30 Jahre friedliche Revolution

Über die Freiheit, frei zu sein

Fünf Personen sitzen im Halbkreis auf einer Bühne in einer Kirche
Bei unserer Veranstaltung „Plauen 89/19 – Protest und Verantwortung“ diskutierten Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., Aminata Touré, MdL und Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein, Werner Schulz, Bürgerrechtler und ehemaliger MdB und MdEP und Dr. Paula Piechotta. Ein wichtiges Fazit in den Gesprächen: Die Demokratie, die wir damals gewonnen haben, gilt es heute zu verteidigen. Grüne Bundestagsfraktion
10.10.2019
  • Im Oktober 1989 gingen in Plauen, einer kleinen Stadt im Süden der DDR, über 15.000 Menschen auf die Straße. Für die Freiheit. Für die Demokratie.
  • Anlässlich des 30. Jahrestages der ersten großen friedlichen Demonstration in Plauen hatte die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen am 7. Oktober 2019 unter dem Titel „Plauen 89/19 – Protest und Verantwortung “ zu Veranstaltungen eingeladen.
  • Am Abend diskutierten Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., Aminata Touré, MdL und Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein, Werner Schulz, Bürgerrechtler und ehemaliger MdB und MdEP und Dr. Paula Piechotta. Ein wichtiges Fazit in den Gesprächen: Die Demokratie, die wir damals gewonnen haben, gilt es heute zu verteidigen.

Betrachtet man heute, aus der zeitlichen Distanz von 30 Jahren, die beeindruckenden Bilder der ersten großen Demonstrationen des Revolutionsherbstes 1989 aus Plauen, Dresden und Leipzig, sieht man die Vielzahl entschlossener Gesichter, die Banner, die Kerzen, die Besonnenheit der Menschen. Was man nicht sieht, ist die Angst der Menschen. Und dennoch hat es sie gegeben. Nur wenige Tage zuvor, Anfang Oktober, wurden in Berlin, Dresden und Leipzig noch Proteste von Menschen mit Polizeigewalt zerschlagen. Zudem kannte jeder die Bilder der Gewalt bei den Protesten in Peking nur wenige Monate zuvor. Man rechnete damit, dass es Gewalt geben würde. Was blieb, war Sorge: Wird es friedlich bleiben? Was passiert im Fall der Verhaftung? Wie geht das Leben weiter? Was passiert mit den Kindern?

Und dann gibt es irgendwann inmitten all dieser Menschen auf der Straße diesen Moment, wo sich die Angst auflöst. Und einem neuen, unbekannten Gefühl Platz macht: Freiheit! Die Freiheit, frei zu sein. Ohne Angst zu sein. Selbst bestimmen zu können.

Für die Freiheit: Über 15.000 Menschen gingen in Plauen auf die Straße

Über diesen Moment wurde am 7. Oktober 2019 auf unseren Veranstaltungen in Plauen sehr viel gesprochen. Anlässlich des 30. Jahrestages der ersten großen friedlichen Demonstration in Plauen hatte die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen unter dem Titel „Plauen 89/19 – Alles muss man selber machen“ zu Veranstaltungen eingeladen. Vor 30 Jahren gingen in Plauen, einer kleinen Stadt im Süden der DDR, über 15.000 Menschen auf die Straße. Für die Freiheit. Für die Demokratie. Für das Ende staatlicher Willkür. Als erste Demonstration endete diese friedlich und mit dem Versprechen der Menschen, wiederzukommen. Es war der erste offenkundige Sieg über die Staatsmacht.

In Plauen, in Leipzig, in Dresden: Überall im Land hatten die Menschen in jenen Tagen und Wochen ihre über Jahrzehnte geschürte Angst vor der offen zur Schau gestellten Macht des Staates, vor Stasi, Polizei und Kampfgruppen, vor Strafjustiz und Willkür überwunden. Hatten Mut gefasst und sind im aufrechten Gang, mit Kerzen in den Händen, dieser Staatsmacht entgegen geschritten. Damit war die Macht des Staates gebrochen. Die Überwindung der Angst war der eigentlich revolutionäre Akt, der die Menschen zu freien Bürgern machte. Ab diesem Punkt war die Revolution nicht mehr aufzuhalten.

SchülerInnen diskutieren mit Zeitzeugen über den Herbst 1989

In einem Weltcafé haben sich Schülerinnen und Schüler mit VertreterInnen der Bürgerbewegung 1989 und Abgeordneten der grünen Bundestagsfraktion getroffen. Eine Generation, die damals Geschichte schrieb und eine, die die friedliche Revolution nur aus Erzählungen kennt, die sich heute für Klimaschutz und ein demokratisches Miteinander stark macht. Was sie verbindet ist das Politische. Was sie verbindet ist der Wunsch, Mauern einzureißen.

Am Abend dann eine Diskussionsrunde mit Joachim Gauck, Bundespräsident a. D., Aminata Touré, MdL und Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein, Werner Schulz, Bürgerrechtler und ehemaliger MdB und MdEP und Dr. Paula Piechotta, engagierte Bürgerin aus Leipzig und über 600 Bürgerinnen und Bürgern in der Plauener Lutherkirche. Im Gespräch wurde daran erinnert, dass mit der Überwindung der eigenen Angst aus unfreien Menschen Bürgerinnen und Bürger wurden, die mit dem Willen zur Freiheit auch die Verantwortung zur politischen Gestaltung anerkannten. Sie waren es, die mit ihrem Mut die Mauer vor 30 Jahren zum Einsturz brachten. Dafür sollten wir dankbar und auf das gemeinsam Erreichte stolz sein. Umso wichtiger ist es, all jenen entschieden entgegen zu treten, die mit rechtspopulistischen Parolen das Erbe der Friedlichen Revolution kapern wollen. Die Demokratie, die wir damals gewonnen haben, gilt es heute zu verteidigen. Oder, wie es ein Redner auf den Punkt brachte: „Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung.“