Psychotherapieausbildung

Halbherzige Reform

Jugendliche bei einer psychotherapeutischen Sitzung
Die Koalition hat die neue Psychotherapieausbildung beschlossen. Doch die Reform bleibt auf halber Strecke stehen. picture alliance / ZB
27.09.2019
  • Die Reform der Psychotherapieausbildung war lange überfällig.
  • Das Gesetz der Großen Koalition ist halbherzig und löst nur einen Teil der Probleme. Jens Spahn wollte den Zugang zur Psychotherapie erschweren, musste diesen Plan aber fallen lassen.
  • Wir wollten Änderungen, um insbesondere die Situation von Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung zu verbessern und Seiteneinsteigern den Zugang zum Studium zu erleichtern

Seit vielen Jahren besteht Reformbedarf bei der Ausbildung von Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Im Gegensatz zu etlichen anderen Gesundheitsberufen müssen sie beispielsweise ihre Ausbildung selbst finanzieren oder erhalten während der praktischen Tätigkeit in ihrer Ausbildung keine oder nur eine schlechte Bezahlung.

Unzureichende Finanzierung und fehlende Approbationsordnung

Doch das Gesetz der Koalition bleibt auf halber Strecke stehen. So ist die Finanzierung der Weiterbildung unzureichend. Es müssen immer noch enorme finanzielle Belastungen durch die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung und Weiterbildung (PiA und PiW) getragen werden, da ein erheblicher Anteil an den Weiterbildungskosten immer noch von diesen selbst gestemmt werden muss. Außerdem liegt die die Approbationsordnung noch nicht vor, so dass die tatsächlichen Auswirkungen auf die Ausbildung noch nicht klar sichtbar sind. Die grüne Bundestagsfraktion hat einen Antrag in den Bundestag eingebracht, in dem sie umfangreiche Vorschläge macht, die jedoch von der Großen Koalition nur zu einem geringen Teil aufgegriffen wurden.

Erschwerter Quereinstieg

Wünschenswert wäre unter anderem gewesen, dass auch Fachhochschulen in die Ausbildung einbezogen werden. Auf diese Weise hätte auch pädagogischen oder heilpädagogischen Fachkräften der Quereinstieg in die Psychotherapieausbildung ermöglicht werden können. Schon heute kommt ein Großteil der derzeit in der Versorgung von Kindern- und Jugendlichen tätigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über ein Studium der Pädagogik oder der Sozialen Arbeit.

Am Bedarf vorbei

Auch fehlt eine berufsrechtliche Angleichung der jetzigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten. Die Altersbeschränkung der derzeitigen Approbation erlaubt nur in Ausnahmefällen die gemeinsame psychotherapeutische Behandlung von Kindern und erwachsenen Angehörigen. Auch die Weiterbehandlung von erwachsen gewordenen Patientinnen und Patienten mit einer geistigen Behinderung bleibt ausgeschlossen. Dies geht an den realen Versorgungsbedarfen vorbei.

Spahn wollte weitere Einschränkungen – und scheitert

Nach dem neuen Gesetz absolvieren die Psychotherapeutinnen und –therapeuten künftig ein Universitätsstudium mit bundeseinheitlichen Studieninhalten, das mit einem Master abgeschlossen wird. Danach kann die Zulassung (Approbation) erworben werden. Durch eine Weiterbildung, wie sie etwa bei Ärztinnen und Ärzten üblich ist, können sich die Psychotherapeutinnen und –therapeuten dann auf ein bestimmtes Psychotherapieverfahren sowie die Behandlung von Kindern beziehungsweise Jugendlichen oder Erwachsenen spezialisieren.

Seinen ursprünglichen Plan, den Zugang zur Psychotherapie durch Hürden in der Versorgung erheblich einzuschränken, musste Bundesgesundheitsminister Spahn auch wegen der starken Proteste von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten jedoch begraben.