu leben und durch das Anwenden von Abstands- und Hygieneregeln uns und unsere Mitmenschen vor einer Ansteckung schützen.

Das Ganze im Blick behalten

Wir wissen inzwischen mehr über das Virus und seine Ausbreitungswege. Damit können wir es  besser kontrollieren. Zudem hat sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt. Doch das heißt nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Über die Sommermonate ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen wieder angewachsen. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Anzahl der Fälle vor allem im Herbst weiter steigen wird.

Dies zeigt, dass wir uns weiterhin an die allgemeinen Regeln halten sollten: Abstand einhalten, Hygiene und Alltagsmaske tragen. Insbesondere, wenn die Temperaturen wieder fallen und wir uns vermehrt in geschlossenen Räumen aufhalten, müssen differenzierte und zielgerichtete Präventionsmaßnahmen dafür sorgen, dass die Gesundheit insbesondere von Risikogruppen geschützt und eine Überlastung unseres Gesundheitswesens verhindert wird.

Wirtschaft, Gesundheit und andere Bereiche dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es gilt, das Ganze im Blick zu behalten und die sozialen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und ihrer Bekämpfung so gering wie möglich zu halten.

Gesundheitsämter stärken

Aufgabe einer verantwortungsvollen Gesundheitspolitik ist es, die bei der Infektionsbekämpfung wichtigen Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Robert-Koch-Institut zu stärken. Die Hauptverantwortung bei der Bekämpfung der Epidemie lastet aber auf dem sogenannten Öffentlichen Gesundheitsdienst, also den kommunalen Gesundheitsämtern. Sie müssen dafür sorgen, dass die Maßnahmen des Infektionsschutzes eingehalten, regionale Ausbrüche etwa in Alten- oder Pflegeheimen schnell erkannt und Infizierte sowie ihre Kontakte zügig ermittelt werden.

Deshalb müssen Bund und Länder betroffene Kommunen und Gesundheitsämter wirksam bei der Bewältigung von Ausbrüchen unterstützen. Neben der Corona-Warn-App sind weitere vor allem digitale Lösungen erforderlich, um insbesondere die Nachverfolgung von Kontaktpersonen so effizient wie möglich zu gestalten. Der Fokus muss hierbei auf der sehr zeitnahen Benachrichtigung positiv Getesteter liegen, um die Infektionswege schnell zu unterbrechen.

Damit dies ohne Überlastung unserer Gesundheitsämter gewährleistet werden kann, braucht es eine zielgerichtete Teststrategie, die den Fokus nach Ende der Reisezeit wieder auf das Testen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, in Schulen und dann von Kontaktpersonen legt. Diese Teststrategie sollte auf den herkömmlichen Testmethoden sowie auch ergänzend neueren Schnelltests beruhen. Ein willkürliches anlassloses Testen ist auch mit Blick auf die begrenzten Testkapazitäten überwiegend nicht sinnvoll.

Panikmache und Verschwörungsmythen bekämpfen

Um Panikmache und Verschwörungsmythen den Boden zu entziehen, sind sachliche, verständliche und faktenbasierte Informationen über die Erkrankung Covid-19, das Virus SARS-CoV2 sowie die Maßnahmen zu seiner Bekämpfung notwendig. Hier sehen wir auch die Bundesregierung in der Pflicht.

Wir halten es für erforderlich, dass:

  • die Bundesregierung und die Länder die Information der Bevölkerung intensivieren und besonders darauf achten, dass die Maßnahmen gut erklärt werden. Besonders vulnerable Gruppen müssen gezielt informiert werden. Für den weiteren Verlauf der Pandemie ist es unerlässlich, dass ein Pandemierat einberufen wird, in dem Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen vergangene und zukünftige Maßnahmen evaluieren und bewerten.
  • die Zahl der Testungen zielgerichtet ausgebaut wird, vor allem bei Lehrkräften und ErzieherInnen sowie bei Menschen, die in Gesundheitsberufen, in Alten- und Pflegeheimen oder anderen Einrichtungen für besonders vulnerable Gruppen tätig sind. Auch ergänzende Schnelltests sind notwendig.
  • die Selbstbestimmung und der Schutz von Risikogruppen verbessert werden und der Zugang, insbesondere von vulnerablen Gruppen, zur Gesundheitsversorgung gesichert wird.
  • Länder solidarisch unterstützt werden, in denen es kein so ausgebautes Infektionsschutz- und Gesundheitssystem gibt wie in Deutschland. Der weltweite Infektionsschutz kann nur so gut sein, wie das schwächste Glied in der Kette.
  • gegen alle Versuche gekämpft wird, die Ausbreitung des Coronavirus dazu zu benutzen, Menschen in unserer Gesellschaft gegeneinander aufzuhetzen.

Was langfristig getan werden muss

In einer globalisierten Welt verbreiten sich Infektionserkrankungen sehr schnell. Nie waren internationale Kooperation und starke öffentliche und internationale Institutionen so wichtig. Schon jetzt können wir einige Lehren aus der Situation ziehen. Deshalb sind neben kurzfristigen Maßnahmen auch langfristige Schritte für einen wirksamen Infektionsschutz und eine gute Versorgung nötig:

  • Gerade in einer akuten Krisensituation kommt es auf funktionierende Gesundheitsämter an. Schon jetzt zeigt sich, dass Gesundheitsämter mit großen personellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der öffentliche Gesundheitsdienst vor Ort muss daher endlich finanziell und personell besser aufgestellt werden. Dazu gehört auch, dass die Expertise des Robert-Koch-Institutes im Bereich öffentliche Gesundheit und Infektionsschutz gestärkt wird.
  • Durch Krisensituationen in anderen Teilen der Welt können Engpässe bei Arzneimitteln oder auch medizinischen Schutzausrüstungen entstehen. Daher fordern wir, die Herstellung von Wirkstoffen für lebensnotwendige und pandemierelevante Arzneimittel wie etwa Impfstoffe oder Antibiotika wieder verstärkt in der Europäischen Union anzusiedeln. Mit der diesjährigen EU-Ratspräsidentschaft hat Deutschland eine besondere Verantwortung und Pflicht, dieses Thema auf die Agenda zu setzen. 
  • Der Pflegefachkräftemangel wird gerade in Krisensituationen besonders deutlich. Dass er aber schon über Jahre schwelt, ist nicht neu. Wir brauchen endlich einen Richtungswechsel in der Pflegepolitik der Bundesregierung, damit die medizinische und pflegerische Versorgung immer und überall sichergestellt werden kann.
  • Die Förderung und Unterstützung von Impfstoff-Entwicklungen sowie modernen Therapieansätzen ist zukünftig ebenfalls verstärkt vorzunehmen. Nicht nur national, sondern auch international sind Programme und Anreize notwendig, um schnelle und wirksame therapeutische Antworten auf Infektionskrankheiten zu schaffen.
  • Bessere internationale Zusammenarbeit ist das Gebot der Stunde. Die WHO als weltweit anerkannte Institution internationaler Gesundheitspolitik muss gestärkt werden. Nur durch ein abgestimmtes und solidarisches Zusammenwirken aller Länder kann der Gefahr von Pandemien begegnet werden.