Antisemitismus in Deutschland Angriff auf unsere zentralen Werte

Am 23. November 2016 diskutierten im Bundestag auf Einladung der grünen Bundestagsfraktion mehrere Expertinnen und Experten unter dem Titel: „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld“ über Aktualität, Erfassung und Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland.

Die Grüne Bundestagsfraktion nimmt Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem ernst. Grund dafür gibt es genug, wie es Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, im - mit 200 Gästen gefüllten- Europasaal des Paul-Löbe Hauses des Bundestages darlegte. Er berief sich dabei auf Erhebungen, wonach über sechzehn Millionen Menschen in Deutschland negativ oder vorurteilsbelastet über Jüdinnen und Juden denken. Doch die Bekämpfung dieses Ressentiments sei nicht ausschließlich Aufgabe der Jüdischen Gemeinden, da Antisemitismus immer auch ein Angriff auf die Werte unserer Gesellschaft sei. Daher komme es bei der Bekämpfung dieses Problems auf die gesamte Gesellschaft an.

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem

Schon zu Beginn der Veranstaltung richtete der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter klare Worte an die Gäste auf dem Podium und die Zuschauer: „Wir dürfen den Antisemitismus nicht als Problem des Anderen sehen. Wir müssen den Antisemitismus in den Räumen, Gruppen, Vereinen und Universitäten, in denen wir uns bewegen, reflektieren, also solchen erkennen und widersprechen.“ Auch Volker Beck MdB, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, pochte darauf, Antisemitismus nicht nur bei anderen oder extremistischen Gruppen zu sehen, sondern zu begreifen, dass „Antisemitismus zum Gepäck dieser Gesellschaft gehört“.

Auf dem Podium wurde lebendig debattiert: bei linkem Antisemitismus angefangen, über Rechtspopulismus, Verschwörungstheorien, der Frage nach den Grenzen der Meinungsfreiheit bis zu islamistisch motivierten antisemitischen Straftaten und deren polizeilicher Erfassung.

Die Facetten des Antisemitismus

Das Besondere an dieser Veranstaltung war nicht nur, dass die Grüne Bundestagsfraktion sich mit dieser Veranstaltung mit dem gesamten Spektrum antisemitischer Einstellungen kritisch auseinandersetzte, sondern auch dass sie für die Herangehensweise an das Thema die Perspektive der Betroffenen wählte.

Besonders eindrücklich waren neben dem Fachwissen von Expertinnen wie Anetta Kahane, Marina Chernivsky oder Sergey Lagodinsky und Benjamin Steinitz die persönlichen Erfahrungen der Bloggerin Luna Grossmann, die sich als offen sichtbar jüdische Frau im Internet bewegt.

Antisemitismusbeauftragter

Doch die Gäste auf dem Podium beließen es nicht bei der Betrachtung einzelner Fälle und abstrakten Debatten, sondern forderten, wie Zentralratspräsident Schuster, ganz konkret die Umsetzung der Handlungsempfehlungen des Expertenkreises Antisemitismus, die Anfang nächsten Jahres erwartet werden. Dafür sei laut Schuster auch ein Antisemitismusbeauftragter notwendig.

Das Programm als Videos

18:00 Uhr: Begrüßung von Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender

18:15 Uhr: Grußwort von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland K.d.ö.R.

18:30 Uhr: Fachliche Inputs

19:00 Uhr: Diskussion: Antisemitismus in Deutschland – Wahrnehmung, Erfassung, Bekämpfung.

  • Anetta Kahane, Amadeu Antonio Stiftung

  • Dr. Sergey Lagodinsky, Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

  • Benjamin Steinitz, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS)

  • Dr. Samuel Schidem, Museumspädagoge, Islamwissenschaftler & Judaist. Phaidon e.V.

  • Moderation: Volker Beck, Sprecher für Religions- und Migrationspolitik
    Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Mehr zum Thema Innenpolitik

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4401308