Hebammen unterstützen

Schwangeren und Gebärenden zur Seite stehen

Hebamme horcht mit Hörrohr am Bauch einer schwangeren Frau
Durch die Coronavirus-Pandemie verschärfen sich die Probleme in der Geburtshilfe und die Arbeitsbedingungen von Hebammen. Nur wenn Hebammen ihrer Tätigkeit sicher, gut und gerne nachkommen können, hat jedes Kind die Chance auf einen guten Start. dpa
05.05.2020
  • Durch die Coronavirus-Pandemie verschärfen sich die Probleme in der Geburtshilfe und die schwierigen Arbeitsbedingungen für Hebammen.
  • Nur wenn Hebammen ihrer Tätigkeit sicher, gut und gerne nachkommen können, hat jedes Kind die Chance auf einen guten Start.
  • Ihrer zentralen Rolle entsprechend müssen Hebammen jetzt und langfristig die Geburtshilfe mitgestalten können.

Schwanger-Sein, Gebären, Elternwerden – das kann keine wegen der Coronavirus-Pandemie aufschieben. Babys werden weiterhin geboren. Und Hebammen stehen Schwangeren, Gebärenden, Müttern und Familien in dieser Zeit weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Ihre Unterstützung ist nötiger denn je, denn viele sind durch die Pandemie verunsichert und haben Fragen.

Zu jeder Zeit, aber gerade auch jetzt, machen Hebammen gute und notwendige Arbeit. Aber die Coronavirus-Pandemie verschärft die oft schwierigen Bedingungen, unter denen Schwangere gebären und Hebammen sie unterstützen. Überfüllte Kreißsäle, überlastete Hebammen, die unzureichend vergütet werden, unbesetzte Hebammenstellen, Schwangere in Wehen, die wegen fehlender räumlicher oder personeller Kapazitäten von Kliniken abgewiesen werden oder keine Hebamme für die Wochenbettbetreuung finden – davon hören wir, das erleben wir zu oft.

Hebammen können aufgrund der Corona-Krise nicht arbeiten

Jetzt in Zeiten des Coronavirus spitzt sich die Lage zu: Coronavirus-bedingt können manche Hebammen nicht arbeiten. Das heißt, jede Hebamme muss noch mehr Gebärende betreuen. Entgegen der Empfehlung von ÄrztInnen- und Hebammenverbänden erlauben manche Geburtsstationen Gebärenden nicht, eine Begleitperson mitzubringen. Einer Gebärendenden die Unterstützung einer vertrauten Person zu untersagen, führt zu Verunsicherung und eventuell dazu, dass Gebärende zeitweise ganz allein sind. Freiberufliche Hebammen wurden bei der Verteilung von Schutzmasken und -kleidung vom Bundesgesundheitsminister vergessen, auch weil sie nicht in allen Bundesländern als systemrelevante Berufsgruppe eingestuft wurden. Ihre Vorsorge- und Wochenbettbegleitung kann aber nicht komplett durch digitale Angebote ersetzt werden. Sollen sie sich mit Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen und deren Familien also ungeschützt treffen – oder gar nicht? Eine unmögliche Wahl für alle Beteiligten.

Bedürfnisse von Eltern und Kindern muss im Mittelpunkt der Geburtshilfe stehen

Die Geburtshilfe ist für uns Grüne im Bundestag schon seit langem, aber auch gerade in dieser Zeit ein Herzensthema. Wir fordern einen Kulturwandel in der Geburtshilfe: Nicht finanzielle Zwänge sollen den Ausschlag geben, sondern die Bedürfnisse und Wünsche von Schwangeren beziehungsweise Gebärenden. Eltern und ihre Kinder sollen im Mittelpunkt stehen. Denn darauf kommt es an, wenn wir uns für jedes Kind und jede Familie einen guten Anfang wünschen. Der Beschluss zur Akademisierung der Hebammenausbildung war ein Anfang. Doch chronische Missstände und akute Probleme: sind noch da. Wir bleiben am Ball und setzen uns für Arbeitsbedingungen ein, in denen Hebammen ihre enorm wichtige Arbeit sicher, gut und gerne machen können.

So fordern wir unter anderem ein Personalbemessungsinstrument für die Hebammenversorgung in Kreißsälen, das von einer 1:1 Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme in wesentlichen Phasen der Geburt ausgeht. Kliniken sollten verpflichtet sein, über ihrem Betreuungsschlüssel zu informieren – denn das gibt ihnen einen Anreiz, mehr Hebammen durch gute Arbeitsbedingungen anzuwerben und zu halten. ÄrztInnen sollten verpflichtet sein, Schwangere über ihren Anspruch auf Hebammenhilfe zu unterrichten. Hebammen sollten einen Sicherungstellungszuschlag dafür bezahlt bekommen, wenn sie sich zur Arbeit in unterversorgten Regionen entscheiden.

Geburtshilfe geht uns alle an, wir sind alle mal geboren worden. Wir wollen, dass Mütter, Kinder, Familien überall sicher sein können, die Unterstützung zu bekommen, die sie brauchen.