Grüner Tag der Gesundheitsberufe Zusammen denken, was zusammen gehört

Podiumsdiskussion
Ute Repschläger reagiert auf Publikumsbeiträge im Panel 4

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am 24. September 2011 am Grünen Tag der Gesundheitsberufe in Berlin teil. Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Berufsgruppen trafen hier zusammen, um über die Herausforderungen und Probleme, aber auch Chancen und Möglichkeiten der Gesundheitsberufe zu diskutieren.

Fritz Kuhn, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass sich das Gesundheitswesen in einem tiefgreifenden Wandel befinde. Eine alternde Bevölkerung, die Zunahme chronischer Erkrankungen und damit komplexere Versorgungsanforderungen erforderten neue Antworten und ein grundlegendes Umdenken. Ziel müsse, so Kuhn, die stärkere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe sein – und damit verbunden auch die stärkere Anerkennung und Aufwertung dessen, was all diese Berufsgruppen leisten. Unterversorgung müsse ebenso abgebaut werden, wie auf der anderen Seite Überversorgung. Die Solidarität müsse mit der grünen Bürgerversicherung gestärkt werden.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hingegen, so Kuhn, versage in der Gesundheitspolitik völlig. Von 4,7 Millionen Beschäftigten seien gerade etwa 320.000 Ärztinnen und Ärzte, doch Schwarz-Gelb bringe mit dem Versorgungsstrukturgesetz ein reines Ärztebeglückungsprogramm auf den Weg und gehe die genannten Herausforderungen nicht im Ansatz an. Im Gegenteil: Mit den Zusatzbeiträgen in der Krankenversicherung hätten Union und FDP einen deutlichen Schritt in Richtung Kopfpauschale und damit zur Entsolidarisierung des Gesundheitswesens getan. Natürlich lasse sich eine gute Gesundheitspolitik nicht gegen die Ärzteschaft machen, betonte Kuhn und wies auf den Grünen Ärztetag der Fraktion im Mai 2011 hin. Sie lasse sich aber auch nicht allein mit den Ärztinnen und Ärzten machen. Dies sei einer der Gründe, warum der grünen Bundestagsfraktion immer klar gewesen sei, dass sie ebenfalls einen Tag der Gesundheitsberufe veranstalten wolle und müsse. Denn man müsse das Ganze in den Blick nehmen.

Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik, unterstrich das Ziel eines kooperativen Gesundheitswesens in ihrer Einführungsrede. Die beeindruckende Vielzahl allein der anwesenden Berufsgruppen zeige, welch eine kompetente Berufs-Landschaft es in Deutschland gebe. Dies mache das Ziel einer kooperativen Gesundheitsversorgung natürlich auch komplex und voraussetzungsreich. "Doch was in anderen Regionen Europas, wie etwa in Skandinavien, seit langem gelebte Versorgungsrealität ist, kann für Deutschland kein Hirngespinst sein", so Scharfenberg. Dafür jedoch müssten sich alle Akteure von alten, eingefahrenen Denkmustern lösen. Dies sei kein Selbstzweck, sondern eine schlichte Notwendigkeit. Kooperation, Vernetzung und Interdisziplinarität ergäben Qualität. Und darum müsse es schließlich am Ende gehen: Um die bestmögliche Versorgung für die Patientinnen und Patienten.

Was Politik, aber auch was die Gesundheitsberufe selbst tun müssen, um diese Ziele zu erreichen, wurde in der Folge auf dieser sehr abwechslungsreichen und spannenden Tagung konstruktiv und kontrovers diskutiert.

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