LSBTI-Jugendliche

Jung, queer und glücklich in die Zukunft

Eine Frau mit einer Regenbogenfahne
Die Situation für queere Jugendliche ist weiterhin schwierig. Immer noch erfahren sie Diskriminierung. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass alle Jugendlichen unabhängig von ihrer sexuellen/geschlechtlichen Identität ein Recht auf bestmögliche Bedingungen zur Persönlichkeitsentwicklung haben. Sharon McCutcheon / unsplash
01.07.2016
  • Die Situation für queere (lsbt*iq) Jugendliche ist weiterhin schwierig. Immer noch erfahren sie Diskriminierung. Oft an ganz alltäglichen Orten, wie in der Schule, in Fußgängerzonen, in der Bahn oder bei Sport und Freizeitaktivitäten.
  • Die Selbstmordrate von queeren Jugendlichen ist im Vergleich zu heterosexuellen Gleichaltrigen um das Vierfache erhöht. Das können und wollen wir so nicht hinnehmen.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen, dass alle Jugendlichen unabhängig von ihrer sexuellen/geschlechtlichen Identität ein Recht auf individuelle Förderung und bestmögliche Bedingungen zur Persönlichkeitsentwicklung haben. 

Noch immer werden queere Jugendliche in unserem Land diskriminiert. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts haben 82 Prozent der befragten lesbischen, schwulen oder bisexuellen und 96 Prozent der Trans* Jugendlichen Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit erlebt. Und das häufig in der Öffentlichkeit, in Fußgängerzonen, vor Bars oder in Clubs, im Schwimmbad oder beim Arzt, im Internet oder bei Behörden. Darüber hinaus ist auch die Schule als zentraler Lebensmittelpunkt immer häufiger ein homo- und transphober Bereich. Schimpfworte wie "schwule Sau", "lesbische Kuh" oder "Scheiß-Transe" sind leider an der Tagesordnung. In der ohnehin nicht immer leichten Zeit der Pubertät haben diese Jugendlichen viele Anfeindungen von außen zu ertragen.

Selbstmordrate gegenüber heterosexuellen Gleichaltrigen erschreckend erhöht

Vielen geht es damit sehr schlecht. Das sieht man zum Beispiel auch daran, dass sie eine um das vier- bis sechsfach erhöhte Suizidrate haben. Aus Angst wird auch ein Coming-out oftmals vermieden und queere Jugendliche wenden häufig Vermeidungs- und Verzichtsstrategien an, um sich nicht Beschimpfungen, Beleidigungen und manchmal sogar körperlicher Gewalt auszusetzen.

Zudem fehlt es queeren Jugendlichen häufig an gesellschaftlichen Vorbildern und Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren können, was zurückzuführen ist auf eine immer noch stark verbreitete Tabuisierung in der Gesellschaft und auch in den Medien, in denen queere Role-Models nur selten vorkommen. Gerade in ländlichen Räumen fühlen sich diese Jugendlichen daher häufig isoliert und allein gelassen. Auch lesbische und bisexuelle Mädchen müssen in ihrem Coming-out Prozess nahezu ohne Vorbilder leben. Verbände und psychosoziale Beratungsstellen weisen schon seit Jahrzehnten auf das Phänomen hin: Lesbische Mädchen und Frauen sind gesellschaftlich und medial oft bis zur Unsichtbarkeit marginalisiert.

Wir Grüne im Bundestag wollen, dass alle Jugendlichen diskriminierungs- und angstfrei leben und aufwachsen können

All das ist alarmierend. Deshalb wollen wir, dass alle jungen Menschen diskriminierungs-und angstfrei leben und aufwachsen können. Denn alle Jugendlichen haben unabhängig von ihrer sexuellen/geschlechtlichen Identität ein Recht auf individuelle Förderung und bestmögliche Bedingungen zur Persönlichkeitsentwicklung. Das ergibt sich auch aus der UN-Kinderrechtskonvention, insbesondere aus Artikel 2 (Diskriminierungsverbot) und Artikel 8 (Identität), Artikel 23 (Recht auf Bildung) und Artikel 29 (Bildungsziele), zu deren Umsetzung und Einhaltung sich Deutschland verpflichtet hat.

Deshalb haben wir einen Antrag vorgelegt: „Jung, queer, glücklich in die Zukunft ‒ Lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Jugendliche stärken.“

Wir fordern:

  • Eine bundesweite Aufklärungskampagne, die in jugendgerechter Form über die Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten informiert sowie bezüglich Homo- und Transphobie sensibilisiert.
  • Geschlechtliche Vielfalt und Diversity muss sich in den Lehr- und Bildungsplänen für Schulen und die frühkindliche Bildung wiederfinden.
  • Auch in Schulbüchern soll die heteronormative und streng zweigeschlechtliche Ausrichtung beendet werden und verschieden Lebensformen abgebildet werden.