Ein Traktor samt Sprühvorrichtung auf einem geenrteten Feld.

Glyphosat

Für eine Landwirtschaft ohne Glyphosat und andere Ackergifte

  • Der Pflanzenkiller Glyphosat ist zum Synonym einer chemiebasierten industriellen Landwirtschaft geworden, die Gesundheits- und Umweltschutz vernachlässigt.
  • Wir Grüne im Bundestag stehen für den schnellstmöglichen Glyphosat-Ausstieg und für eine lebensfreundliche Landwirtschaft, die den Chemieeinsatz minimiert. Unsere Ziele sind unbelastete Lebensmittel, der Erhalt der biologischen Vielfalt, gesunde Böden, sauberes Wasser und für die Zukunft aufgestellte landwirtschaftliche Betriebe.
  • Seit Jahren kämpfen wir im Bundestag gegen Glyphosat, für eine konsequente Pestizidreduktionspolitik und für mehr Unabhängigkeit und Transparenz bei den Zulassungsverfahren.

Auch wenn häufig das Gegenteil behauptet wird: Eine Landwirtschaft ohne Glyphosat und andere Ackergifte ist möglich – zum Vorteil von Mensch, Tier und Natur.

Biologische Vielfalt: Artensterben stoppen

Das Artensterben in der Agrarlandschaft hat dramatische Ausmaße angenommen. Durch den hemmungslosen Einsatz von Glyphosat sind ganze Ökosysteme ins Wanken geraten. Wo kaum mehr eine Blüte zu finden ist, fehlen beispielsweise auch die Insekten – und mit diesen verschwinden die Feldvögel. Kurz: Aus vielfältigen Lebensräumen ist oft eintönige Agrarsteppe geworden. Wir setzen damit unsere Lebensgrundlagen aufs Spiel. Diesen erschreckenden Trend wollen wir umkehren – durch den Verzicht auf Glyphosat und andere bienenschädliche Mittel und durch konsequente Reduktion des Pestizideinsatzes insgesamt. Wir wollen den Wandel zusammen mit den betroffenen Landwirtinnen und Landwirten gestalten und durch Forschung und Übergangsmaßnahmen unterstützen.

Wir fordern:

  • Sofortige Anwendungsbeschränkungen für Glyphosat und den schnellstmöglichen Ausstieg.
  • Keine Anwendung schädlicher Pestizide in Naturschutzgebieten und an Gewässern.
  • Pestizidfreie Räume in der Agrarlandschaft, um Rückzugsmöglichkeiten für Pflanzen und Tiere zu erhalten.

Weitere Informationen auch unter Biologische Vielfalt.

Pestizid-Alternativen: Öko-Landwirtschaft als Vorbild

Eine Landwirtschaft ohne Glyphosat ist möglich, das sagen selbst überzeugte Glyphosat-Befürworter*innen. Mechanische Bodenbearbeitung, vielfältige Fruchtfolgen und angepasste Wahl von Kulturen und Sorten können den Chemieeinsatz ganz verzichtbar machen. Das beweisen Öko-Landwirte Jahr für Jahr – auch dank hoher Fortbildungs- und Innovationsbereitschaft. Glyphosat gilt aufgrund seines geringen Preises als Innovationsbremse. Doch der Mehraufwand für Alternativen ist überschaubarer als oft behauptet. Wir wollen Forschung und Wissenstransfer in den Fokus nehmen – und die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe nicht länger den Pestizidherstellern überlassen.

Wir fordern:

  • Die Abhängigkeit von Glyphosat und dem chemischem Pflanzenschutz zu beenden.
  • Eine konsequente Pestizidreduktionsstrategie, mit klaren Ziel- und Zeitvorgaben und angemessener finanzieller Ausstattung.
  • Bessere Beratung und mehr Anreize für veränderungsbereite Landwirtschaftsbetriebe.
  • Eine deutliche Verringerung pestizidintensiv erzeugter Futtermittelimporte.

Weitere Informationen auch unter Agrar.

Gesundheit: Risiken für Verbraucher*innen minimieren

Die Krebsforschungsagentur der WHO stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, deutsche und europäische Behörden halten bisher ein „harmlos“ dagegen. Eigentlich ein klarer Fall für die Anwendung des Vorsorgeprinzips: Im Zweifel für den Schutz. Doch der CSU-Landwirtschaftsminister und die Europäische Kommission haben das Prinzip bei der letzten EU-Wiedergenehmigung 2017 umgekehrt: Im Zweifel für die Industrie. Ende 2022 ist die nächste Entscheidung fällig, das Bewertungsverfahren läuft. Diesmal ist endlich konsequentes Handeln im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherinnen- und Anwenderschutzes geboten.

In den USA geht es nicht mehr um Vorbeugung, sondern um Schadensersatz für Krebsopfer: Der Versuch des Glyphosat-Herstellers Bayer, zukünftige Klagen mittels eines „Expert*innen-Gremiums“ zu begrenzen und die Milliardenkosten so zu deckeln, wurde vom zuständigen Richter als nachteilig für die Betroffenen bewertet und abgelehnt. Bayer befasst sich nun erstmals konkret mit der Option, glyphosathaltige Produkte mit einer Krebswarnung zu versehen.

Wir fordern:

  • Die krebserregende Wirkung von Glyphosat mit einer unabhängigen Studie zu überprüfen.
  • Die Bedenken zahlreicher Wissenschaftler:innen gegenüber der EU-Risikobewertung  von Glyphosat ernst zu nehmen.
  • Anwender*innen und unbeteiligte Dritte zu schützen und Pestizidopfer angemessen zu entschädigen.
  • Exporte von Giften zu stoppen, die in der EU längst aus Gesundheits- und Umweltgründen verboten sind.
  • Die Pestizidbelastung von Lebensmitteln konsequent zu reduzieren.

Zulassung: Unabhängigkeit und Transparenz stärken

Die Gefährlichkeit von Pestiziden wird nach Aktenlage bewertet, denn die entscheidenden Zulassungsstudien werden weiterhin von den Herstellerfirmen in eigenen oder beauftragten Laboren durchgeführt. Die Behörden erhalten nur schriftliche Berichte und haben kaum Möglichkeiten, deren Vollständigkeit und Wahrheitsgehalt zu überprüfen, auch wenn die Transparenzregeln im Zuge der Glyphosat-Debatte verbessert wurden.

Wir fordern:

  • Entkoppelung von Finanzierung und Durchführung der Zulassungsstudien.
  • Verlagerung der Zuständigkeit für die nationale Pestizidbewertung in den Bereich Umwelt/Gesundheit.
  • Weiterentwicklung der EU-Zulassungsverfahren für einen besseren Schutz von Mensch, Tier und Natur.