Glyphosat-Zulassung

Gekaufte Glyphosat-Gutachten - System mit Methode

Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup vom Chemiekonzern Monsanto mit dem Wirkstoff Glyphosat.
Die heutige Bayer-Tochter Monsanto finanzierte 2011 und 2015 verdeckt Studien eines deutschen Agrarwissenschaftlers. Der brachte sie dann als angeblich unabhängige Forschung auch in behördlichen Veröffentlichungen unter und beeinflusste damit die Debatte um die Glyphosat-Neuzulassung. dpa
06.12.2019
  • Glyphosat-Hersteller Monsanto, heute BAYER, hat auch in Deutschland bestellte Gutachten als unabhängige Forschung in Umlauf gebracht.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern eine grundlegende Reform der Pestizidzulassung.
  • Die Forschung zu Pestiziden und ihren Auswirkungen muss komplett von den Firmen entkoppelt und unabhängig vergeben werden.

Industrie finanziert Glyphosat-Studien mit

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid und das wohl umstrittenste. Dokumente zeigen erstmals, dass Monsanto auch in Deutschland verdeckt Studien finanziert hat, die den Nutzen von Glyphosat betonen. (tagesschau.de)

Glyphosat-Hersteller Monsanto, inzwischen vom deutschen Bayer-Konzern geschluckt, ist bekannt für seine haarsträubenden Methoden. Jetzt wurde bekannt, dass Monsanto 2011 und 2015 verdeckt Studien des Gießener Agrarökonomen Michael Schmitz finanziert hat, die dieser dann als unabhängige Forschung mit dem Gütesiegel seiner Universität in die öffentliche Debatte einspeiste und auch dem staatlichen Julius-Kühn-Institut des Agrarministeriums zur Veröffentlichung unterjubelte. Offensichtliches Ziel: Glyphosat in der Öffentlichkeit unter dem Siegel der Wissenschaft als unverzichtbar und ökologisch vorteilhaft darzustellen.

Behörden adeln Monsanto-Gefälligkeits-Wissenschaft

„Es ist unsäglich, dass auch hier eine Behörde des Agrarministeriums auf den Schmu hereingefallen ist und die gekaufte Gefälligkeitsstudie durch Veröffentlichung mit dem amtlichen Siegel geadelt hat“, sagt Harald Ebner, Pestizidexperte der grünen Bundestagsfraktion. Bundesregierung und Behörden sind auf allen Ebenen im besten Fall viel zu gutgläubig. Vermeintlich unabhängige wissenschaftliche Studien müssen viel gründlicher auf Interessenkonflikte geprüft werden.

Das Pestizid-Zulassungssystem muss umfassend reformiert werden. Die Forschung zu Pestiziden und ihren Auswirkungen muss komplett von den Firmen entkoppelt und unabhängig vergeben werden – selbstverständlich trotzdem von den Herstellern finanziert, aber indirekt über Gebühren und Abgaben. Das fordern wir in unserem aktuellen Antrag.

Selbst der Glyphosat-Ausstieg 2024 ist wieder abgeblasen

Die aktuelle EU-Glyphosat-Zulassung, die der deutsche Minister Schmidt 2017 in letzter Minute in Brüssel durchgedrückt hat, hat durch diesen neuen Fall weitere Kratzer bekommen. Doch Agrarministerin Klöckner hält unbeirrt weiter an Glyphosat fest. Selbst der versprochene und zuletzt auf 2024 verschobene Glyphosatausstieg ist im Prinzip schon wieder abgeblasen. Klöckner versteckt sich dabei hinter EU-Recht, das angeblich kein nationales Verbot zulasse. Doch Österreich beweist mit seinem Glyphosatverbot gerade, dass diese Ausrede nicht gilt.

Dass auch der Bayer-Konzern sich erst jetzt auf Mediennachfrage und auch nur halbherzig von den gekauften Schmitz-Monsanto-Studien distanziert, zeigt einmal mehr, wie wenig die Nachhaltigkeitssprüche wie "Wir haben verstanden" der Monsanto-Mutter tatsächlich wert sind. Alle Aufklärungsankündigungen des Konzerns sind offenbar nichts als leere Versprechungen.