Kriminalitätsstatistik

Gewalt gegen Frauen - Statistisch unzureichend erfasst

Gewalt gegen Frauen stellte auch im Jahr 2020 eine massive Gefahr dar, wie die Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik zeigen. Die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage zeigt den mangelnden Überblick über das Ausmaß des Problems
03.02.2021
  • Nach wie vor ist für Frauen der gefährlichste Ort das eigene Zuhause: die überwiegende Mehrheit der Todesopfer war mit dem Täter partnerschaftlich verbunden.
  • Trotz wiederholter Kritik ist die Datenlage zu schweren und schwersten Straftaten in Partnerschaft und Familie nach wie vor viel zu dünn.
  • Im Bereich der digitalen Gewalt gegen Frauen fehlt es komplett an Daten und einem Überblick über das Problem.

Gewalt gegen Frauen bleibt leider ein massives Problem, wie die Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik zeigen. Die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage „Aktuelle Erkenntnisse zu Gewalt gegen Frauen in Familie und Partnerschaft“ zeigt auf, dass die Datenlage über schwere und schwerste Straftaten in Familie und Partnerschaft weiterhin ungenügend ist.

Opferstatistik von Femiziden: Dringend nötig

In unserem Antrag haben wir unsere Forderungen an die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr deutlich gemacht. Noch immer erfasst die Bundesregierung nicht die jährliche Anzahl der Tötungsdelikte im familiären Kontext mit anschließendem Suizid des Täters und es gibt keine Statistik darüber, wie viele Frauen in Deutschland pro Jahr Opfer eines Tötungsdelikts oder Tötungsversuchs werden. Dabei brauchen wir dringend eine systematische Erfassung und ein besseres Monitoring einschließlich einer Opferstatistik von geschlechtsspezifischer Gewalt und Femiziden, also der Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts.

Opferstatistik über digitale Gewalt: Dringend nötig

Gleiches gilt für den Bereich der digitalen Gewalt, also Delikte wie Beleidigungen, Stalking im Internet oder Erpressung mit intimem Bildmaterial. Denn obwohl mittlerweile Einigkeit darüber besteht, dass digitale Gewalt oft mit analoger Gewalt einhergeht, gibt es keinerlei Erfassung oder Statistik über das Ausmaß des Problems. Dabei wäre dies entscheidend, auch für eine Verbesserung der Präventionsstrategien und der polizeilichen Ermittlungsarbeit.

Die Kleine Anfrage hat außerdem gezeigt, dass die Bundesregierung noch immer keine Fortschritte im Bereich der Erfassung von Hasskriminalität macht. Gewalttaten deren Motiv Hass gegen Frauen ist werden nach wie vor nicht als Hasskriminalität erfasst. Mit der zu Beginn des Jahres 2020 eingeführten neuen Kategorie „Geschlecht/Sexuelle Identität“ im Bereich „Politisch motivierter Kriminalität“ (PMK) zeigt die Bundesregierung ihre Konzeptlosigkeit und mangelnde Ernsthaftigkeit bei der Bekämpfung von Hassgewalt. Denn die neu eingeführte Aufteilung zwischen den Kategorien „sexuelle Orientierung“ und „sexueller Identität“ ist nicht nachvollziehbar. Darüber hinaus drängt sich die Frage auf, ob Gewalt gegen Frauen zukünftig in diesen Kategorien gelistet wird, denn dafür müssten die Taten von Polizeibeamtinnen und -beamten überhaupt als solche anerkannt werden: Als Gewalt aufgrund des Geschlechts, nicht als tragische Einzelfälle oder „Beziehungstaten“. Doch die Bundesregierung verschließt die Augen vor dieser Tatsache und lehnt auch weiterhin den international verwendeten Begriff des Femizids ab.

Gewalt gegen Frauen: Gefahr für die innere Sicherheit

Die Antwort auf unsere Kleine Anfrage verdeutlicht, welch großen Nachholbedarf die Bundesregierung nach wie vor bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen hat. Die erschreckende Zahl von 172 Mord- und Totschlagsopfern, die mit dem Täter partnerschaftlich verbunden waren, zeigt den dringenden Handlungsbedarf: Denn Gewalt gegen Frauen ist und bleibt eine massive Gefahr für die innere Sicherheit.